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Der Baumeister des MSV Duisburg

Milan Sasic

Milan Sasic hat eine bewegte Vita hinter sich. Bürgerkriegsflüchtling, Straßenbauer, Fußballtrainer. Mit dem MSV Duisburg strebt der 52 Jahre alte Kroate seinen ersten bedeutenden Titel an.

DUISBURG

von Von Dietmar Fuchs (dpa)

, 21.05.2011
Der Baumeister des MSV Duisburg

Dialog zwischen MSV-Trainer Milan Sasic (r.) und seinem Spieler Benjamin Kern.

Sasic wirkt immer ein wenig grantig. Fast so, als ob er mit nichts zufrieden wäre und sich über irgendetwas beschweren wolle. Doch der Fußballlehrer aus Kroatien kann auch anders. Geradezu befreit wirkte sein Lachen, als er kurz vor dem Pokalfinale mit seinem MSV Duisburg über die schwierige personelle Lage philosophierte: „Wir wollen vor den Problemen nicht weglaufen und nicht jammern. Es kann auch immer schlimmer kommen.“

Im Leben des 52-Jährigen kam es schon schlimm genug. 1991 verließ er wegen des Bürgerkriegs seine Heimat, wo er während seiner aktiven Zeit Torhüter bei NK Karlovac war. Sasic kam nach Deutschland, hielt sich irgendwie über Wasser, arbeitete für ein Straßenbau-Unternehmen im Westerwald 240 Stunden im Monat - und wurde dabei einst vom Druck des Presslufthammers in die Luft gehievt: „Höher als der Hammer“, erinnerte er sich. Doch die Lust am Fußball ließ ihn nicht los. Es waren eher unbedeutende Jobs, die er in seinen ersten Jahren in Deutschland übernahm. Wie viele kennen die DJK Gebhardshain-Steinebach? Auch der VfL Hamm/Sieg ist nicht unbedingt eine der führenden Adressen.

Es sollte sich indes etwas ändern im fußballerischen Leben von Sasic: Als er 2002 die TuS Koblenz übernahm, stand der Verein sportlich und wirtschaftlich vor dem Aus - mit Sasic ging es bis in die 2. Bundesliga. Der Entlassung, ohne auf einem Abstiegsplatz gestanden zu sein, folgt das Engagement beim 1. FC Kaiserslautern. Sasic rettet den Pfälzer Traditionsverein vor dem Sturz in die Drittklassigkeit, wird gefeiert, eckt aber bei den Bossen an. Sein Vorgehen als „harter Hund“ macht eine weitere Zusammenarbeit unmöglich. Auch beim MSV, wo er im November 2009 als Nachfolger von Peter Neururer anheuerte, gab es anfangs Unfrieden. Sasic entschuldigte sich sogar, weil das eine oder andere falsch rüberkam in der Kommunikation: „Ich wollte aber nie jemanden verletzen.“ Doch die „Zebras“ und Sasic arrangierten sich, verfolgten das gemeinsame Ziel Bundesliga-Aufstieg. Es wurde nichts daraus: Am Ende blieb Rang acht.

Im DFB-Pokal allerdings feierten Sasic und seine „Underdogs“ Sieg um Sieg. 2:0 beim VfB Lübeck, 3:0 beim Halleschen FC, 2:1 im Achtelfinale beim 1. FC Köln, dann das 2:0 gegen seinen früheren Verein Kaiserslautern - der MSV stand in der Vorschlussrunde und machte mit dem 2:1 gegen den Liga-Konkurrenten Energie Cottbus die vierte Final-Teilnahme perfekt. Respekt vor Finalgegner Schalke ja - „aber keine Angst“, wie Sasic vor dem prestigeträchtigen Endspiel der alten Revier-Rivalen meinte, obwohl das Duell mit dem Champions-League-Halbfinalisten angesichts vieler Verletzter fast eine unmögliche Mission ist. „Aus dieser Situation müssen wir das Maximale rausholen“ - das ist nicht nur im Fußball-Leben von Milan Sasic ein elementarer Leitsatz.

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