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Schneider: Armut hat in Dorsten keine Lobby

Dorsten Der Familienatlas 2007 belegt es schwarz auf weiß: Im Hinblick auf Kinderfreundlichkeit zählt das Ruhrgebiet zu den schwächsten Regionen in Deutschland. Und "40 000 Kinder leben an Emscher und Lippe unter dem Existenzminimum", wie der DGB in seiner jüngsten Kampagne gegen Kinderarmut feststellt.

"In den Regelsätzen für ALG II Empfänger sind 2,67 Euro für das tägliche Essen vorgesehen", rechnet Industriepfarrer Dr. Hans-Udo Schneider vor, der sich auch im Dorstener Arbeitslosentreff (DAT) engagiert, "davon kann heute kein Kind ausreichend und angemessen ernährt werden."

Schaue man genauer hin, so seien viele Armutsfamilien nicht in der Lage, das Essensgeld für ihre Kinder aufzubringen. Die Folgen seien Abmeldungen oder Fehlbeträge im Bereich der Offenen Ganztagsschule. Das gelte auch für Lern- und Unterrichtsmaterial, Busfahrten und Klassenausflüge. Dr. Schneider: "Woher soll der Beitrag für den Sportverein, die Musikgruppe, der Besuch im Freizeitbad oder im Atlantis bezahlt werden? Oder haben Kinder armer Eltern dort nichts zu suchen? Arme Kinder sind häufiger krank und fehlernährt, haben bei gleicher Intelligenz weniger Chancen auf gute schulische und berufliche Ausbildung."

Massive Probleme

Ein größer werdender Anteil von Kindern, so Dr. Schneider, werde auch in Dorsten schwer vernachlässigt und zeige massive körperliche und seelische Auffälligkeiten. Viele Eltern dieser Kinder seien ohne fachliche Hilfestellung nicht in der Lage, ihre Kinder zu erziehen. Ein Fall "Kevin" sei auch in Dorsten jederzeit möglich.

In vielen Dorstener Grundschulklassen zeigten bis zu einem Viertel der Kinder massive Probleme auf. "Als DAT kennen wir auch die schlechte Haushaltslage und sind nicht so naiv anzunehmen, dass mit freien Lernmitteln für arme Kinder, die anstehenden Probleme allein gelöst werden könnten", beschließt der Sozialpfarrer seine Stellungnahme zur Entscheidung des Finanzausschusses, "ein wichtiges und sinnvolles Signal wäre es allerdings allemal."

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