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So schätzen Händler die Dorstener Märkte ein

Dorsten Wochenmärkte gibt es in Dorsten schon sehr lange. Aber mittlerweile gibt es Brötchen an der Tankstelle, Obst und Gemüse in jedem Discounter und sogar im Internet. Wie geht es den vier Dorstener Märkten heute - wir haben mit Händlern gesprochen.

So schätzen Händler die Dorstener Märkte ein

Melanie Elzschich weiß, welche Blumen Stammkunde Ulrich am liebsten hat. Foto: Jennifer Riediger

„Morgen, Ulrich“, ruft Marktfrau Melanie Elzschich fröhlich ihrem Stammkunden zu. „Haste was Gelbes?“, fragt der und lässt seinen Blick suchend über die Auslage von „Blumen Rita“ wandern. An gelben Tulpen bleibt er hängen, und lässt sich einen Strauß einwickeln. „Ich komme jede Woche auf den Markt und kaufe mir gelbe Blumen bei ‚Blumen Rita‘, weil die Frauen hier so freundlich sind.

Von diesen Stammkunden haben Melanie Elzschich und ihre Mutter an ihrem Stand vor dem Süßwarenladen Hussel viele. Aber auch sie spüren den Druck. „Es geht darum, günstig einzukaufen, günstig zu verkaufen und die Qualität muss trotzdem stimmen“, erklärt Melanie Elzschich das Dilemma, in dem so mancher Marktbeschicker steckt. „Aber in Dorsten ist es mit ‚Geiz ist geil‘ noch nicht so schlimm wie anderswo“, sagt die 35-Jährige, die auch noch in Gelsenkirchen-Buer, Dülmen und Lüdinghausen auf dem Markt steht.

So schätzen Händler die Dorstener Märkte ein

Andreas Unnebrink verkauft Obst und Gemüse in der Altstadt und auch in Hervest. Auf dem Glück-Auf-Platz ist er der letzte Markthändler, der dort dienstags die Stellung hält. Foto: Jennifer Riediger

Die günstige Konkurrenz vom Discounter hat auch Andreas Unnebrink als ein Problem für den Markt ausgemacht. „Wir müssen uns von denen durch Geschmack und Qualität abheben“, sagt der Obst- und Gemüsehändler. Seit 130 Jahren hat die Familie ihren Stand auf dem Markt, seit 34 Jahren steht er selbst dahinter. Um die Leute an seinen Stand zu locken, habe er das Angebot immer mehr vergrößert. „Früher hatten wir 60, jetzt haben wir über 120 Artikel. Sechs Sorten Tomaten, vier Sorten Kartoffeln, aber auch Zuckerschoten, Staudensellerie und Ingwer. Es gibt ja viele Kochsendungen, das wollen die Leute nachkochen.“

Mehr Doppelverdiener, weniger Kundschaft

Er könne mit seinem großen Angebot natürlich nur Kunden anlocken, die grundsätzlich unterwegs seien. Und das sind laut Unnebrink unter der Woche deutlich weniger als früher. „Das liegt an den Doppelverdienern.“ Auch Frauen können morgens oft nicht mehr in Ruhe mit den Kindern über den Markt bummeln. Die fehlen ihm als Kunden.

Eine Lösung war für ihn der ganztägige Wochenmarkt, der ab Mai 2015 in der Altstadt getestet wurde. „Ich habe ein Jahr durchgehalten. Aber am Ende war ich alleine. Für mich hat sich das, über das ganze Jahr gerechnet, aber gelohnt.“ Wenn Interesse bestehe, könne der Ganztagsmarkt am Donnerstag auch jederzeit wieder aufgenommen werden, sagt Marktmeisterin Heike Hein: „Die Möglichkeit wollen wir auch offen halten, falls sich erneuter Bedarf entwickelt.“

Eigentlich ein Top-Marktplatz

Der Hervester Markt besteht nur noch aus einem einzigen Stand. Andreas Unnebrink verkauft dienstags auf dem Glück-Auf-Platz Obst und Gemüse. „Wir sind schon immer da. Meine Mutter war Hervesterin und kannte, genauso wie meine Tanten, viele Kunden noch aus der Schulzeit.“ Deswegen werde er auch bleiben. „Aber mehr Stände werden nicht dazu kommen. Obwohl der Glück-Auf-Platz eigentlich ein Top-Marktplatz ist, weil man direkt mit dem Auto dort parken kann.“ Aber das Publikum sei einfach nicht da. „Das wird auch nicht wieder.“

Marktmeisterin Heike Hein teilt seine Einschätzung: „Sollte der Obst- und Gemüsehändler irgendwann mal aufhören, wird der Markt in Hervest leider sterben.“

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Birgit Hess kauft gerne auf dem Wochenmarkt in Holsterhausen. Bei Andreas Steinkopf läuft das Geschäft nicht nur ihretwegen gut. Foto: Jennifer Riediger

Dem Wochenmarkt in Holsterhausen, der immer freitags stattfindet, geht es hingegen richtig gut. „Er hat sich gut gehalten, ist sogar immer größer geworden mit einem zweiten Käsehändler und dem Bäcker“, sagt Marilies Wiemann, die den Markt regelmäßig besucht. „Es ist sehr persönlich hier. Die Stimmung und die Qualität sind gut und man kann gut parken“, sagt auch Frauke Drews.

