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Dorstenerin glaubt an Rettung

Kati hat Leukämie, aber: "Der Tod kann mich mal!"

Dorsten Katrin Warmbier hat Krebs. „Chronische Leukämie“, nennen es die Ärzte. Aber das Leben der Dorstenerin kann vielleicht gerettet werden. Denn es gibt einen Stammzellspender. Dies ist Katis Geschichte. Eine Geschichte über Angst. Über Liebe. Über den Tod. Und die Hoffnung.

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Ein großer Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Katrin Warmbier wollte das Fest unbedingt mit ihrer Familie feiern. „Ich liebe Weihnachten.“ Den Baum hat sie aber schon vor mehr als einer Woche geschmückt. „Man weiß ja nie, was alles passieren kann und ob ich dann überhaupt zu Hause bin“, sagte sie.

Kati genießt die Momente auf dem Spielplatz mit ihren Kindern Tilda und Noah.

Katrin und ihr Ehemann Frederic. Seit zwei Jahren sind sie verheiratet, haben zwei kleine Kinder.

Kati weint, als sie sich die Haare vom Kopf rasiert. Die Locken fallen zu Boden, das tut weh. Doch es muss sein. Jetzt. Beim Duschen hat sie wieder mal büschelweise Haare verloren, den breiten Scheitel kann sie nicht mehr verdecken. „Das ist überhaupt nicht gut für die Psyche“, meint sie. Kati macht also kurzen Prozess, heult – und schmunzelt wenig später über ihr kahlköpfiges Spiegelbild. „Och, das sieht gar nicht so schlimm aus“, denkt die 22-Jährige. „Endlich kann ich mir die Haare mal gesund nachwachsen lassen.“ Die waren früher schwarz. Oder braun. Oder gelb. Denn Kati hatte immer ihren eigenen Kopf. Jetzt hat sie noch einmal selbst entschieden, wie sie aussehen möchte.

Wenige Wochen später verliert sie die Kontrolle.

Dass mit ihr etwas nicht stimmt, hatte Kati ein Jahr zuvor bemerkt. Sie fühlte sich schlapp, müde, kraftlos. Aber sie meinte den Grund zu kennen: Da sind Tilda (2) und Noah (1), ihre beiden Kinder. Da sind der Hund und der Haushalt. Frederic, ihr Mann, ist beruflich viel unterwegs. „Diese Zeit war wirklich anstrengend“, sagt die junge Mutter. „Ich hatte volles Programm, 24 Stunden lang. Ich bin nie darauf gekommen, dass ich krank sein könnte.“

"Krebs, Leukämie stand nicht im Raum"

Im Frühjahr verschlechtert sich ihr Zustand. Sie läuft „wie eine Oma“ und vermutet, das läge an einem eingeklemmten Nerv. Dann bemerkt sie zwei geschwollene Lymphknoten und geht doch zum Arzt. Sie wird im Krankenhaus zwei Wochen intensiv untersucht. Doch niemand kann ihr sagen, was sie hat. „Krebs, Leukämie, stand damals nicht im Raum.“

Die endgültige Diagnose bekommt Kati im August. Eine Woche zuvor hatte ihr Frederic einen Antrag gemacht, nachdem sie gerade erst wieder nach Dorsten gezogen waren. Dort, wo Katis Eltern und Geschwister leben. Zwei Jahre nach der standesamtlichen Trauung wollten sie bald kirchlich heiraten. Kati hatte sich das immer gewünscht – ganz in Weiß, mit Tilda und Noah als Blumenkindern. Eine wunderbare Vorstellung – und plötzlich ganz weit entfernt.

