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Erfülltes Arbeitsleben geht zu Ende

Hervest Es hat viele bewegende Momente in seinem Arbeitsleben gegeben. Höhen und Tiefen, niemals Mittelmaß. Was für eine Bilanz: Nach 40 Jahren Schuldienst, davon 39 Jahre an Förderschulen, 31 Jahre allein als Leiter der Haldenwangschule Hervest, tritt Helmut Dickneite in den Ruhestand.

Der Direktor der Förderschule für geistige Entwicklung hat in seiner aktiven Laufbahn viele erschütternde Augenblicke erlebt. Stets nahm er dabei großen Anteil an den Schicksalen seiner Schützlinge und deren Eltern.

Er weiß: «Trotz der Berufsroutine, die man sich aneignet, lässt es einen nicht kalt, wenn man sieht, wie bei Eltern nach und nach die Hoffnung schwindet, dass das Leben ihrer Kind vielleicht doch noch einen anderen Verlauf nimmt!» Geistig Behinderte wurden zu Beginn seiner Laufbahn noch «unter Verschluss» gehalten. Die Akzeptanz in der Gesellschaft hat sich im Laufe der Jahre glücklicherweise gewandelt: «Wir sind hier in Hervest vollständig eingebettet, alle Nachbarn haben großes Interesse an unserer Schule», lobt Dickneite das harmonische Zusammenspiel.

Früher wurden Schulen für geistig Behinderte fernab vom gesellschaftlichen Miteinander mitten auf die grüne Wiese gesetzt - die Haldenwangschule war Dank des Einsatzes der Stadt Dorsten von Beginn an im Ortsteil verwurzelt.

«Als ich meine Stelle antrat, mussten wir viel Aufbauarbeit leisten», erinnert sich der Schulleiter an die Startphase. Völliges Neuland hatte Dickneite dabei schon während seines Studiums betreten. Damals gab es zwar Lehrstühle für Lernbehinderungen, nicht aber solche für geistige Behinderungen. So mussten sich die Sonderpädagogen erst einmal mit den Besonderheiten in der Praxis vertraut machen.

Unter einem Dach

Die Haldenwangschule unterrichtet und betreut heute Kinder vom Grundschulalter bis zum Erreichen des 20. Lebensjahres. Unter einem Dach werden extrem Schwerstbehinderte, aber auch Grenzfälle, bei denen eine geistige Behinderung nicht auf Anhieb ersichtlich ist, aufgenommen. «Für viele Eltern ist das zunächst ein Schock. Es fällt ihnen schwer, zu akzeptieren, dass ihr Kind in unsere Schule muss», weiß Dickneite aus der Praxis. Deshalb führen sein Kollegium und er die Neuaufnahmen behutsam in die fremde Umgebung ein. Allerdings: «In der Elternschaft hat sich einiges geändert. Früher waren sie für alles und jedes dankbar, heute ist die Zusammenarbeit konstruktiv kritisierend», erläutert der Schulleiter den Wandel. Doch nicht alle wollen mit ins Boot: «Es gibt auch solche Fälle, wo Eltern zeitlebens ihr schweres Schicksal nicht verarbeiten.»

Dabei ist Dorsten im Hinblick auf die Förderung und Begleitung behinderter Kinder bestens ausgestattet. Von der Frühförderstelle der Lebenshilfe, über integrative Kindergärten, die Haldenwangschule und Wohnheime gibt es auch Arbeitsmöglichkeiten in der Behindertenwerkstatt. Ein Netz, das mit vereinten Kräften von Lebenshilfe und Stadt, der Schule und vielen Freunden und Förderern und nicht zuletzt mit Hilfe der Rotarier und des Lionsclubs engmaschig geknüpft wurde.

Robuste Konstitution

Trotzdem braucht es eine besondere physische und psychische Robustheit, den Arbeitsalltag in der Förderschule zu überstehen, ohne selbst Schaden zu nehmen. Jungen Kollegen rät Dickneite deshalb, nach Feierabend abzuschalten, sich Hobbys zu schaffen, um Körper und Geist zu entlasten. Dickneite hat für sich einen idealen Ausgleich in der Jagd und in der Sammlung schöner Antiquitäten gefunden.

Ob sein Ruhestand jedoch so erfüllend sein wird, wie sein Arbeitsleben? Helmut Dickneite ist eher skeptisch: «Wenn jeden Tag Samstag ist, verliert das auch seinen Reiz.» Claudia Engel

Die offizielle Verabschiedung Helmut Dickneites findet am Donnerstag, 19. Juli, um 10 Uhr in der Haldenwangschule statt.

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