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Schalke-Moment des Jahres

Benedikt Höwedes - Ein Weltmeister mit Manieren

GELSENKIRCHEN Anfang Januar diesen Jahres hatte ich Benedikt Höwedes wieder einmal um ein Interviewtermin gebeten. Es ging um ein in der heutigen Zeit seltenes Ereignis: Der Halterner feierte auf Schalke sein zehnjähriges Dienstjubiläum als Profi. Am 19. Januar 2007 hatte er seinen ersten Vertrag als Lizenzspieler unterschrieben. Zwei Dinge konnte ich damals nicht ahnen: Erstens: Dass Höwedes den Verein noch im selben Jahr verlassen würde. Zweitens: Dass ich ziemlich lange auf ihn warten musste.

Benedikt Höwedes - Ein Weltmeister mit Manieren

Benedikt Höwedes gab sein Profi-Debüt für den FC Schalke 04 vor zehn Jahren. Foto: dpa

Mein erstes Gespräch mit Benedikt Höwedes fand in Gelsenkirchen-Scholven statt. Dorthin musste die Schalker A-Jugend ausweichen, weil kein geeignetes Stadion zur Verfügung stand. Ein Zustand, an dem sich bis heute nichts geändert hat. Höwedes war damals Mannschaftskapitän der Schalker A-Jugend. Dass er Führungsqualitäten besaß, war damals schon zu sehen. Nach dem Spiel, dessen Gegner und Ausgang ich vergessen habe, teilte er mir höflich mit, dass noch eine kurze Mannschaftsbesprechung unmittelbar auf dem Platz stattfinden werde. Erst Trainer Norbert Elgert und dann sein Kapitän analysierten das Spiel. Was sie sagten, war akustisch nicht zu verstehen, aber so viel war zu sehen: Jeder Spieler hörte still und konzentriert zu.

17.45 Uhr: Kein Höwedes in Sicht

Jahre später wartete ich also erneut auf Benedikt Höwedes - nur diesmal deutlich länger. Während die Schalker Presseabteilung bei anderen Spielern ab und zu „Blut und Wasser schwitzt“, ob derjenige auch pünktlich kommt oder den Termin einfach vergessen hat, bestand bei Höwedes diese Gefahr nie. Ich hatte bisher noch nicht erlebt, dass er ein Interview platzen ließ.

Gelsenkirchen Schalke schwelgt in der ersten Jahreshälfte 2017 in Erinnerungen. Auch weil es aktuell gerade nicht viel zu feiern gibt, wird der 20. Jahrestag des sensationellen UEFA-Cup-Gewinns von 1997 im Mai zu so etwas wie dem königsblauen Jahres-Höhepunkt. Sogar der Ehrgeiz des Autors dieser Zeilen mutiert angesichts der Feierlichkeiten rund um die Eurofighter geradezu auf Europacup-Niveau. Ein Treffen mit Reporter-Legende Werner Hansch muss her. Zumindest ist das der Plan. mehr...

Um 17 Uhr sollte ich mich im „Bistro Auf Schalke“ einfinden. Zusammen mit einem Mitglied der Presseabteilung wartete ich auf den Weltmeister von 2014. Es wurde 17.15 Uhr, es wurde 17.30 Uhr - kein Höwedes in Sicht. Als es 17.45 Uhr wurde, machten wir uns Sorgen, denn auch eine Kontaktaufnahme über das Handy blieb ohne Erfolg.

Unterwegs nach Düsseldorf

Schalkes Pressemann machte sich mit dem Fahrstuhl auf den Weg in die Mannschaftskabine, doch Höwedes war weg. Er hatte zwar noch auf dem Weg vom Training in die Kabine gesagt, dass er unser Gespräch auf dem Schirm habe, aber nach dem Duschen hatte er offenbar einen Blackout und war mit seinem Wagen schon auf dem Weg nach Düsseldorf, wo er damals wohnte.

GELSENKIRCHEN „Es ist eine schöne Tradition…“: Mit diesem Satz leiten Journalisten gerne einen Text ein, bei dem der größte Nachrichtenwert oftmals nur darin besteht, dass sich das beschriebene Ereignis Jahr für Jahr wiederholt. Wenn beispielsweise der Nikolaus am 6. Dezember im Kindergarten vorbeischaut. Oder wenn dem Bürgermeister an Weiberfastnacht die Krawatte abgeschnitten wird. Oder wenn Schalke in der Sommerpause den neuen Trainer vorstellt.mehr...

Dann meldete er sich kurz vor 18.30 Uhr. Wir waren erst einmal erleichtert. Ich würde heute noch jede Wette annehmen, dass neun von zehn Profis nun gesagt hätten, lass uns den Termin verschieben. Doch der pflichtbewusste Höwedes tickt anders. Er sei jetzt an der Ausfahrt Oberhausen-Königshardt. Wenn ich es zeitlich einrichten könne, würde er wenden und noch kommen. Ein Mann, ein Wort. Kurz vor sieben Uhr stand er vor mir. Mit schlechtem Gewissen, sich noch mehrfach entschuldigend, aber so wohltuend normal, wie es im heutigen Profigeschäft eine Seltenheit ist.

Wohltuend normal

Ich lieferte ihm Stichworte, und „Benny“ erzählte über seine zehn Profijahre. Besonders interessant erscheinen im Rückblick, wie er mir von den Qualen erzählte, sich nach jeder Verletzung zurück zu kämpfen. Da wurde mir wieder einmal klar, dass mancher Profi einen sehr hohen gesundheitlichen Preis für seine fußballerischen Aktivitäten bezahlt. Auch wenn diese - wie bei Höwedes - fürstlich entlohnt werden.

Dass Höwedes Schalke kurzfristig verlassen könnte, war für mich nach diesem Interview undenkbar. So kann man sich täuschen, doch für mich bleibt Benedikt Höwedes ein Schalker Spieler, mit dem ich viel mehr positive als negative Erinnerungen verbinde. Auch wenn er mich im Januar 2017 ganz lange warten ließ.

Turin Wochenlang hat er darauf gewartet, dann war es endlich soweit: Der deutsche Fußball-Nationalspieler Benedikt Höwedes hat sein Debüt bei Italiens Rekordmeister Juventus Turin in der Serie A gegeben. Mehr als über sein Comeback nach überstandener Muskelverletzung freute sich der Ex-Schalker aber über den Sieg seiner Mannschaft. Dennoch erlebte er einen Schockmoment.mehr...

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