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Der Deal zum Gebäude steht in den letzten Zügen

Hauptbahnhof Castrop-Rauxel

Die Stadt rechnet damit, dass das Bahnhofsgebäude noch in diesem Sommer verkauft wird. Fraglich ist aber noch, was mit der Rebeq-Radstation passiert, die dort ebenfalls ihr Domizil hat. Wir schauen zurück in die tiefe Geschichte - und voraus.

Rauxel

von Abi Schlehenkamp

, 28.06.2018
Der Deal zum Gebäude steht in den letzten Zügen

Der erste Bahnhof von Castrop-Rauxel Mitte des 19. Jahrhunderts: Er hieß erst Castrop, wurde dann in Rauxel umbenannt. Vor dem Bahnhof stehen Bedienstete der Bahn. Es handelte sich um die Köln-Mindener Eisenbahn über Köln - GE - Do nach Minden. Die Castroper wollten den Bahnhof nicht, die Eisenbahn nicht. Da war die Industrie nicht, weg von der Stadt. Dampfloks lösten als feurige Ungeheuer Entsetzen aus. © Archiv Klaus-Michael Lehmann

Er verweist auf das schwarz umkringelte Datum auf dem Kalender: Es ist der 28. September. Dann sitzt Bernhard Haberhausen das letzte Mal am Schalter der DB-Agentur seiner Frau im Hauptbahnhof. „Dann ist endgültig Schicht“, sagt der 71-Jährige. Und berät wie seit über 14 Jahren geduldig und akribisch diejenigen, die Auskunft suchen. Er verkauft Tickets und informiert etwa über Feinheiten des Sozialtickets – wie am Mittwoch bei einer Stippvisite unserer Redaktion.

Der Deal zum Gebäude steht in den letzten Zügen

Bernhard Haberhausen ist an seinem Arbeitsplatz am Schalter im Hauptbahnhof das letzte Mal am 28. September anzutreffen. Danach ist Schicht am Schacht © Foto: Schlehenkamp

Es sieht ein bisschen gespenstisch aus in der Weite des Gebäudes, seit die Bäckerei ausgezogen ist. Und noch eine dunkle Jahreszeit und einen kalten Winter wollte Haberhausen, Eisenbahner durch und durch, sich in der kleinen Schalter-Ecke nicht zumuten. Wo sich der Blick weitet auf dicke Rohre unter den Wänden, Flatterbänder zur Absperrung und kahle Wände.

„Noch nicht ganz abgeschlossen“

Die Bahn sucht nach einer Nachfolge für die Agentur. So wie die Stadt und die Rebeq nach einem passenden Domizil, wenn die Radstation im Zuge des Bahnhofsverkaufs weichen muss. „Wir rechnen fest damit, dass es in diesem Sommer zum Verkauf kommt“, sagt Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi auf Anfrage unserer Redaktion. Die „BahnflächenEntwicklungs-Gesellschaft“ hat auf eine entsprechende Frage an die Pressestelle der Bahn nach über drei Wochen geantwortet, die Abstimmungen seien noch nicht ganz abgeschlossen.

Möglicherweise platzt hier der Knoten noch vor der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag, 28. Juni, in dem es unter anderem um einen Antrag der Grünen geht, der sich mit Stand der Dinge, dem Erhalt der Radstation und einer barrierefreien Toilette beschäftigt. Vor dem Sitzungstag soll es jedenfalls ein weiteres Gespräch geben, so die Information des Technischen Beigeordneten Heiko Dobrindt.

Das hat die Wewole vor

Die Wewole-Stiftung, die den Bahnhof gerne kaufen möchte, hat betont, den Standort mit Café und einem Laden für den täglichen Bedarf entscheidend aufwerten zu wollen. Noch nicht entscheidend weiter sind Stadt und die AWO-Tochter Rebeq bei der Suche nach einem Alternativ-Standort für die Radstation. Alle Beteiligten hoffen darauf, das Projekt, das in diesem Jahr seit 20 Jahren am Berliner Platz besteht, retten zu können.

„Wir hängen da zeitlich auch gerade ein bisschen in der Luft“, sagt Stephan Schniederjan, Standortleiter der Rebeq-Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft im Erin-Park. Es brauche halt eine knapp 300 Quadratmeter große Immobilie in direkter Lage zum Hauptbahnhof. Zwar gebe es in der Nähe durchaus leere Ladenlokale, aber es müsse auch bei den Mietkonditionen passen.

Der Deal zum Gebäude steht in den letzten Zügen

Sieht ein bisschen gespenstisch aus im Hauptbahnhof, seit der Bäcker raus ist. © Foto: Schlehenkamp

Die Räumlichkeiten der Sparkasse seien da weniger geeignet. Bis Ende dieses Jahres soll die Zweigstelle an der Bahnhofstraße schließen, so jedenfalls der kommunizierte Fahrplan. Und apropos Fahrplan: Eigentlich sollten längst die Arbeiten für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) laufen, aber es tut sich noch nichts. Wenigstens sind die Parkplätze, die dafür temporär wegfallen sollen, noch nicht gesperrt.