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Auf jüdischen Spuren in den Niederlanden

Dorsten Die Studienfahrt auf jüdischen Spuren, die das Jüdische Museum Westfalen jedes Jahr durchführt, führte dieses Mal in die Niederlande. Erstes Ziel war das grenznahe Aalten mit dem kleinen Museum «Markt 12». Im Parterre dieses Hauses hatte sich nach dem Einmarsch der Deutschen im Mai 1940 die deutsche Ortskommandantur eingerichtet. Ahnte man hier, dass es über ihnen auf dem Dachboden ein Versteck für Verfolgte gab, für Juden ebenso wie für junge Niederländer, die der Zwangsarbeit in Deutschland entgehen wollten?

Das interaktive Museum, das seit 2004 besteht, wendet sich vor allem an Schulklassen aus den Niederlanden und aus Deutschland. Die Jugendlichen können Schubladen und Schränke öffnen und finden dort - ebenso wie in den bereit stehenden Computern - in beiden Sprachen Informationen über das Haus und seine Geschichte.

«Normales» Leben

Die nächste Station war die Erinnerungsstätte «Lager Westerbork», südlich von Groningen. Was zunächst als Internierungslager gedacht war für Juden, die ab 1933 aus Deutschland flohen, wurde ab 1942, beträchtlich erweitert, mit Stacheldraht und Wachttürmen versehen, zum zentralen Sammel- und Durchgangslager, von wo aus die Deportationen nach Auschwitz oder Sobibor erfolgten. Die Lagerleitung versuchte, den Schein eines «normalen Lebens» zu wahren. Einmal in der Woche gab es Konzert oder Kabarett; auch Fußballspiele fanden statt, häufig organisiert von dem Sportler Erich Gottschalk, dessen Leben im Dorstener Museum dokumentiert ist.

An den Folgen des Holocaust leiden die jüdischen Gemeinden der Niederlande bis heute. Von den wenigen Überlebenden sind manche nach Israel oder USA ausgewandert oder wenigstens in die größeren Städte wie Amsterdam gezogen.

So konnte etwa die Synagoge in Groningen nach dem Krieg keine Gemeinde mehr versammeln, und in dem schönen Gebäude im maurischen Stil wurde eine Wäscherei und Färberei eingerichtet. Nach deren Insolvenz 1980 kaufte die Stadt das Gebäude und rettete es so vor dem Verfall. Auch das frühere Judenviertel in der Folkingestraat, wo es jetzt wieder eine Einkaufsstraße gibt, hat sich neu belebt.

Die Synagoge wird heute zur Hälfte von einer gemeinnützigen Stiftung für kulturelle Veranstaltungen genutzt, der andere Teil- durch ein Gitter abgetrennt - ist an die kleine jüdische Gemeinde vermietet; dort finden Gottesdienste, aber auch Angebote interreligiösen Lernens für Jugendliche statt.

Schönste Synagoge

Ähnlich geht es der Gemeinde in Enschede, die sich zwar rühmt, mit einem weit ausgreifenden Jugendstilbau von 1928 über «die schönste Synagoge der Niederlande» zu verfügen, diese aber, trotz der Fusion mit zwei weiteren Gemeinden, nur selten füllen kann und alltags in einem Nebenraum, der als kleine Synagoge eingerichtet ist, Gottesdienst feiert.

Ilse Tobias

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