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Holocaust-Gedenken am Berufskolleg

Flagge zeigen - wach bleiben

Dorsten In Pathos schwelgende Rituale gegen das Vergessen kommen nicht mehr an. Wie zeitgemäße Gedenkkultur aussehen kann, zeigte das Paul-Spiegel-Berufskolleg in seiner Gedenkwoche zum Holocaust.

Flagge zeigen - wach bleiben

Für Respekt, Solidarität und Zivilcourage: Das Berufskolleg zeigt Flagge und hisste die Fahne aus 60 von den Schulklassen gestalteten Einzelbildern an der Fassade des Gebäudeteils C. Foto: Foto: Anke Klapsing-Reich

Die Patchwork-Fahne aus 60 von Schülern gestalteten Einzelbildern an der Fassade des Schulgebäudes C ist nicht zu übersehen: „Damit zeigen wir Flagge für unser Leitbild, das der Namensgeber unserer Schule, Paul Spiegel, zeitlebens eingefordert hat: Respekt, Toleranz, Zivilcourage und Solidarität“, begrüßte Michaela Büschemann am Freitagmorgen Schüler und Gäste zur Abschlussveranstaltung der Holocaust-Gedenkwoche (22. bis 26.1.). Dabei hieß die stellvertretende Schulleiterin des Berufskollegs vor allem Landrat Cay Süberkrüb, Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff, die zuständige Dezernentin der Bezirksregierung, Barbara Herlinger, sowie Vertreter aus Politik, dem Jüdischen Museum und weiteren Organisationen vor Ort willkommen.

Nationaler Gedenktag

Anlässlich des nationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus (27.1.) hatten sich die Schüler des Berufskollegs im Laufe der vergangenen Woche auf vielfältige Art und Weise mit dem Thema auseinandergesetzt (wir berichteten). So erläuterte der Schüler Onur Kocatürk am Freitag den Gästen die bunte Graffiti-Wand „Coexist“, die die Jugendlichen unter Anleitung des Graffiti-Künstler Joshua Hildebrandt (gefördert durch die LAG Arbeit Kultur Bildung) an eine Wand gezaubert hatten.

Gegen Ablehnung - Für Miteinander

Andere machten Theater: Nach der beeindruckenden zehnminütigen Aufführung des Theaterstückes „Gegen Ablehnung – Für Miteinander“, das Schulsozialarbeiterin Nadine Dersen mit Schülern einstudiert hatte, kamen die Akteure mit ihren Publikum ins Gespräch. Weitere Höhepunkte der Abschlussfeier waren die Präsentation der Flagge sowie die Ansprachen von Landrat Cay Süberkrüb und zwei Schülern, die in bewegenden Worten ihre Eindrücke von ihrer Studienfahrt zum Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz (Polen) im vergangenen Herbst schilderten.

Holocaust-Gedenkwoche am Berufskolleg 2018

Für Respekt, Solidarität und Zivilcourage: Das Berufskolleg zeigt Flagge und hisste die Fahne aus 60 von den Schulklassen gestalteten Einzelbildern an der Fassade des Gebäudeteils C.
Leonardo und Lina, Schüler der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales, sprachen über die Eindrücke, die sie bei ihrem Besuch im KZ Auschwitz gesammelt haben.
Silvia Pielmeier, Musiklehrerin am Berufskolleg, sorgte für die musikalische Umrahmung.
Nach der Aufführung des kurzen Theaterstückes "Gegen Ablehnung - für Miteinander" suchten die Schüler das Gespräch mit dem Publikum.
Landrat Cay Süberkrüb, Bürgermeister Tobias Stockhoff und Barbara Herlinge von der Bezirksregierung (v.l.) hörten aufmerksam zu.
Michaela Büschemann, stellv. Schulleiterin des Berufskollegs, begrüßte die Gäste.
Onur Kocatürk erläuterte die Graffiti "Coexist", die die Schüler unter Anleitung des Graffiti-Künstlers Joshua Hildebrandt an die Wand gebracht hatten.
"Erinnern darf kein Ende haben": Landrat Cay Süberkrüb hielt eine Rede anlässlich des Holocaust-Gedenktages.
Zur Abschlussveranstaltung der Gedenkwoche im Berufskolleg versammelten sich Schüler und Gäste auf dem Schulhof.
Für Respekt, Solidarität und Zivilcourage: Das Berufskolleg zeigt Flagge und hisste die Fahne aus 60 von den Schulklassen gestalteten Einzelbildern an der Fassade des Gebäudeteils C.
Schüler führten ein Theaterstück "Gegen Ablehung - Für Miteinander" auf.
Schüler führten ein Theaterstück "Gegen Ablehung - Für Miteinander" auf.
Schüler führten ein Theaterstück "Gegen Ablehung - Für Miteinander" auf.
Schüler führten ein Theaterstück "Gegen Ablehung - Für Miteinander" auf.

Flagge hissen

Weitere Höhepunkte der Abschlussfeier waren die Präsentation der Flagge, die bereits am Tag zuvor an der Fassade ausgerollt worden war, sowie die Ansprachen von Landrat Cay Süberkrüb und zwei Schülern, die in bewegenden Worten ihre Eindrücke von ihrer Studienfahrt zum Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz (Polen) im vergangenen Herbst schilderten.

Befreiung von Auschwitz


Süberkrüb erinnerte an die „Befreiung von Auschwitz“ vor 73 Jahren, die dem systematischen Morden der Nationalsozialisten endlich ein Ende gemacht habe. „Wir gedenken der sechs Millionen ermordeten Juden – Menschen wie wir, die Tür an Tür mit uns gelebt haben. Ihr jüdischer Glaube reichte aus, sie zu verfolgen und zu ermorden“, appellierte Süberkrüb vor allem an die nachfolgenden Generationen, sich mit der Geschichte zu beschäftigen, auf dass sie sich nicht wiederhole.

Davidsterne brennen

Denn die Krankheit Antisemitismus sei nie geheilt. Brennende Davidsterne seien auch heute noch Symptome eines schwelenden Antisemitismus’, der Gelegenheit suche, sich Bahn zu brechen. Eine AfD im Bundestag, die weltoffene gesellschaftliche Prinzipien missachte, sei ebenfalls als historischer Rückschlag zu werten. „,Wehret den Anfängen‘ ist aktueller denn je, denn wir wissen, wohin Ausgrenzung und Stigmatisierung führen“, fordert Süberkrüb: „Es darf nie einen Schlussstrich geben!“

Keinen Schlussstrich ziehen

„Als wir die Hinterlassenschaften der Menschen sahen, die Berge von Haaren, die Schuhe, die Koffer – da begannen wir zu verstehen“, versuchte Lina Schwanke ihre Gefühle beim Besuch im KZ Auschwitz in Worte zu fassen. Die Worte versagten auch ihrem Schulkollegen Leonardo, als er schweigend an der Todesmauer und den Brennöfen vorbeiging: „In jeder Baracke erwartete uns eine andere grausame Wahrheit.“

13 Millionen Opfer

Emotional packend sei für ihn auch die Begegnung mit israelischen Besuchern gewesen, die gemeinsam mit Gebeten und Liedern um ihre getöteten Glaubensbrüder trauerten - „trotz all des Leids schienen so stolz zu sein auf ihren Glauben, ihre Kultur und auch ihre Geschichte“, wunderte sich der Kollegschüler und rechnete vor: „Wenn wir für jedes der 13 Millionen Opfer im Nationalsozialismus nur eine Minute schweigen würden, dann wären wir für 25 Jahre verstummt.“

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