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Ewiger Jungbrunnen eine Illusion

Dorsten Ewig jung? Von wegen! Alles nur Illusion, alles nur falscher Schein. Doch wenn diese Weisheit derart agile Senioren-Schauspieler vermitteln, hat plötzlich auch das Altsein seinen Reiz.

"Man muss nicht immer ernst an seinem Leben tragen, man darf sich auch mal gerne selbst auf die Schüppe nehmen", begrüßte Dieter Scholz vom "Freien Werkstatt Altentheater Köln" gestern die voll besetzte Aula der St. Ursula-Realschule. Die Theater-Aufführung war Höhepunkt des Aktionsjahres zum zehnjährigen Bestehen des städtischen Beratungs- und Infozentrums Pflege (BIP).

Deren Leiterin Petra Kuschnerenko hatte im Vorfeld alle Dorstener Senioren-Einrichtungen angeschrieben und war über die positive Resonanz nicht wirklich überrascht: "Wir hätten deutlich mehr Karten verkaufen können." Denn das Ensemble, das bereits vor 14 Jahren in Dorsten gastierte, gehört zum besten, was im Seniorenbereich zu finden ist.

"Gibt es die Pille für die ewige Jugend?", fragte stellvertretende Bürgermeisterin Susanna Simmerl eingangs rhetorisch. Die Antwort gaben die Mimen auf der Bühne selbst: Der Herbst des Lebens bedeutet Starrsinn und Weisheit, Leid und Freud, die Erinnerungen an Schnibbelbohnen, Aufbautrümmer und Rock?n Roll. Denn so vielschichtig menschliche Existenzen sind, so facettenreich ist auch das Älterwerden.

Die mehr als zwanzig Darsteller im Alter von 61 von 91 Jahren präsentierten ein buntes Kaleidoskop aus Sketchen, Szenen, nachdenkenswerten Sinn-(Bildern). Hedonistische Party-Rentner neben bettelnden Armuts-Greisen, die Adenauer-Ära neben den Grenzerfahrungen, denen alte Menschen in postmodernen Zeiten ausgesetzt sind: Computer, Extrem-Climbing und das neueste Rollator-Modell.

Schwer unterhaltsam war es und ließ keinen Zuschauern unberührt: Das zeigte die anschließende Publikums-Diskussion mit den Schauspielern, die eine Menge Gesprächsstoff bot. MK

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