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Brüderpaar träumt beim VfL Bochum vom Profifußball

dzMohammed und Mustafa Ali aus Castrop-Rauxel

Nur die wenigsten hochtalentierten Jugendfußballer schaffen später den Schritt zum Profi. Vielen Fußballern bleibt dieser Traum verwehrt. Mustafa und Mohammed Ali, ein Brüderpaar aus Castrop-Rauxel, hat diesen Traum noch nicht aufgegeben - und kämpft trotz schwieriger Bedingungen täglich dafür.

Castrop-Rauxel

, 06.06.2018

Die Nummer fünf der U16 des VfL Bochum steht nahe der Mittellinie. Der VfL ist im Angriff, verliert aber plötzlich das Leder. Ein langer Ball nach vorne, die Nummer fünf, Mustafa Ali, und sein Gegenspieler rennen hinterher. Gerade noch rechtzeitig kann der 16-jährige Bochumer Akteur seinen Gegner stoppen. Und bekommt ein Lob von den Zuschauerrängen, genauer gesagt einer Person, die auf einem Hügel neben dem Spielfeld steht. „Super, weiter so, Musti“, ruft dessen Vater Talal Ali über das Gelände.

Mustafa Ali ist Innenverteidiger, sein Job ist es, Tore des Gegners zu verhindern. Er beschreibt sich selbst als zweikampfstark, möchte seine Mannschaft anführen. Immer wieder gibt er Anweisungen an seine Kollegen in der Verteidigung. Und natürlich ist er für den Spielaufbau zuständig, der bei der U16 des VfL Bochum von den Innenverteidigern übernommen wird.

Sechs Augen beobachten Mustafa Ali genau

Vom Spielfeldrand wird Mustafa Ali auf der Anlage des Bochumer Talentwerks an der Hiltroper Straße von insgesamt sechs Augen ganz genau beobachtet. Allen voran Vater Talal, aber auch Mustafas Brüder Ibrahim (18) und Mohammed (13) schauen zu. Ibrahim spielt Basketball beim Castroper BC und guckt sich daher eher eine fremde Sportart an. Mohammed wiederum ist auf das Spiel fokussiert - schließlich spielt er in der U13 des VfL. Er hatte gerade noch Training. „Das war anstrengend, aber das ist es eigentlich immer“, sagt der 13-Jährige.

Für Mohammed ist der Aufwand, bei einem größeren Verein wie dem VfL Bochum zu spielen, noch neu. Seine erste Saison bei dem Zweitligisten ist vorbei. „Ich habe viel weniger Freizeit als die anderen in meiner Klasse“, so Mohammed Ali. Das Trainingspensum erhöhte sich von zwei Einheiten bei Westfalia Herne, wo er zuvor spielte, auf drei - bei Mustafa sind es derzeit sogar vier Einheiten pro Woche.

Brüderpaar träumt beim VfL Bochum vom Profifußball

Mustafa Ali (r.) im Spiel gegen die Sportfreunde Siegen. Der VfL gewann mit 4:0, Mustafa verhinderte einige Angriffe des Gegners. © Marcel Witte

Für die beiden Brüder geht es morgens um 7.30 Uhr aus dem Haus - etwa fünf Minuten Fußweg benötigen sie von der Castroper Wohnung zur Willy-Brandt-Gesamtschule. Doch nach dem Unterrichtsende um 15 Uhr treffen sie sich nicht mit Freunden. Es geht nach Hause, die beiden bekommen ein Mittagessen von Mutter Amal, dann geht es für Mohammed schon wieder los zum Training, das um 16.30 Uhr beginnt. Mustafa hat etwas mehr Zeit, allerdings stehen manchmal Spiele unter der Woche an, dann ist auch er unter Zeitdruck. Glück für die Eltern: Für die älteren Spieler bietet der Verein einen Fahrdienst an, sodass Vater Jalal nur Mohammed zum Training bringen muss. „Das hilft uns sehr“, sagt Jalal Ali.

Zeit für Freunde haben die beiden jedoch kaum. Mohammed sagt: „In meiner Freizeit mache ich viel mit meinen Geschwistern, wir gehen schwimmen oder spielen auch dann Fußball.“ Mustafa wiederum nutzt seinen einzigen freien Tag unter der Woche für die Schule. „Es bleibt wenig Zeit für Hobbys, man muss dem Fußball schon viel opfern“, so der 16-Jährige.