"Das schlimmste Gefühl ist, nichts dagegen machen zu können"

Die millimeterlangen Haare sind in den letzten Wochen einfach ausgefallen. Nicht nur auf dem Kopf. Überall. „Das ist das schlimmste Gefühl, nichts dagegen machen zu können. Das Einzige, was ich nicht verdrängen konnte“, erinnert sich die junge Dorstenerin. Die Tabletten, die sie im Spätsommer genommen hatte, hatten nicht gewirkt. Die Punkte am Hals, die sie wie ihren kahlen Kopf nicht verdeckt, sind die Spuren des zentralen Venenzugangs, der Kati für die beiden folgenden Chemotherapien im November und Dezember gelegt wurde. „Das tut nicht weh, weil man betäubt wird, aber man hat trotzdem ziemlich viel Angst“, beschreibt sie.

Der giftige Cocktail, der ihr eine Woche lang ununterbrochen in Minimaldosierung in den zierlichen Körper geträufelt wird, frisst ihr Immunsystem auf. Ihr Leukozyten-Wert sinkt auf 300. Normal sind zwischen 4000 und 10 000. Kati ist ständig schlecht, sie erkältet sich. Die Nase blutet. Wenn sie die Beine übereinander schlägt, hat sie später blaue Flecken. „Das ist gruselig. Man sieht so etwas sonst nur bei schwer kranken Menschen. Dann für sich selber zu erkennen, dass man so krank ist, ist ganz schwer.“

"Früher hatte sie Hummeln im Hintern"

Kati findet es unheimlich, wie schnell sich die Muskeln zurückbilden. Sie ist schlapp, will am liebsten nichts mehr sehen, nichts mehr hören. Einfach nur liegen. Aber sie traut sich nicht, das so offen zu sagen. Die besorgten Fragen der drei älteren Geschwister Silvia, Ella und Lukas und ihrer Eltern, die es ja nur gut meinen, nerven. „Ich habe immer gesagt: Mir geht es gut. Dabei ging es mir richtig beschissen.“

Es ist nicht lange her, da hatte sie noch „Hummeln im Hintern“. Ruhig sitzen war nämlich nie ihr Ding. Kati ist deshalb auch sauer auf sich selbst, obwohl sie ja nichts für die Erkrankung kann. Sie fühlt sich wie ein kleines Kind. „Dies darfst Du nicht, das darfst Du nicht. Pass hier auf, pass da auf!“ Die Menschen um sie herum wollen ihr helfen, sie beschützen, aber sie findet es grauenhaft. Und manchmal ist sie verzweifelt.

Manchmal ist der Optimismus wie weggeblasen

Denn da sind natürlich auch die Gedanken an den Tod. Ihr Lieblingsfilm handelt von einem leukämiekranken Menschen, und dieser Film hat kein Happy-End. „Plötzlich ist das Thema sehr nah: über den Tod nachzudenken, wenn man todkrank ist.“ Sie redet im Krankenhaus mit einer Psycho-Onkologin, das hilft ihr. „Familie eignet sich überhaupt nicht dafür“, hat Kati für sich erkannt. „Die wollen das gar nicht hören.“ Wenn sie mit einem Außenstehenden redet, sieht sie vieles aus einem anderen Blickwinkel. Natürlich fragt sie sich: „Schaffst Du das?“ Und dann denkt sie reflexartig. „Der Tod kann mich mal!“

Manchmal jedoch ist sie so fertig, da ist der Optimismus wie weggeblasen. Kati kann inzwischen damit umgehen, sagt sie, „aber meine Familie immer noch nicht. Von meiner Angst vor dem Tod wollen sie nichts wissen.“

Sie will sich nichts verbieten lassen

Frederic, ihr Mann, fängt sie in solchen Momenten auf. „Er kann das“, sagt Kati leise. „Er ist immer für mich da.“ Einmal hat sie Frederic angeschrien, als auch er sie bremsen wollte. „Ich mache, was ich schaffe“, hat Kati trotzig erwidert. „Und wenn ich danach zehn Stunden auf der Couch liege.“ Sie will sich nichts verbieten lassen. Kati weiß, dass ihre Eltern, ihre Geschwister, ihre Schwägerin alles für sie tun. Ihnen ist es mit zu verdanken, dass ein Stammzellspender gefunden wurde. Doch Frederic „ist das Wertvollste, was ich habe“.