Den Holsterhausener Markt könne man als Selbstläufer bezeichnen, sagt Martktmeisterin Heike Hein. „Er dient unter anderem der in der Nachbarschaft liegenden Seniorenwohnanlage als direkter Nahversorger, bei dem alles zu bekommen ist: Obst, Gemüse, Käse, Wurst, Fleisch, Geflügel, Fisch, Textilien, Blumen und mehr.“

„Es läuft sehr rund“

Diese Zufriedenheit mit dem Freitagsmarkt auf dem Berliner Markt teilen auch die Händler. „Es läuft sehr rund“, sagt Käsehändler Andreas Steinkopf. „Die Kunden sind anspruchsvoll und wissbegierig. Sie schätzen gute Ware.“ Und kommen immer wieder. Birgit Hess ist ein wahrer Fan des Holsterhausener Marktes und der Dorstener Märkte generell. „Ich überlege immer, was ich auf den Märkten – oder auch in den Dorstener Geschäften – bekomme, bevor ich woanders hinfahre“, sagt die Kundin, die von ihren Freunden aufgrund der Werbung für die Märkte schon „Marktfrau“ genannt wurde.

Sogar Gastgeschenke kauft sie auf dem Markt: „Wenn wir eingeladen sind, schenke ich das Rezept und die Zutaten vom Markt dazu“, verrät sie ihren Tipp für ein kreatives Mitbringsel.

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Helga Wachowski verkauft Kuchen und Brot auf dem Barkenberger Wochenmarkt. Foto: Jennifer Riediger

„Käse, Gewürze, einen zweiten Metzger – das gab es alles mal.“ Helga Wachowski erinnert sich an bessere Zeiten auf dem Wulfener Markt. Seit rund 20 Jahren steht sie mit ihrem Brot- und Kuchenwagen vor dem Gemeinschaftshaus in Wulfen. Seit einem Jahr nur noch einmal in der Woche.

„Dienstags hat sich einfach nicht mehr gelohnt.“ Am Freitag kommt die Wulfenerin, die ihre Waren aus der Landbäckerei ihres Sohnes bekommt, aber noch auf ihre Kosten. „Weil ich alleine hier stehe, ohne Angestellte.“ Sie kommt auch auf den Markt, um Menschen zu treffen, ein bisschen zu quatschen. „Die ganze Zeit zu Hause – das ist ja auch nichts.“ Aber wenn sie mal nicht mehr kann? Helga Wachowski zuckt mit den Schultern. „Von uns wird den Wagen dann keiner mehr machen.“

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Marco Hoffmann verkauft Uhren, wechselt Batterien und Bänder auf dem Barkenberger Wochenmarkt. Foto: Jennifer Riediger

Und ob ein anderer Bäcker mit einem neuen Wagen kommt? Marco Hoffmann sieht das kritisch. „So ein Wagen ist eine Investition, der kostet viel Geld. Das macht doch heute keiner mehr“, sagt der Uhrenhändler, der seit gut 18 Jahren auf dem Platz steht. Er habe viele Stammkunden. „Die lassen bei mir die Batterien wechseln oder kaufen neue Bänder. Gerade ältere Leute, die nicht mobil sind, kommen gerne zu mir.“ Aber die Zeiten seien härter geworden. „Früher war es super hier, in D-Mark-Zeiten.“

Ein Problem sei der Verfall des Einkaufszentrums. „Diese leere Wüste.“ Das sieht auch Hubert Heiming vom Ordnungsamt so, der immer im Gespräch mit den Marktbeschickern in Barkenberg steht. „Dieser Leerstand und dass die Geschäfte abseits des Marktes aufgemacht haben – das ist eine bittere Pille.“ Auch die veränderte Bevölkerungsstruktur sei ein Problem.

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Alexander Herbersagen verkauf seit einigen Monaten Fisch auf dem Wochenmarkt in Wulfen-Barkenberg. „Es läuf gut“, zieht er eine erste Bilanz. Foto: Jennifer Riediger

Bei all den Sorgen um „ihren“ Markt verweisen Händler und Hubert Heiming hoffnungsvoll auf den Fischstand von Alexander Herbersagen, der seit knapp einem Jahr mit selbst geräuchertem Fisch und selbst gemachten Salaten eine Lücke füllt. „Ich bin zufrieden“, sagt er zwischen zwei Kundengesprächen. Seit anderthalb Jahren besitzt der Hertener, der gemeinsam mit Vater und Onkel den „Forellenhof in der Ried“ betreibt, einen Marktwagen. „Ein Kollege hat ihn mir verkauft. Es hat sich einfach so ergeben.“

Natürlich könnten noch mehr Kunden kommen. „Aber hier ist es besser als in Gelsenkirchen-Hassel, wo ich auch schon einmal stand“, ordnet er ein. Die Barkenberger freuen sich über das neue Angebot. „So frisch bekommt man es sonst hier nirgends“, sagt Ilona Neumann.

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