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"Duisburg ist immer für eine Überraschung gut“

Reck im Interview

Von Routine will Oliver Reck überhaupt nicht sprechen. Obwohl es bereits seine achte Endspielteilnahme ist, fiebert der Torwart-Trainer des MSV Duisburg dem 21. Mai schon seit Wochen entgegen. Am Samstag trifft der 46-Jährige im DFB-Pokalfinale in Berlin auf seinen Ex-Klub FC Schalke 04.

GELSENKIRCHEN

von Von Frank Leszinski

, 21.05.2011
"Duisburg ist immer für eine Überraschung gut“

Als Torwarttrainer war Oliver Reck (l.) von 2004 bis 2009 auf Schalke aktiv.

Sie sind schon Stammgast in Berlin. Was macht den besonderen Reiz dieses Pokalfinales aus?

Es ist die einmalige Atmosphäre, die hier in Berlin herrscht. Schon in den Tagen vor dem Spiel dreht sich in der Stadt alles nur um Fußball. Allein deshalb lohnt es sich schon, sich für das Endspiel zu qualifizieren. Viele junge Spieler aus unserer Mannschaft wussten gar nicht, dass vor dem Anpfiff die Nationalhymnen gespielt werden und der Bundespräsident sie begrüßen wird.Viermal konnten Sie den DFB-Pokal bisher gewinnen. Je zweimal mit Bremen (1991 und 1994) und Schalke (2001 und 2002). An welches Endspiel denken Sie besonders gern zurück?

Diese Frage ist mir schon oft gestellt worden. Mit allen Endspielen verbinde ich positive Erinnerungen, auch mit denen, die verloren gingen. Aber am liebsten denke ich an das erste gewonnene Finale 1991 gegen den 1. FC Köln zurück.Warum?

Das haben wir mit Werder Bremen erst im Elfmeterschießen mit 4:3 gewonnen, nachdem wir 1989 und 1990 im Endspiel gescheitert waren. Doch drei Mal ist Bremer Recht. Ein Jahr später gewannen wir sogar den Europacup der Pokalsieger. Das war eine wunderbare Zeit unter Trainer Otto Rehhagel. Mit dem Pokalsieg 1991 haben wir eine sehr positive Entwicklung für Werder Bremen eingeleitet. Damals hieß es lange, Bremen sei zwar ein guter Verein, aber nicht in der Lage, Titel zu gewinnen. Wir haben das Gegenteil bewiesen.2011 sind im Finale die Rollen klar verteilt.

  Das ist definitiv richtig. Schalke 04 ist der klare Favorit. Aber wir haben gewiss nicht vor, die Partie schon vorher abzuschenken. Zumal Schalke ja in den letzten Spielen nicht gerade überzeugt hat. Der MSV Duisburg ist immer für eine Überraschung gut.Trotz der langen Verletztenliste?

Ein Pokalfinale ist etwas ganz Besonderes. Da können Außenseiter über sich hinauswachsen. Aber es stimmt schon, wir sind personell momentan nicht auf Rosen gebettet. Einige verletzte Leistungsträger konnten wir in der Zweitligasaison einfach nicht ersetzen. Manchmal hatten wir nur 14, 15 Spieler beim Training. So gesehen hat sich die Mannschaft in der Zweiten Bundesliga und vor allem im DFB-Pokal prächtig geschlagen.Bleiben Sie dem MSV auch in der nächsten Saison treu?

Auf jeden Fall. Wir sind zwar aus finanziellen Gründen gezwungen, in der nächsten Saison einen Umbruch einzuleiten. Aber als Torwart-Trainer macht es mir sehr viel Spaß, mit jungen Talenten zu arbeiten.Mit Manuel Neuer haben Sie beim FC Schalke 04 zusammen gearbeitet. Wie beurteilen Sie seine Entwicklung?

Es war früh zu erkennen, dass Manuel ein ganz großer Torwart wird. Er ist jetzt schon mit 25 Jahren ein kompletter Schlussmann. Wir telefonieren immer noch regelmäßig miteinander. Dass wir uns in einem Pokalfinale wiedersehen, hätte ich nicht gedacht.Was muss Neuer noch verbessern?

Da gibt es nicht viel. Aber ein paar Tipps werde ich meinen MSV-Jungs sicher vor dem Spiel geben können.Können Sie nachvollziehen, dass Neuer Schalke am Saisonende wohl verlassen wird?

  Er wird wissen, was er tut. Sollte er wechseln, ist es für den Club sicher schade. Aber wie ich es beurteilen kann, hat er sich den Schritt garantiert nicht leicht gemacht, seinen Vertrag nicht zu verlängern.Wie eng ist noch der Kontakt zu Schalke?

Er ist noch recht intensiv. Schließlich habe ich dort viele schöne Jahren als Torhüter und Torwart-Trainer verbracht. So etwas vergisst man nicht.Wie haben Sie als Beobachter die Schalker Entwicklung erlebt?

Schalke hat nicht so schlecht gespielt, wie sie zu Magaths Zeiten gemacht wurden. Aber sie waren auch nicht so überirdisch gut, wie sie nach den Siegen gegen Inter Mailand dargestellt wurden. Platz 14 in der Bundesliga ist für Schalke eine Enttäuschung.