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Eine wilde Mischung Ruhrgebiet

Dorsten Es sind Fotos, die auch die Titelseiten eines Hochglanzmagazins schmücken würden: Eindrucksvolle Motive, satte Farbintensität, starke Kontraste und immer eine leicht inszenierte Bildpoesie machen sie fast perfekt.

Doch dann stimmt da etwas mit der Perspektive nicht. Ein kurzes Zögern. Und schon schaut man genauer hin. Hinter die glanzvolle Oberfläche.

"Ein bisschen Glanz von 2010 könnten die Bilder schon jetzt nach Dorsten bringen", so Dr. Josef Ulfkotte, Vorsitzender des Trägervereins Altes Rathaus bei der Vernissage am Freitagabend, die musikalisch von einem Trio-Ableger der Dorstener Bigband begleitet wurde. "Essen. Stadt der Kultur" - unter diesem Titel hängen 15 Exponate des Essener Bildjournalisten Frank Vinken im Alten Rathaus aus. Und nach deren Betrachtung mag man den Titel noch ergänzen: "Essen. Stadt der Kultur und Kulturen".

Hoch- und Subkultur

Denn nicht nur die multiethnische Identität des Ruhrgebiets findet sich auf den Bildern wieder, sondern auch die wilde Mischung von Hoch- und Subkultur: Da kontrastiert ein Tanzfestival mit einem Open-Air-Rockfestival. Durch die geschickte Installation der Fotos verschmelzen beide miteinander. Wie auf einer Spiegelachse vereinen sich zwei fremde Beine zu einem gemeinsamen Unterleib. Das artistisch gestreckte Bein einer Tänzerin mit dem eines jungen Mannes, der von Händen durch das Meer der Menge getragen wird.

Die Bilder von Frank Vinken gehen weit über einen dokumentarischen Bildjournalismus hinaus, sie sind kunstvoll arrangierte Kunstwerke. Sie zeigen Ereignisse und sind dabei selbst ein Ereignis. So vermag es der Fotograf, in der Mischanlage der Kokerei Zollverein eine fast sakrale Elektrizität aufs Bild zu bannen: Ein Junge im nackten Raum einer Halle. Er streckt die Arme wie zur Huldigung von sich und blickt nach oben. In ein leuchtendes Drahtgeflecht, das aussieht wie ein geschrotteter Scheinwerfer, der sich in den Flügeln eines Ventilators verschlungen hat.

Der Junge ist der mysteriöse Mittelpunkt, er bildet die Spiegelachse, an der sich seine Schatten im Raum verdoppeln. Die rechts aus dem Bild kippende Linie der Wand erzeugt eine spannungsvolle Komposition. Genauso wie die zwei quadratischen Durchgänge, die im Hintergrund eine Diagonale in die Ferne bilden.

Werbung fürs Revier

Lachende Folkwang-Studentinnen mimen mit Bergmannskappe den Obersteiger, 180-Grad-Panorama der RAG-Zentrale am Hauptbahnhof Essen - die Fotos können auch als unverhohlene Werbekampagne für das Ruhrgebiet gesehen werden. Denn den Menschen, die hier leben, gilt Frank Vinkens fotografische Leidenschaft. Sein Ideal beschreibt der Bildjournalist wie folgt: "So zu arbeiten, dass der Mensch zögert und noch einmal hinschaut, bevor er den Fisch in die Zeitung wickelt." Es würde nicht wundern, wenn er kurz zögert - und den Fisch dann lieber in Alufolie wickelt... Anne Ritter

Die Ausstellung ist samstags bis zum 17. 11. zu besichtigen.

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