Der beidfüßige Außenverteidiger Mohammed Ali

Auch Mohammed ist Verteidiger, so wie sein älterer Bruder. Allerdings spielt er meist als linker Außenverteidiger. Früher wurde er als Stürmer aufgestellt, doch beim VfL erkannte man, dass Mohammed auf der linken Defensivseite gut aufgehoben sei. Sein Plus: Er kann mit beiden Füßen gut schießen. Das hat Mohammed laut eigener Aussage bereits früh gelernt. „Er ist ein Rechtsfuß, aber er benutzt den linken Fuß eigentlich sogar viel mehr als den rechten, er macht bestimmt 70 bis 80 Prozent mit links“, sagt Vater Talal Ali.

Zusammen mit seiner Frau Amal, die beide aus dem Libanon stammen aber seit über 30 Jahren in Deutschland wohnen, versucht er, den beiden Fußballspielern so viel wie möglich gerecht zu werden und möglichst auch alle Spiele zu verfolgen. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn neben Mustafa, Ibrahim und Mohammed gibt es in der Castrop-Rauxeler Familie auch noch die beiden Kinder Yusuf und Rayan. „Es ist schwer, alles unter einen Hut zu kriegen, aber dennoch macht es Spaß“, so Talal Ali.

Schafft er es zum Platz, kann ihn bereits außerhalb der Anlage jeder hören. „Weiter so! Komm schon! Mehr machen“, ruft er. „Die Leute kennen mich hier. Bei Spielen von Mustafa fieber ich viel mit, bei Mohammed bin ich ruhiger, der ist aber auch noch jünger“, sagt Talal Ali. Wenn er nicht gerade mit dem Anfeuern beschäftigt ist, versteckt er sich hinter einer Kamera. „Ich nehme jedes Spiel auf. Vielleicht wollen sich die Jungs das später noch einmal angucken“, so der Vater.

Brüderpaar träumt beim VfL Bochum vom Profifußball

Mohammed Ali (l.) beschreibt sich selbst als guten Techniker und sehr körperlich agierender Spieler. © Marcel Witte

Die Saison 2017/18 ist für die beiden Brüder nun vorbei. Den Traum vom Profifußballer leben beide Spieler weiterhin. „Natürlich hat man die Hoffnung, dass beide Profis werden, aber man muss erstmal abwarten. Das dauert noch“, sagt Jalal Ali. Recht hat er. Denn die Anforderungen sind hoch. Aus dem Kader der U19 von Borussia Dortmund, die 2017 deutscher Meister wurde, können nur sieben von 30 Spielern heute einige Bundesliga-Spiele aufweisen.

Duelle mit BVB, S04 und Leverkusen warten

Vor allem Mustafa kommt diesem Schritt aber immer näher. In der kommenden Saison läuft er für die U17 des VfL Bochum in der Bundesliga auf. Dann heißen die Gegner nicht mehr FC Iserlohn, SV Lippstadt oder SC Verl, sondern FC Schalke 04, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund. „Profi zu werden wäre ein Traum, aber unsere Trainer versuchen, dass wir uns erst einmal einfach nur auf den Fußball an sich konzentrieren“, so Mustafa Ali. Schließlich hat er noch einige Aufgaben zu bewältigen. Doch sollte es irgendwann so weit sein, steht er vielleicht einmal seinem großen Vorbild gegenüber: Jerome Boateng.

Das sind Mustafa und Mohammed Ali

Mustafa Ali, 16 Jahre alt, spielt Fußball seit er sechs Jahre alt. Er spielte zwei Jahre bei der SG Castrop, dann ein Jahr bei der Spvg Schwerin. „Er wurde beim Spiel mit Schwerin gegen Schalke beobachtet. Schwerin gewann 2:0. Musti hat beide Tore gemacht“, sagt Vater Talal Ali, wie der Wechsel zum VfL Bochum zustande kam. Seit der U10 schnürt er nun die Schuhe für den VfL. Zudem spielt er in der Westfalenauswahl. Mohammed Ali, 13 Jahre alt, läuft ebenfalls seit er sechs Jahre alt ist auf dem Fußballplatz auf. Auch er begann bei der SG Castrop, wechselte dann zu Westfalia Herne und absolvierte nun seine erste Saison beim VfL Bochum.