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Ranga Yogeshwar bei der Pushcon

Jeder wird zum Sender

Ahaus Ranga Yogeshwar zog auf der Pushcon bei Tobit die Massen an. Sein Streifzug durch die Innovationen der Menschheit warf auch aktuelle Fragen auf.

Jeder wird zum Sender

Ranga Yogeshwar fand auch kritische Worte zum Thema Digitalisierung. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Der Physiker, Wissenschaftsjournalist, Moderator und Autor Ranga Yogeshwar lockte an die 1000 Besucher zu seinem Vortrag „Nächste Ausfahrt Zukunft“ auf der Pushcon der Firma Tobit-Software in Ahaus. Er stellte damit nicht nur sein gleichnamiges Buch vor, sondern rüttelte mit seinem Vortrag auch an der gängigen Vorstellung, dass mit der Digitalisierung und mit Innovation alles besser würde für die gesamte Menschheit.

„Menschen verändern den Planeten“, begann Yogeshwar seine Zeitreise durch die Innovationen der Menschheitsgeschichte. Deshalb gebe es heute in Ahaus keine Haifische mehr, erheiterte er das gebannt lauschende Publikum. Wenn er auf sein Geburtsland Indien schaue, werde die Innovation deutlich: „Heute leuchtet auch Indien in den Weltraum. Südkorea ebenso, Nordkorea nicht.“

Das „Global Business“ habe zuerst der Amerikaner Frederic Tudor erfunden, als er eine Möglichkeit fand, Eisblöcke zu zerschneiden und weltweit zu verschiffen. „Als der Siegeszug des Kühlschranks Mitte des 19. Jahrhunderts begann, kollabierte das klassische Eisgeschäft.“

„Ich fotografiere, also bin ich“

1875 wurde das Telefon erfunden. Es habe 75 Jahre gebraucht, bis es 100 Millionen Nutzer hatte. Das Mobiltelefon brauchte immerhin 16 Jahre, bis es dieselbe Nutzerzahl erreicht hatte.

Mit der Einführung des Smartphones 2007 habe sich unsere Handlungsweise grundlegend verändert: „Früher hieß es, ich denke, also bin ich. Heute heißt es, ich fotografiere, also bin ich.“ Jeder werde heute durch die sozialen Netzwerke zum Sender, denn jeder könne schnell und ungefiltert seine Meinung ins Netz stellen, auch wenn es falsche Nachrichten seien. „Fake News wollen wir nicht. Fake News destabilisieren die Gesellschaft.“

Innovation für eine Minderheit

Die Digitalisierung bestimme ebenso den Automarkt mit der Diskussion um Sinn und Zweck beziehungsweise Sicherheit und Unfallverhütung autonomer Fahrzeuge. Als er das Publikum fragte, wer so ein Auto fahren wolle, war die Reaktion gespalten.

Mit einem Schwenk über neuronale Netzwerke und die Grenzen des Verstehens dieser Systeme kam er zu einer gesamtgesellschaftlichen Warnung: „Innovation ist bisher für eine kleine, reiche, überwiegend weiße Minderheit. Wenn wir nicht dafür sorgen, dass wir Fortschritt für alle haben, fliegt uns das Ganze um die Ohren. Wir brauchen einen Plan, damit alle von der Digitalisierung profitieren. Mein Traum ist, dass wir von der Wir-Gesellschaft reden, frei vom ökonomischen Denken.“ Auch dafür gab es großen Beifall.

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