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Interview mit Psychotherapeut

Wenn das Glücksspiel zur Sucht wird

DORSTEN In den vergangenen drei, vier Jahren hat Psychotherapeut Bernhard Petters eine Entwicklung beobachtet, die ihm Sorgen bereitet: die Zunahme von Spielhallen im Stadtgebiet – und damit die Gefahr von Personen, die der Spielsucht verfallen. Im Interview mit Tobias Nordmann spricht er sich unter anderem für einen kontrollierten Zugang zu Spielautomaten aus.

Wenn das Glücksspiel zur Sucht wird

Psychotherapeut Bernhard Petters ist für einen kontrollierten Zugang zu Spielhallen.

Der Verband fordert zum Beispiel Eingangskontrollen oder einen Ausweis, mit dem sich der Spieler an einem Spielautomaten identifizieren muss. Gilt er als gefährdet, wird er gesperrt. Das ist ein guter Weg, um Suchtkranken den Zugang zum Spielen zu erschweren. Denn bislang wird es gefährdeten Personen zu leicht gemacht.

Das Internet ist ein natürlich ein großes Problem. Aber auch hier müssen sich bereits viele Spieler registrieren. Und eines ist natürlich klar, wir werden nie ein System haben, wo alle Menschen gegen Suchterkrankungen abgesichert sind. Aber ich bleibe dabei: Ein leichter Zugang zum Spielen erhöht das Potenzial der Suchtkranken.

Das wäre zu viel. Es wird ja auch kein generelles Alkoholverbot gefordert, weil ein bestimmter Personenkreis abhängig ist. Der erschwerte Zugang, den ich unterstütze, ist auch eher eine präventive Maßnahme. Menschen, die spielsüchtig sind, können damit nicht therapiert werden.

Nein, das lässt sich nicht eindeutig sagen. Klar ist, dass gesamtgesellschaftliche Probleme eine Zunahme von psychischen Problemen fördern. Labile Menschen, häufig mit emotionalen Defiziten, suchen dann Lösungen, um die inneren Spannungen abzubauen. Ein Ventil im Strauß der Möglichkeiten kann das Spielen sein.

Sicher kann die wirtschaftliche Lage ein Punkt sein, der Verlust des Arbeitsplatzes zum Beispiel. Gefährdete Menschen versuchen, ihre Probleme mit Spielen zu kompensieren. Häufig sind das Personen, die Rückschläge erlitten haben, sich als Verlierer fühlen. An den Automaten haben sie das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Haben Sie mal drauf geachtet, mit welchen Slogans die Spielhallen werben?

Häufig wird mit einem Slogan geworben, der sinngemäß heißt‚ hier bin ich König. Und genau dieses Denken entwickeln die Spielsüchtigen, damit kompensieren sie ihre Verliererrolle, ihr Gefühl ein ‚Nichts’ zu sein. Kommt es zu ersten Verlusten, steigern sie sich in das Spiel hinein. Sie spielen immer weiter, sie sind im Suchtkreislauf. Durch das intensive Mitfiebern, die Erregung, die Suchtkranke beim Spielen spüren, setzt das bewusste Handeln teilweise aus.

Ja genau. Sie haben das Gefühl, alles im Griff zu haben. Die Automaten sind durchaus clever konzipiert, durch die vielen Knöpfe hat der Spieler das Gefühl etwas kontrollieren zu können, was natürlich nicht der Fall ist. Übrigens: Eine weitere Möglichkeit, die Faszination zu bremsen, wäre, die Gewinnmöglichkeiten zu reduzieren.

Zunächst einmal lässt sich beobachten, dass überwiegend Männer spielsüchtig werden. Es gibt bestimmte Indizien, die darauf hindeuten können, dass sich jemand im Suchtkreislauf befindet. Zum Beispiel, wenn der Betroffene ständig klamm ist und keine Erklärung hat, wo das Geld abgeblieben ist. Ein weiteres Indiz sind Lügengeschichten, denn Spieler haben Geheimnisse und versuchen, diese zu vertuschen.

Der Erkrankte muss direkt mit seiner Sucht konfrontiert werden ebenso wie ein Alkoholiker mit seinem Problem konfrontiert wird. Zwischen beiden Suchtkrankheiten gibt es einige Parallelen, zum Beispiel, dass die Vorwürfe in der Regel erst einmal geleugnet werden.

Das erste, was kommen muss, ist die Einsicht des Betroffenen. Die kommt aber oft nur dann, wenn dieser alles verloren hat. Aber nur wenn die Einsicht da ist, kann eine Therapie funktionieren. Aber die Gefahren bleiben. Auch wenn es den Ausdruck nicht offiziell gibt, so sind therapierte Spieler immer so etwas wie „trockene Spieler“, vergleichbar mit dem „trockenen Alkoholiker“. 

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