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45 Tage - der Blog in der Fastenzeit

So war der Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten und Schweinefleisch

Dorsten Fasten kann jeder. Unser Autor glaubte das auch. Wobei: Mit Glaube hatte das bei ihm nichts zu tun. Es war eher ein Experiment, ein Selbstversuch. In mehreren Folgen hat er über seine Erfahrungen berichtet. Jetzt ist Zeit, Danke zu sagen.

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Sportredakteur Chris Kremer kennt keine Gnade mit dem fastenden Chef. (Foto: Bianca Glöckner)

Stefans Fastenblog Teil 3
Eine Obsttüte für 20 Euro? Kein Problem, wenn man den Kollegen Gutes tun will. (Foto: Bianca Glöckner)

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Grüße vom Sohn: So ist das, wenn man keine Grillwurst isst. (Foto: privat)

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Zwei, die sich verstehen: Pfarrer Ulrich Franke und Stefan Diebäcker beim Gedankenaustausch in der Kirche. (Foto: Stefan Diebäcker)

Tag 45

Eine Kollegin schaut mir auf den Bauch, eine andere auf den Hintern. Ja, auf den Hintern. „Da ist nichts mehr“, sagt sie erschrocken. Das ist übertrieben, aber ich bedanke mich für die freundliche Begutachtung meines Körpers.

Nach mehr als sechs Wochen ohne Alkohol, Süßigkeiten und Schweinefleisch erkläre ich die Fastenzeit für beendet. Ich habe ein paar Kilo verloren. Das ist mehr als nichts, aber das dreifache Nichts hat mir mehr gebracht. Wertvolle Erkenntnisse. Ein Dank an...

  • ...die Markthändlerin, die mir versicherte, dass ich mit einer Obsttüte für 20 Euro ein gutes Werk tue.

  • ...unsere Praktikantinnen Neele, Emelie und Laura, die jede Menge Backwerk zum Abschied angeschleppt haben. Natürlich nur, um mich auf die Probe zu stellen.

  • ... Peter, den Trinkhallen-Chef „umme Ecke“, der wieder alkoholfreies Bier ins Sortiment genommen hat, obwohl das außer mir angeblich kein Mensch trinkt.

  • ...Pfarrer Franke, der mir beim Gespräch auf der Kirchenbank aus der Seele sprach: „Ich werde aufmerksamer, hellhöriger, empfindsamer.“ Natürlich.

  • ... meine Mutter, die mich nicht enterbt hat, obwohl ich die Fleischbrocken aus ihrem Möhreneintopf gefischt habe.

  • ...meinen Sohn, mit dem ich jetzt paar Test-Biere trinke und der sagt: „Du zahlst endlich wieder!“

Und wer jetzt immer noch nicht kapiert hat, um was es in der Fastenzeit geht, dem empfehle ich dieses Video. Egal, ob man katholisch ist oder nicht:

Tag 38

Ich habe wirklich viel Resonanz bekommen auf meine dreifache Verzichtserklärung. Meistens Lob, Anerkennung, Respekt sogar. Nur eine, die traut dem Braten nicht: meine Mutter.

„Junge, Du bist schmal geworden im Gesicht.“ Das hat sie zum letzten Mal vor etwa 40 Jahren gesagt, als ich zwei Wochen mit einer Grippe flachlag. Ein schmales Gesicht ist kein Kompliment, Mütter ticken anders. Da ist Sorge im Spiel und der Vorwurf, ich hätte nicht genug zu essen bekommen in letzter Zeit.

Ich vermeide das Wort „Fasten“, erzähle irgendwas von Ernährungsumstellung und füge schnell hinzu: „Das tut mir gut.“ Das reicht, um Mutti zu beruhigen. Normalerweise. „Schweinefleisch isst Du auch nicht“, sagt die Küchenchefin. „Dann hast du meinen Möhreneintopf wohl nicht angerührt?“ „Doch, doch“, entgegne ich freudestrahlend und quassele mich ins Verderben. „Aber die meisten Fleischbröckchen habe ich aussor....“

Schweigen. Betretenes.

Tag 31

Ich beginne mich zu langweilen. Nach über vier Wochen Fasten brauche ich den ultimativen Kick. Also gehe ich zum Fußball – drei Spiele an einem Tag. Mehr Herausforderung geht kaum.

Sonntag, 11 Uhr: Mein jüngerer Sohn, Torwart, hat ein Auswärtsspiel beim FC Taxi Duisburg. Keine Ahnung, wie man auf so einen Vereinsnamen kommt. Wahrscheinlich, weil das Bier in dem Container namens Clubheim besonders preiswert ist. Wer hier landet, fährt nicht mehr selbst. Ich bestelle einen Kaffee im Pappbecher. Die Wirtin ist irritiert: „Ihr Ernst?“ Auf den zweiten lauwarmen Kaffee in der Halbzeitpause verzichtet der Exot dann besser.

