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"Marca" stellt Sahin schon als Real-Neuzugang vor

Tränen des Abschieds?

Es war ein magischer Moment, als Nuri Sahin (22) am Samstag um 17.40 Uhr vor die Südtribüne humpelte. Dem stärksten Spieler der Bundesliga-Hinrunde schossen Tränen in die Augen, Jungstar Mario Götze (18) versuchte zu trösten und küsste seinen verletzten Teamkollegen. Glaubt man der spanischen Zeitung „Marca“, muss es sich um Tränen des Abschieds gehandelt haben.

DORTMUND

von Von Sascha Fligge und Matthias Dersch

, 03.05.2011
"Marca" stellt Sahin schon als Real-Neuzugang vor

Abschiedskuss unter Ausnahmekönnern? Mario Götze (l.) tröstet den weinenden Nuri Sahin.

Drei ganze Seiten spendierte die „Marca“ dem „türkischen Zidane“ in ihrer Montagausgabe. Real Madrid habe mit dem nach Perfektion strebenden Edeltechniker, der auf dem Rasen freie Räume sieht, noch bevor sie sich öffnen, bereits eine finanzielle Einigung erzielt, war zu lesen. Sahin sei „ein erhabener Linksfuß“ und habe bereits den englischen Spitzenklubs FC Arsenal und FC Chelsea eine Absage erteilt, schrieb „Marca“.

Die Tatsache, dass der gebürtige Lüdenscheider in Reza Fazeli den gleichen Agenten wie der bereits bei Real unter Vertrag stehende deutsche Nationalspieler Mesüt Özil (22) hat, und mit Letzterem auch noch eng befreundet sei, erhöhe die Chance auf einen Wechsel des Dortmunders in die spanische Hauptstadt. Auch andere spanische Medien hatten zuvor schon über Verhandlungen zwischen dem Profi und Real berichtet, doch offizielle Bestätigungen gab es nie. Sahin kehrte nach den spontanen Feierlichkeiten rund um die hundertste Meisterschaft in der Geschichte des deutschen Fußballs am Montag wieder in den Alltag zurück. Und der hält für ihn vor allem Arztbesuche bereit. Seine Saison war bereits nach dem 3:0-Sieg gegen Freiburg beendet. Diagnose: Teilriss des Innenbandes im rechten Knie. Deshalb humpelte Sahin am Samstagabend, während seine Meisterkollegen Luftsprünge machten. Und er saß, als das Gros des Teams bis zum frühen Morgen in der Dortmunder Discothek View feierte. Weshalb er auf dem Rasen geweint hatte? „Das behalte ich für mich“, sagte Sahin freundlich, aber bestimmt: „Das ist Privatsache.“

Es gibt Experten, die halten den Türken für Borussias fußballerisches Gehirn. Und wenn es denn so ist, ist dieses Gehirn ausgesprochen effektiv. An 21 Toren (8 Treffer/13 Assists) war der Mittelfeldspieler in dieser Saison wettbewerbsübergreifend beteiligt, das Kicker Sportmagazin kürte ihn zum notenbesten Hinrundenspieler. Honor, der ihn in die Arme des exzentrischen Madrider Trainers Jose Mourinho treibt? Sahin hält sich bedeckt – noch. „Am Saisonende werden sich mein Berater, Jürgen Klopp, Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke zusammensetzen. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht“, sagt er. Sein aktueller Vertrag (gültig bis 2013) soll gleich zwei Ausstiegsklauseln enthalten. Eine für das Inland, angeblich mit sechs Millionen Euro beziffert. Und eine für das Ausland, die zumindest ein paar Millionen mehr in die Dortmunder Kasse spülen und helfen könnte den Transfer eines weiteren Hochkaräters (z.B. Ivan Perisic vom FC Brügge) zu finalisieren.

„Zwischen der Spielerseite und Real ist alles klar, jetzt müssen die Vereine miteinander sprechen“, schrieb Marca. Mit Michael Zorc hatten die Spanier – Stand Montag – allerdings noch keinen Kontakt aufgenommen. „Wenn etwas anliegen sollte, werden wir das besprechen“, sagte Zorc: „Noch wurden wir nicht kontaktiert. Aber Real hat ja noch das Champions League-Rückspiel gegen Barcelona (Dienstag, d. Red.) vor der Brust. Vielleicht liegt es ja daran.“ Der Sportdirektor treibt in diesen Tagen Dortmunds Planungen für die erste Königsklassen-Saison seit Jahren voran und will zeitnah die Verpflichtung von Ilkay Gündogan (20, 1. FC Nürnberg) bekanntgeben. Gündogan gilt als potenzieller Sahin-Ersatz, aber auch er bestätigt seinen Wechsel noch nicht offiziell.

„Wir sind in guten Gesprächen mit drei Bundesligavereinen, aber mit keinem zu hundert Prozent klar“, sagte sein Vater und Berater Irfan am Montag. „Anfragen ausländischer Klubs“ habe er kategorisch zurückgewiesen, „weil Ilkay in Zukunft für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen“ und im Blickfeld des Bundestrainers bleiben wolle. „Das Nürnberger Spiel in Dortmund (0:2, Gündogan saß lange auf der Bank) war nicht einfach für meinen Sohn“, betonte Irfan Gündogan. Und dann: „Am Freitag möchte Ilkay Klarheit über seine Zukunft haben.“ Drei Tage also noch. Zorc schmunzelt: „Es ist ja immer gut, wenn man Klarheit hat.“ 

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