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Freiwillige Feuerwehr will neue Mitglieder werben

Jugendliche und Seiteneinsteiger

105 aktive Feuerwehrleute gibt es in Schermbeck. Seine „Sollstärke“ erreicht dabei keiner der drei Löschzüge. Das Problem will man nun offensiv angehen.

Schermbeck

von Berthold Fehmer

, 28.06.2018
Freiwillige Feuerwehr will neue Mitglieder werben

Mit vielen Aktionen will die Freiwillige Feuerwehr in den kommenden Monaten neue Mitglieder werben. Plakataktionen, ein Imagefilm sowie Veranstaltungen an den drei Feuerwehrhäusern wurden am Donnerstag am Rathaus vorgestellt. © Berthold Fehmer

„Eine der wichtigsten Stützen unserer Gemeinde und der Gesellschaft“, nennt Bürgermeister Mike Rexforth die Feuerwehr. Über Jahrzehnte habe das Konstrukt der Freiwilligen Feuerwehr in Schermbeck gut funktioniert. Das könnte sich aufgrund der Altersstruktur (viele Schermbecker Feuerwehrleute sind über 50 Jahre alt) sowie gesellschaftlicher Entwicklungen ändern. „Wir wollen nicht in die Situation kommen, dass wir über eine Berufsfeuerwehr diskutieren müssen“, sagt Rexforth. Denn das würde den Gemeinde-Etat mit mindestens siebenstelligen Summen für jedes Jahr belasten - allein, was die Personalkosten betrifft.

30 aktive freiwillige Mitglieder hat etwa der Löschzug Schermbeck. Dessen Löschzugführer Christoph Loick: „Da ist noch Luft nach oben.“ Die Sollstärke für seinen Löschzug beträgt 54 Mitglieder. Die Sollstärke wird nach Variablen wie Einwohnern, Ausrückegrad und Gebietsgröße festgelegt. Der Altschermbecker Löschzug kommt immerhin auf 48 Mitglieder, der Löschzug Gahlen auf 27.

Angst um den Arbeitsplatz

Dass die Nachwuchsgewinnung kein Selbstläufer mehr ist, liege an der beruflichen Belastung, „genügend Alternativen in der Freizeitgestaltung“, der knapper werdenden Freizeit und der mangelnden Bereitschaft, sich für ein Ehrenamt zu engagieren, sagt Loick. Der stellvertretende Leiter der Schermbecker Feuerwehr Helge Dreßen sagt, dass bei einigen Kameraden auch schon ein bisschen Angst um den eigenen Arbeitsplatz eine Rolle spiele. „Der Arbeitgeber sagt: Du bleibst hier, du bekommst von mir das Geld.“

Seit Jahren zeichnet die Gemeinde deshalb Arbeitgeber aus, die ihre Mitarbeiter für die freiwillige Feuerwehr abstellen und geht dabei selbst als gutes Beispiel voran, da die Mitgliedschaft bei der Feuerwehr bei einer Bewerbung im Rathaus Extrapunkte bringt. „Wir zeichnen die Arbeitgeber zwar nicht mit Geld, aber mit Ruhm und Ehre aus“, sagt Rexforth.

Imagefilm mit Ex-Bürgermeister

Der Brandschutzbedarfsplan, der 2017 vorgestellt wurde, gab der Mitgliederwerbung besondere Priorität - und das wird jetzt umgesetzt. Bei der Jugendfeuerwehr klappe das bereits ganz gut, so Rexforth. Aber auch die Löschzüge machen jetzt Werbung. „Eine gemeinschaftliche Aktion, die so noch nie gelaufen ist“, sagt Rexforth. So wurde etwa ein Imagefilm gedreht, in dem der ehemalige Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter mit zu Einsatzübungen der Löschzüge fährt und das vielfältige Spektrum der Arbeiten von der Brandbekämpfung bis zur Rettung eines gekenterten Paddlers aus dem Kanal kennenlernt. Der Film soll demnächst über soziale Netzwerke und Internetseiten verbreitet werden.

„Heißer als deine Pizza“

Wer in den kommenden Wochen eine Pizza in Schermbeck bestellt, findet auf den Kartons einen Aufkleber mit dem Slogan „Unser nächster Einsatz! Heißer als deine Pizza. Werde Mitglied!“ Auch bei „Schermbeck genießen“ mit Unterstützung der Familie Wirtz sowie beim Sommerstraßenfest werde für die Feuerwehr geworben, so Rexforth. Eine Plakataktion im Juli und August wird das Thema in die Fläche tragen. „Außerdem gibt es ein Facebook-Gewinnspiel, bei dem man Feuerwehr-Bilder hochladen kann“, so Rexforth. Zu gewinnen gibt es Führungen durch die Gebäude der Feuerwehr. Wer sich nicht auf sein Glück verlassen will, kann auch zu drei Terminen die drei Feuerwehr-Häuser besichtigen (siehe Info-Text). Außerdem wolle die Gemeinde einen Infobrief an alle Haushalte schicken, so Rexforth.

Von 14 bis 45 Jahren

Im September werde man berichten, „was diese Aktion gebracht hat“, sagt Rexforth. Zielgruppe der Mitgliederwerbung seien Jugendliche ab 14 Jahren sowie Seiteneinsteiger, bei denen man das Alter etwa bei bis zu 45 Jahren sehe, so Marc Lindemann. Man werde sicherlich niemanden wegschicken, der sich mit 46 oder 47 Jahren für die Feuerwehr interessiere, aber man müsse auch die nötigen Ausbildungszeiten einrechnen, die es bis zum ersten Einsatz benötige. Auch Frauen sollen angesprochen werden. Oberfeuerwehrfrau Ellen Großblotekamp sagt auf die Frage, warum sich Frauen für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr melden sollten scherzhaft: „Wegen den ganzen netten Männern.“ Ernst fügt sie hinzu, das man viele Leute kennenlerne und von Einsätzen mit dem Gefühl nach Hause komme, etwas Gutes für die Gesellschaft getan zu haben.

Einsätze gab es in diesem Jahr genügend. „114 Einsätze haben wir bislang. Letztes Jahr haben wir mit dieser Zahl abgeschlossen“, sagt Gregor Sebastian, Leiter der Feuerwehr. Unwetterlagen wie der Sturm im Januar seien dafür verantwortlich. Fehlalarme gebe es zwar auch, räumt Sebastian ein, geht aber davon aus, dass jeder Anrufer sich „aus bestem Wissen und Gewissen“ melde. „Lieber einmal zuviel anrufen, als einmal zu wenig“, ist seine Devise.

In Gahlen wird am 21. Juli (Samstag) von 11 bis 19 Uhr ins Gerätehaus, Widemweg 17, eingeladen. Der Löschzug Altschermbeck öffnet seine Pforten am 11. August (Samstag) ab 16 Uhr seine Pforten an der Freudenbergstraße 1. Beim Löschzug Schermbeck sind Gäste am 2. September ab 11.30 Uhr an der Schienebergstege 5 willkommen.