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Norbert Nigbur wird 70 Jahre alt

Wie Schalkes Jahrhunderttorwart zur Legende wurde

Gelsenkirchen „Jahrhundert-Torwart“ Norbert Nigbur wird heute 70 Jahre alt. Aus guten Gründen ist er auf Schalke zu einer lebenden Legende geworden. Besonders ein Kapitel bleibt unvergessen.

Wie Schalkes Jahrhunderttorwart zur Legende wurde

Norbert Nigbur absolvierte 465 Bundesliga-Spiele, 355 davon für Schalke. Foto: imago

Es gibt zwei gute Gründe, auf Schalke zur Legende zu werden: Der nahe liegendste ist der, durch gute Leistungen einen Platz im Herzen der königsblauen Vereinsfamilie zu erobern. Die andere Variante: Man ist Hauptdarsteller eines Kapitels, an das sich nicht nur Fußball-Experten auch noch Jahrzehnte danach erinnern. Idealerweise mit einem Schmunzeln...

GELSENKIRCHEN Der Zuschauer-Weltrekord für eine Filmpremiere wurde zwar nicht geknackt, mit 21.590 Zuschauern gab es „nur“ einen deutscher Rekord - ein Abend mit ganz viel Emotionen war es trotzdem.mehr...

Norbert Nigbur, der am Dienstag seinen 70. Geburtstag feiert, ist ohne Zweifel eine S04-Legende. Und auf ihn treffen beide der genannten Gründe zu.

14. September 1974: In der Halbzeit im Spiel beim VfL Bochum wird Nigbur nach einer Behandlungspause versehentlich in der Schalker Kabine eingeschlossen.

Schalke zehn Minuten ohne Torwart

Schalke spielt über zehn Minuten lang ohne Torwart, unbemerkt. Als Nigbur die „Flucht“ aus der Kabine gelingt, lassen ihn die den Innenraum sichernden Polizisten und Ordner nicht aufs Spielfeld. Heute lacht sich Nigbur selbst schlapp, wenn er die Geschichte erzählt, dabei drohte damals sein Comeback aufs Bochumer Rasen-Rechteck zu scheitern: „Ich habe einem Polizisten von hinten auf die Schulter getippt. ,Hier kommt keiner durch‘, sagte der. ,Aber ich muss da durch. Ich bin der Torwart‘, habe ich ihm geantwortet.“

Gelsenkirchen Bei der Talkrunde „90 Minuten mit...“ war Klaus Täuber zu Gast. Der von den Fans "Boxer" gerufene Königsblaue erzählte eine Anekdote nach der anderen. Schalke sei sein Herzensverein, betonte Täuber, doch einmal war er auf den Klub sehr sauer gewesen.mehr...

Das reichte dem strengen Beamten noch nicht aus. „Das kann ja jeder sagen“, soll der Polizist laut Nigbur eher gleichgültig entgegnet haben. Erst als ein Ordner sich umdrehte und den leibhaftigen Nigbur in Torwart-Kluft da stehen sah („Ey, das ist wirklich der Torwart“), durfte Schalkes Nummer eins zurück an seinen Arbeitsplatz.

Bochum trifft trotzdem nicht

Warum das knappe Viertelstündchen ohne ihn folgenlos blieb, ist nicht nur Nigbur bis heute ein Rätsel: „Der Bochumer Spieler Ata Lameck hat hinterher gesagt: Mensch, wenn wir gemerkt hätten, dass die Schalker ohne Torwart spielen, hätten wir doch einfach mal aufs Tor schießen sollen...“

Kommentar: Schalke hat alle Erwartungen übertroffen

Eine Vizemeisterschaft ist kein Grund zum Schämen

AUGSBURG/GELSENKIRCHEN Seit der FC Schalke 04 in der Bundesliga oben mitspielt, wurde ständig sein Leistungsniveau in Zweifel gezogen und auf die Schwäche der Konkurrenten zurückgeführt. Spätestens jetzt ist es jedoch an der Zeit, die Königsblauen zu loben. An folgenden Feststellungen lässt sich nicht rütteln.mehr...

Nigburs Legenden-Status auf Schalke alleine auf diese Anekdote zu schieben, würde ihm aber nicht gerecht. 1966 vom Gelsenkirchener Amateurverein Heßler 06 nach Schalke gewechselt wird der gebürtige Gelsenkirchener Nigbur schnell Stamm-Torwart und einer der besten deutschen Torhüter, für die ganz große Nationalmannschafts-Karriere steht ihm aber Bayern-Keeper Sepp Maier im Weg.

Ruf als Elfmeter-Töter

Vor allem als Elfmeter-Töter macht sich Nigbur einen Namen. Sein Meisterstück liefert er 1972 im legendären DFB-Pokal-Halbfinale gegen den 1. FC Köln mit inklusive Elfmeterschießen 21 (!) Elfmetern, als er drei Elfer hält und einen selbst verwandelt.

Gelsenkirchen Schalke schwelgt in der ersten Jahreshälfte 2017 in Erinnerungen. Auch weil es aktuell gerade nicht viel zu feiern gibt, wird der 20. Jahrestag des sensationellen UEFA-Cup-Gewinns von 1997 im Mai zu so etwas wie dem königsblauen Jahres-Höhepunkt. Sogar der Ehrgeiz des Autors dieser Zeilen mutiert angesichts der Feierlichkeiten rund um die Eurofighter geradezu auf Europacup-Niveau. Ein Treffen mit Reporter-Legende Werner Hansch muss her. Zumindest ist das der Plan. mehr...

Schalke gewinnt anschließend den DFB-Pokal, der Schatten des Bundesliga-Skandals von 1971 liegt da aber bereits über der vielleicht besten Mannschaft, die Schalke je hatte. Nigbur ist an dem Skandal nicht beteiligt, hadert aber noch heute mit den involvierten Kollegen, „weil wir mit dieser Mannschaft noch viel Größeres als den Pokalsieg 1972 hätten erreichen können“.

Karriereausklang in Hüls

1976 wechselt der Weltmeister von 1974, der als Profi auch mal Widerworte gab, zu Hertha BSC Berlin, 1979 kehrt Nigbur nach Schalke zurück, geht nach dem ersten Bundesliga-Abstieg sogar mit in die Zweite Liga. 1983 verlässt der sechsfache Nationaltorhüter die Königsblauen auch wegen Spannungen mit Manager Rudi Assauer und lässt seine Karriere beim VfB Hüls und bei RW Essen ausklingen.

Nigbur, während seiner aktiven Laufbahn nicht nur wegen zweier öffentlichkeitswirksamer Scheidungen ein „Freund“ des Boulevards, zieht sich danach weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Seiner Liebe zum Pferdesport ist er immer treu geblieben. Das Training und die Versorgung seiner Trabrennpferde in Bladenhorst bestimmt seinen Tagesablauf.

„Ich bin sehr zufrieden“

Seinen 70. Geburtstag möchte er mit Ehefrau Michaela (seit 1992 verheiratet) im kleinen Kreis feiern. Aktuell ist Nigbur nach einem Unfall mit einem ihm anvertrauten Reitpferd ein wenig gehandicapt, aber: „Ich habe immer gesagt: Wenn es mir mit 70 noch gut geht, bin ich zufrieden. Und ich bin sehr zufrieden.“

Die S04-Fans haben Norbert Nigbur zum Schalker „Jahrhundert-Torwart“ gewählt. Die Episode in Bochum war dafür sicher nicht der entscheidende Grund.

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