Sonntag, 13.30 Uhr: 300 Meter weiter spielt „mein“ MSV gegen Düsseldorf. Das geht normalerweise nicht ohne Bier, viel Bier, und Bratwurst. Ich nehme die Apfelschorle, schiele auf einen Backfisch, aber in der Bude ist der Strom ausgefallen. Verdammt, dann eben Döner. Der MSV verliert unverdient, ich bleibe stark: Cola light auf dem Weg zum Bus, während sich mein älterer Sohn noch schnell ein Döschen Köpi organisiert.

Sonntag, 18 Uhr: Ein Sonderzug hat uns nach Dortmund zum BVB gebracht. Ich hole mir ein alkoholfreies Brinkhoff‘s, das natürlich nicht schmeckt und sich temperaturmäßig kaum vom morgendlichen Kaffee unterscheidet. Ich stelle fest: Betrunkene Fußballfans sind noch merkwürdiger, wenn man selber nüchtern ist. Nach dem Abpfiff bleibt Zeit für einen Imbiss, bevor der Zug kommt. Bratwurst, Krakauer, Friko – verboten. Pommes-Bude – geschlossen. Spitze.

Sonntag, 22.15 Uhr: Wieder zu Hause, standhaft geblieben. Kein Alkohol, nix Süßes, kein Schweinefleisch. Ich fühle mich ein bisschen als Sieger.

Tag 21

Halbzeit. Ich brauche Inspiration für den Rest der Fastenzeit. Ich treffe Ulrich Franke, den Dechanten der Katholiken in Dorsten. Der ist Fastenprofi. Fast.

Tag 14

Nicht normal. Ich trinke Mineralwasser, wo ich sonst zur Bierflasche gegriffen hätte. Ich futtere Pizza Margherita statt fettigem Fleischzeugs. Das bleibt den anderen Gästen der Geburtstagsparty, die mich schon länger kennen, natürlich nicht verborgen. Ich muss mich erklären. Ja, ich verzichte. Fastenzeit, schon mal gehört? Ein Bekannter klopft mir gönnerhaft auf die Schulter. „Wird schon ...“ Als wäre ich schwerkrank. Ein anderer stopft sich noch schnell ein Stück Salami-Pizza rein, begleitet von einem langgezogenen „Mmmmhhh“.

Am Wohnzimmertisch verwickeln mich zwei Damen wenig später in ein Gespräch. Es gibt Buchtipps, Ernährungstipps, Gesundheitstipps. Wie diesen: „Wenn Du die Leber mal so richtig entgiften möchtest, lege noch einen heißen Lappen drauf, das hilft.“

Nein, möchte ich nicht. Der Leber geht es gut. Mir auch. Ich leide auch nicht, ich faste nur ein bisschen. Und verzichte gerne auf neunmalkluge Tipps.

Tag 11

Diese Süßigkeiten auf unserem Konferenztisch gehen mir auf den Keks. Mein gesünderes Ich bekommt Nackenstarre vom ständigen Kopfschütteln. Da hilft nur eins: Fitness-Fingerfood.

Tag 7

Die erste Woche ist geschafft. Keine Süßigkeiten, kein Alkohol, kein Schweinefleisch – so weit, so gesund. Ich tue meinem Körper wahrscheinlich etwas Gutes und bin sogar ein bisschen stolz.

Und ja: Es ist nicht unangenehm, wenn jemand an meinen Schreibtisch kommt und behauptet: „Du hast abgenommen!“ Beweisen lässt sich das nicht, denn dummerweise habe ich mich vor Beginn der Fastenzeit nicht gewogen. Weil das ja nicht mein Antrieb ist. Ich rechne derzeit eher anders: Wie viel alkoholfreies Bier müsste ich trinken, bis sich was dreht?

Nach dem morgendlichen Schwimmen im Atlantis habe ich mich aber doch dabei ertappt, wie ich einen verstohlenen Blick in den Spiegel geworfen habe. Bauch und Hüfte sind noch da, es hat sich offenbar nichts Wesentliches verändert. Mein alternder Körper macht sich also keinen Stress. Irgendwie beruhigend.

Tag 4

Ich kann Skandale aufdecken, Exklusivgeschichten schreiben, rund um die Uhr im Einsatz sein – es juckt offenbar niemanden. Aber kaum knechte ich mich, übe ich mich in Enthaltsamkeit, bekomme ich nette Briefe, höhnische Kommentare, mitleidige Anrufe. Danke für alles.

Tag 1

Auf unserem Konferenztisch in der Redaktion stand am Dienstag eine Box mit Waffeln. Gutes von gestern. Ich habe wie selbstverständlich zugegriffen. Einmal, zweimal, dreimal. Ab heute ist Schluss damit. Es ist Fastenzeit, ich übe mich in Verzicht - nicht nur beim Süßkram übrigens.

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Sportredakteur Chris Kremer kennt keine Gnade mit dem fastenden Chef. (Foto: Bianca Glöckner)

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Grüße vom Sohn: So ist das, wenn man keine Grillwurst isst. (Foto: privat)

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Zwei, die sich verstehen: Pfarrer Ulrich Franke und Stefan Diebäcker beim Gedankenaustausch in der Kirche. (Foto: Stefan Diebäcker)

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