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Nach der Sucht wieder auf dem Weg

Ahaus Der Weg ist lang. Und steinig. Und nicht immer gerade: sowohl der von Chemnitz nach Amsterdam als auch der aus der Drogensucht hinaus. Dennoch lohnt sich jeder Schritt. Davon ist Martin Stiehl überzeugt, schnallt sich seinen 23 Kilogramm schweren Rucksack auf den Rücken und beginnt die nächste Etappe: von Ahaus nach Haaksbergen.

In der Hand hält der blonde Mann mit dem sonnengebräunten Gesicht ein GPS-Gerät mit gelbem Gehäuse. Der Pfeil im Monitor gibt ihm die Richtung an auf seiner 842 Kilometer langen Wanderung. Die Richtung für sein Leben hat er inzwischen gefunden: hinaus aus dem Drogensumpf mit körperlichem Siechtum, Lethargie und Kriminalität hin zu Eigenständigkeit, Leistungsfähigkeit und dem, was früher am meisten fehlte: einer Zukunft.

Martin hat es geschafft - gerade noch rechtzeitig. Inzwischen habe er sein Leben im Griff: eigene kleine Wohnung, Freunde, einen Ausbildungsplatz als Elektroniker im nächsten Jahr - und das, obwohl er gar keinen Schulabschluss hat. «Wie denn auch? Ich war ja ab 14 kaum noch in der Schule, sondern nur noch auf der Straße», blickt er zurück. Trotzdem: Das Unternehmen habe ihm ein Praktikum angeboten, sei begeistert gewesen von seinen im Selbststudium erworbenen Mathe- und Physikkenntnissen und seinen Erfolgen als Web-Designer.

Der mit einem gelben Regenschutz umschlossene Rucksack wiegt schwer auf Martins Schultern: Neben Wäsche zum Wechseln befinden sich darin Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher, Handy, MP3-Player, das GPS-Gerät und ein Laptop, um seine Homepage zu füttern mit Informationen über seine Reise - seine Mission. Der Regen macht das Gepäck noch schwerer. «Aber es ist ja nicht mehr weit bis zur Nordsee, noch etwas mehr als eine Woche», lächelt der Chemnitzer mit nassem Gesicht.

Warum er sich das antut? «Ich will anderen sagen, dass sie ihre Finger von Drogen lassen sollen.» Vor allem Jugendlichen. Martin weiß, wovon er spricht: Er selbst war 13, als er anfing zu rauchen. Mit 14 - seine Eltern hatten sich gerade getrennt - ging er von zu Hause weg. Danach nahm er «eigentlich alles, was ich kriegen konnte»: vor allem Crystal, eine synthetische Droge, aber auch Cannabis und Kokain bis zu Heroin, das er rauchte.

Mit 18 war Martin ganz unten: «Zwei Wochen nur noch drauf und völlig abgemagert.» Ein mehrmonatiger Gefängnisaufenthalt wegen Beschaffungskriminalität markierte den Tiefpunkt - und den Wendepunkt: kalter Entzug, neue Kraft. «Ich merkte, dass ich mehr kann» - sogar zu Fuß von Chemnitz nach Amsterdam gehen. sy-

www.europe-walk.de

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