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Angeklagter im Voodoo-Prozess streitet Fluch ab

Lachender Schleuser verhöhnt Opfer vor Gericht

Castrop-Rauxel/Dorsten/Selm Mit tiefen Einblicken in die menschenverachtende Schleuser-Szene ist am Dienstag der „Voodoo-Prozess“ um Zwangsprostitution, Menschenhandel und Ausbeutung in Bordellen in Castrop-Rauxel und Umgebung fortgesetzt worden. Der 34-jährige Hauptangeklagte präsentierte sich dabei ungeniert als „Chauvi“.

Lachender Schleuser verhöhnt Opfer vor Gericht

Die Angeklagten beim Prozessbeginn am Landgericht Bochum. Foto: Werner von Braunschweig

Zu hässlich, zu dumm, zu untalentiert: Der 34-Jährige verfiel bei seinen Schilderungen über die Einschleusung einer Frau aus Nigeria ins Ruhrgebiet immer wieder in Beleidigungen. Ehe er die Frau schließlich zuerst in einen Rotlicht-Club nach Dorsten vermittelt habe, habe er so einiges an der Nigerianerin verändern müssen, hieß es.

Weil sich die Frau in Italien, wo er sie nach ihrer Schleuser-Route über Libyen und das Mittelmeer abgeholt habe, sogar ihre gesamten Kopfhaare abrasiert habe, habe er „mehrere Perücken ausprobieren müssen“, so der 34-Jährige, „bis sie einigermaßen vernünftig“ ausgesehen habe. Flankiert wurden diese Beleidigungen („Die Glatze hat sie einfach noch hässlicher gemacht“) von einem verächtlichen „Chauvi-Lachen“.

Rüffel von der Richterin lässt Lachen verstummen

Endgültig aus der Rolle fielen der lachende Angeklagte und ein mitlachender Mitangeklagter bei der Schilderung, dass der 34-Jährige selbst der künftigen Prostituierten das Laufen in Schuhen mit hohen Absätzen beigebracht haben will. Erst ein Rüffel von Richterin Isabel Hoffmann ließ das Lachen auf der Anklagebank schließlich verstummen.

Nachdem er die Frau in Bozen in einen Fernbus nach Deutschland gesetzt habe, so der Angeklagte, sei er selbst „mit Eurowings“ nach Düsseldorf geflogen. Nach der Einschleusung habe er die Frau in Herne für 150 Euro Miete bei sich und seiner Frau wohnen lassen. Dass er selbst die Frau mit einem Voodoo-Fluch belegt habe, wies der Angeklagte zurück: „Ich bin doch kein Voodoo-Priester.“

Ein Voodoo-Fluch mit großer Reichweite

Vater forderte 1000 Euro, um den Fluch aufzuheben

SELM/CASTROP-RAUXEL/DORSTEN Ein Voodoo-Schwur, der über 4700 Kilometer wirken soll, und ein Vater, der gnadenlos am Schicksal seiner Tochter mitverdient haben soll: Mit neuen Details ist am Freitag der Prozess um Menschenhandel und Zwangsprostitution fortgesetzt worden.mehr...

Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht sind vier Männer (27, 28, 34 und 42) und zwei Frauen (34 und 35) aus Nigeria angeklagt. Die mutmaßliche Bande sollen mehr als zehn Frauen eingeschleust und gegen ihren Willen an Bordells, darunter auch ein Rotlicht-Club in Castrop-Rauxel, vermittelt haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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