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Stufen werden zu Barrieren

Dorsten Das erste Mal im Rollstuhl fühlt sich merkwürdig an: Die Räder sind nun meine Beine.

Mit meinen Händen schiebe ich sie nach vorne. Ruckelig setzt sich das ungewohnte Gefährt in Bewegung. Drei orangene Hütchen soll ich umfahren. Doch wie lenkt man dieses Ding?

Einen kleinen Kreis soll ich fahren, aber der Rollstuhl will nicht so wie ich, ist bockig und eigenwillig. Und einmal buckelt er sogar, so dass ich fast aus dem Sitz gefallen wäre - wenn er nicht ein Stützrad gehabt hätte. Es ist wie Laufen lernen - nur eben umgekehrt. Betroffen macht nur der Gedanke, dass ich am Ende des Parcours wieder aufstehen kann, auf den Rollstuhl Angewiesene aber nicht...

Beim gestrigen Aktionstag «Leben mit Behinderung» konnten die Besucher bei einem Rollstuhl-Parcour der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am eigenen Leib erfahren, wie Rollstuhlfahrer sich fühlen, wenn plötzlich Stufen zu Barrieren werden und andere einen angucken.

Insgesamt 16 Organisationen, Vereine und Verbände präsentierten sich beim dritten Aktionstag auf dem Marktplatz. Bürgermeister Lambert Lütkenhorst eröffnete die Veranstaltung: «Es ist wichtig, die Fragen und Probleme zu diskutieren, die Menschen mit Behinderung haben.»

Lieselotte Mische, Vorsitzende des Behindertenbeirats der Stadt Dorsten, wünscht sich, dass alle Dorstener sich bewusst für Barrierefreiheit einsetzen. «Es macht mich traurig, wenn mir Hauseigentümer von öffentlich zugänglichen Gebäuden mitteilen, dass dieses Thema sie nicht betrifft.»

Und es betrifft viele, wie etwa die Rollstuhlfahrerin Marion Schumacher: «Ich interessiere mich sehr für Kunst, aber die Ausstellungen in Dorsten kann ich mir meistens nicht anschauen, weil ich nicht in die Räume komme.» Das trifft zum Beispiel auf die Ausstellungsräume im Alten Rathaus zu. Und so gibt es noch viele Barrieren mitten in der Stadt: Die meisten Geschäfte haben Stufen, die Eingänge sind zu schmal und es gibt sogar Arztpraxen ohne Aufzüge.

Doch es ist nicht so, dass Menschen mit Behinderung gar nichts mehr machen können. Dagegen kämpft Hans Krella, der Vorsitzende der Rehabilitations- und Behinderten - Sport-Gemeinschaft (RBSG): «Unser Leitspruch lautet: Wer rastet, der rostet.» Der Verein informierte an seinem Stand über die vielfältigen Sportarten, die Behinderte ausführen können: Etwa Sitzball oder Bossel, das so ähnlich wie Eisstockschießen funktioniert.

Öffentliche Diskussion

So konnten sich die vielen Vereinigungen einen ganzen Tag lang im Herzen der Altstadt öffentlich zeigen und mit Passanten ins Gespräch kommen. «Diese Veranstaltung ist wichtig, weil ernst genommene Integration immer auch öffentliche Diskussion bedeutet», fand Heike Marker von der AWO. AR

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