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Lokalpolitik

Wer hält die Partei-Fahne hoch?

Dorsten Die etablierten Parteien in Dorsten haben ein Problem. Sie verlieren seit Jahren Mitglieder. Manche mehr, manche weniger. Eine Verjüngung ist dringend notwendig, aber es fehlt an zündenden Ideen.

Wer hält die Partei-Fahne hoch?

Die Parteien, die seit Jahren und Jahrzehnten die politische Szene in Dorsten beherrschen, müssen sich verjüngen. Die Mitgliederzahlen sind rückläufig, bei SPD und CDU stärker als bei Grünen, FDP und Linken. Nachwuchs muss her, da sind sich alle einig.dpa Foto: picture alliance / dpa

In schonungsloser Offenheit hatte Stadtverbandsvorsitzende Jennifer Schug beim Parteitag vor zwei Wochen den Zustand der SPD in Dorsten beschrieben: „Unsere Mitgliederzahl hat sich binnen zwölf Jahren nahezu halbiert“, mahnte sie. „Wir laufen Gefahr, uns innerhalb der nächsten 20 Jahre aufzulösen. Denn wir werden aussterben, wenn wir das Ruder jetzt nicht herumreißen.“ 397 Mitglieder halten in Dorsten noch die sozialdemokratische Fahne hoch. Ihr Altersdurchschnitt: 61 Jahre.

Immer weniger Mitglieder, die immer älter werden – das ist beileibe kein SPD-Phänomen. Die größte Partei in der Lippestadt, die CDU, hat ähnliche Probleme. 103 Mitglieder hat sie zwischen 2011 und 2016 verloren, im Kreisverband waren es 1000 binnen fünf Jahren. „Ein gewaltiger Verlust“, gibt Kreis-Geschäftsführer Ludger Samson zu. Noch zwei Zahlen: Die 716 Dorstener Christdemokraten (Stand 2016) sind im Durchschnitt 64 Jahre alt.

Gerne denkt Samson an das Jahr 1999 zurück, als junge Politikinteressierte wie Dirk Schlenke, Christian Heddier, Johannes Götte und Tobias Stockhoff die Partei aufmischten. Götte und Schlenke sind noch immer Ratsmitglieder, Stockhoff wurde 2014 sogar Bürgermeister. Ähnliche Hoffnungen hegt der CDU-Geschäftsführer auch jetzt. „Die Junge Union hat in diesem Jahr acht neue Mitglieder gewonnen.“ Eine geniale Werbekampagne als Grund? „Nein“, gibt Samson zu, „das läuft über Freundschaften“.

Junge Themen
Die Grünen gelten gemeinhin als „junge Partei“, denn ihre Inhalte „sprechen besonders Jugendliche an, die sich über Nachhaltigkeit Gedanken machen“, meint Fraktionsvorsitzende Susanne Fraund. Die oftmals aber durch Umzug oder Studienbeginn Dorsten verlassen. Die Mitgliederzahlen („knapp unter 40“) sei über die Jahre „relativ konstant“ geblieben, der Altersdurchschnitt liege derzeit bei 44,4 Jahren. Allerdings: Susanne Fraund, Dauerbrennerin im Stadtrat und Mädchen für alles in der Partei, ist schon jenseits der 60. „Wenn Dorsten in den nächsten 20 Jahren ein begehrter Wohn- und Lebensort bleibt, wird das Interesse an grüner Politik weiter bestehen.“ Ein Selbstläufer ist das nicht. Und so wollen die Grünen ab 2018 öfter mit Info-Ständen in der Innenstadt auftreten, „denn wir müssen immer wieder auf die Menschen zugehen“.

In ähnlicher Größenordnung, was Mitgliederzahl und Durchschnittsalter angeht, bewegen sich die Liberalen. FDP-Stadtverbandsvorsitzender Lutz Ludwig merkt, dass „Menschen sich dafür interessieren, projektbezogen tätig zu werden, aber nicht mehr zwingend als festes Mitglied“. Grundsätzlich profitiere seine Partei auch in Dorsten von dem bundesweiten Aufschwung in den letzten vier Jahren. „Wir setzen aber nicht zwingend auf jüngere Mitglieder, sondern auf jeden Menschen, der unsere Werte teilt.“ Eine intensivere Beteiligung von Frauen, die ja bei der SPD diskutiert wird, wünscht sich auch die FDP, „aber auch da befinden wir uns im Aufwärtstrend“.

„Knapp unter 40 Mitglieder mit einem Altersdurchschnitt von 51 Jahren“, zählt Die Linke in Dorsten derzeit. „Es waren schon mal mehr“, gibt Wilhelm Zachraj zu. Gerade erst hat die Partei mit Petra Atici (63) eine neue Vorsitzende gewählt, die als Rentnerin „endlich mehr Zeit hat, um sich um Kommunalpolitik zu kümmern“. Die Partei freut sich, doch nach einem nachhaltigen Zukunftskonzept sieht das für Außenstehende nicht aus. Wilhelm Zachraj gibt zu: „Neue Mitglieder bekommen wir eher durch private Kontakte. In Sachen Eigenwerbung haben wir Nachholbedarf.“

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