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Verbaler Stich ins SPD-Herz

ICKERN Bei seinem letzten Besuch in Castrop-Rauxel vor knapp zehn Jahren bekam Oskar Lafontaine bei Rütgers eine lila Schokolade als Präsent. Bei seinem Antritt gestern in der Agora wurde dem Chef der Linken vor allem zündender Beifall serviert.

Natürlich vor allem aus den eigenen Reihen, war der aus Berlin angereiste Polit-Promi doch das Zugpferd, mit dem der Kreisverband von «Die Linke» die Parteigründung feierte. Aber auch allerhand Sozialdemokraten, Ex-Genossen und Gewerkschafter mischten sich unter die knapp 600 Besucher, die sich die Botschaft des ehemaligen SPD-Frontmannes nicht entgehen lassen wollten.

Der mit reichlich Verspätung beim bunten Familienfest der Linken «landete». «Konkurrenz in der Politik ist immer gut», befand Ioannis Papadopoulos, Vorsitzender der Griechischen Gemeinde und Gastgeber der Linken, die regelmäßig Sprechstunden in der Agora anbieten.

«Ich wollte mir den Stich ins Herz der Sozialdemokraten angucken», befand FWI-Fraktionschef Manfred Postel. Und Lafontaine kam, sah, redete und stach verbal zu. In demagogischer Manier versuchte er schlaglichtartig all die Themen anzusprechen, die die Welt im Großen und Kleinen bewegen. Soziales, und da insbesondere Hartz IV, Umwelt, Kriege, Globalisierung. «Der Bundeskanzlerin müsste man den Titel Miss Weapon statt Miss World verleihen», geißelte Lafontaine den Rüstungexport, bei dem Deutschland weltweit auf Platz drei liege. Und Kriege, hieb er in Richtung «aller mit uns konkurrierenden Parteien», seien die größte Umweltverschmutzung überhaupt. Ganz generell müsse man die Systemfrage stellen, ein System, das auf mehr Rendite ausgerichtet sei, könne die Umwelt nicht retten.

Den meisten Beifall heimste der Parteichef ein, als es um die Umverteilung des durch die Arbeitnehmer erwirtschafteten Kapitals ging. «Das deutsche Lohndumping ist keine Folge der Globalisierung, sondern der Unverschämtheit der Regierung und der Konzerne», ließ Lafontaine wissen. Und hätte man eine Streitkultur wie die Franzosen wäre die Rente mit 67 schon vom Tisch.

Markige Worte auch zu Bush und Blair: für den Ober-Linken nach dem Antiterrorgesetz als «Terroristen zu definieren». «Der spielt sich hier als Retter des Landes auf, und was käme danach?», überlegt ein Gast, der Lafontaine nicht länger zuhören wollte. Nach Ansicht der Linken kommt danach ein gerechtes System. Ratsmitglied Wolfgang Straub bilanzierte zufrieden: «So viele Leute hätten wir heute nicht erwartet.» abi

Mehr Bilder vom Lafontaine-Auftritt in Ickern finden Sie im Internet: www.westline.de/go/lafontaine

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