Typisierungsaktion in der VHS

1884 neue potenzielle Lebensretter

Dorsten Um 14 Uhr hatten sich am Sonntag bereits 1000 Menschen typisieren lassen. Sie alle hoffen, als Knochenmarkspender für die an Leukämie erkrankte Katrin aus Dorsten in Frage zu kommen. Am Ende des Tages gingen 12 905 Euro an Spenden ein, 1884 Menschen ließen sich registrieren.mehr...

Er hat auch die Patientenverfügung, in der steht, dass seine junge Frau keine Chemo mehr möchte, wenn der Krebs eines Tages zurückkommen sollte. Denn dieses Damoklesschwert wird immer über ihr sein. „Dann war es Schicksal, dann ist es so gewollt“, sagt sie tapfer. „Dann will mein Körper eben nicht.“ Frederic hat das akzeptiert. Akzeptieren müssen.

Die beiden Kinden sind eine glückliche Fügung

Kati hat den acht Jahre älteren Mann vor drei Jahren kennengelernt. „Ganz spontan“ haben sie sich verabredet. Kati besucht ihn in Osnabrück und verliebt sich. „So einem Menschen bin ich noch nie begegnet“, schwärmt sie. „Das passte sofort.“ Sie ziehen zusammen, ein Jahr später ist Kati mit Tilda schwanger. Kati und Frederic heiraten, ein weiteres Jahr später kommt Noah zur Welt. „Ein Traum“, sagt das Paar damals. „Es war Schicksal“, sagt es nun. Denn Kinder darf Kati nicht mehr bekommen.

Kati glaubt, dass es so, wie es gekommen ist, vorbestimmt war. Wenn sie ihren Mann nicht kennengelernt hätte, hätte sie Tilda und Noah nicht bekommen. „Aber krank wäre ich trotzdem geworden.“ Dann hätte sie vielleicht längst aufgesteckt, sich „die Kugel gegeben“, wie sie es nennt. So jedoch wird Kati kämpfen. Mit allem, was ihr geschwächter Körper hergibt. „Ich habe meine eigene Familie, das zählt. Jemanden, für den es sich lohnt, nicht aufzugeben.“

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Ihr Mann und ihr Bruder sind bei ihr, als der Oberarzt vor wenigen Wochen sagt, dass es einen Stammzellspender gibt. „Ich habe geweint, mein Bruder hat geweint, Frederic war völlig perplex.“ Kati bekommt das Lächeln in den folgenden Tagen nicht mehr aus dem Gesicht. Sie weiß: Die erste Hürde hat sie genommen. Vor der nächsten hat Kati große Angst. Vor der hammerharten Chemotherapie, die ihr Immunsystem binnen 24 Stunden vernichtet. Vor der Spende, vor der Wartezeit, bis nach 14 Tagen feststeht, ob ihr Körper das Knochenmark des unbekannten Retters tatsächlich annimmt.

Aber sie will dieses zweite Leben. Unbedingt. „Was ist, verdammt noch mal, ein Jahr, in dem ich mit dieser Krankheit zu tun habe werde?, fragt sie, ohne eine Antwort zu erwarten. Körperliche Schäden werden bleiben, das ist sicher. Aber sie wird ihre Kinder aufwachsen sehen, davon ist sie mehr denn je überzeugt. Sie kann, wenn alles gut geht, mit ihrem Mann alt werden. „Das alles übertüncht jetzt die Angst.“

Und dann wird sie sich eines Tages diesen einen Traum ganz bestimmt erfüllen: die Hochzeit in Weiß. Mit ihren Blumenkindern.

Kati lacht.

Transplantation im Februar

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Ein großer Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Katrin Warmbier wollte das Fest unbedingt mit ihrer Familie feiern. „Ich liebe Weihnachten.“ Den Baum hat sie aber schon vor mehr als einer Woche geschmückt. „Man weiß ja nie, was alles passieren kann und ob ich dann überhaupt zu Hause bin“, sagte sie.

Kati genießt die Momente auf dem Spielplatz mit ihren Kindern Tilda und Noah.

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