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So verfolgt BVB-Sportdirektor Zorc die Weltmeisterschaft

Scouting wird immer professioneller

Die Weltmeisterschaft ist die größte Bühne für die Profis - dass ein Juwel erst dort so richtig auf sich aufmerksam macht, geschieht allerdings kaum noch. Das Scouting ist professioneller geworden.

DORTMUND

von Dirk Krampe

, 15.06.2018
So verfolgt BVB-Sportdirektor Zorc die Weltmeisterschaft

Kann die WM entspannt im TV verfolgen: BVB-Sportdirektor Michael Zorc. © Thomas Bielefeld

Vor zwei Jahren durfte sich Borussia Dortmund tatsächlich einmal in einer komfortablen Situation fühlen und entspannt zurücklehnen. Bei der Europameisterschaft in Frankreich spielte sich ein gewisser Raphael Guerreiro ins Rampenlicht, gewann mit Portugal den Titel und stand als Linksverteidiger mit unglaublichem Offensivdrang auf einmal auf den Zetteln so mancher namhafter Branchengrößen.

Breites Grinsen

Dem Vernehmen nach soll BVB-Einkäufer Michael Zorc der im Turnierverlauf größer werdende Hype um den damals 22-Jährigen wiederholt ein Grinsen ins Gesicht gezaubert haben. Denn Anfragen erübrigten sich nach Turnierschluss: Dem BVB war der flinke Portugiese dank des intensiven Scoutings schon weit vor der EM aufgefallen, der Vertrag war ausgehandelt und unterschrieben. Guerreiro machte in Dortmund seinen nächsten Karriereschritt.

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Dass Fußball-Profis unter dem Radar fliegen und erst bei großen Turnieren der breiten Öffentlichkeit auffallen, mag vorkommen. Dass sie selbst denen unbekannt sind, die sich tagtäglich mit dem Aufspüren von Talenten beschäftigen, kommt hingegen nicht mehr vor. „So etwas gibt es nicht mehr“, sagt BVB-Sportdirektor Zorc. Die kommende Weltmeisterschaft in Russland verfolge er daher eher nicht in der Hoffnung, dort von dem ein oder anderen Akteur überrascht zu werden.

Im Schatten der Großklubs

Man kennt seine Pappenheimer. Kaum ein Bereich im Spitzenbereich des Fußballsports ist in den vergangenen Jahren so gezielt professionalisiert worden wie das Scouting. Nicht nur Klubs wie Borussia Dortmund beschäftigen eine Herrschar von Fachleuten, die unzähliges Videomaterial sichten, die permanent auch auf Reisen sind, um etwaige Kandidaten persönlich unter die Lupe zu nehmen.

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Guerreiro entdeckte der BVB beim FC Lorient, einem Klub, der im Schatten der französischen Großklubs Paris, Lyon oder Marseille im unteren Drittel der Ligue 1 vor sich hindümpelte und mittlerweile in die Zweitklassigkeit abgerutscht ist. Doch die Dortmunder Späher sahen Guerreiros großes Potenzial. Noch vor der EM 2016 machte der BVB schnell Nägel mit Köpfen.

Geeignete Zwischenstation

Längst ist das Scouting nicht nur auf heimische Nachwuchsspieler und Talente im benachbarten Ausland beschränkt. Die Spitzenklubs sichten weltweit. Shinji Kagawa zum Beispiel entdeckte die Borussia in den Tiefen der zweiten japanischen Liga. Und auf die Auswertung der beeindruckenden Video-Zusammenschnitte verließ man sich damals nicht. Mehrere Male beobachteten Scouts den Spieler vor Ort, im letzten Schritt verschaffte sich auch Zorc selbst ein persönliches Bild des kleinen Japaners.

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Es ist unabdingbar für Klubs wie den BVB, früher dran und schneller zu sein als die Konkurrenz. Manchmal kann man sich auch zu eigen machen, eine perfekte Zwischenstation zu sein. Das große Talent eines Ousmane Dembele erkannte seinerzeit nicht nur der BVB - aber der Franzose entschied, nicht zwei oder drei Stufen auf einmal nehmen zu wollen. Dortmund schien die geeignete Zwischenstation und bekam den Zuschlag, obwohl auch der FC Barcelona Dembele schon damals wollte. Zwölf Monate später schoss der Preis extrem in die Höhe. Diese Entwicklung war freilich nicht absehbar.

Genaues Hinschauen

Wenn in Russland der Ball rollt, wird Zorc „interessiert“ vor dem Fernseher sitzen, wie er sagt. Er weiß, bei wem sich ein genaues Hinschauen lohnt. Es wird dann aber eher darum gehen, ob die, die man ohnehin im Auge hat, die Erwartungen erfüllen können.