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"Ich habe jede Minute genossen"

Sahin im Interview

Am 9. Mai kämpfte Nuri Sahin (22) tapfer gegen die Tränen an. "Wenn du Real Madrid hörst, dann denkst du, das ist der größte Verein der Welt. Das ist er auch. Aber ich liebe Dortmund, ich liebe die Borussia und werde immer Fan bleiben", sagte das Gehirn der BVB-Meistermannschaft im Presseraum des Signal Iduna Parks.

DORTMUND

von Von Sascha Fligge

, 20.05.2011
"Ich habe jede Minute genossen"

Nuri Sahin (M.) präsentiert das Objekt der Begierde.

Sahin hat eine „Lebensentscheidung“ gefällt. Er verlässt das Herz Westfalens, um ein Königlicher zu werden. Wir haben keine Zweifel daran, dass er es auf den Thron schaffen wird.

Ich bin wirklich froh, dass jetzt alle Bescheid wissen. Diese Gerüchte waren zu lange ein Medienthema. Das ist nichts für mich! Es wäre mir deutlich lieber gewesen, wenn in der entscheidenden Phase der Saison noch mehr über die außergewöhnliche Leistung unserer Mannschaft gesprochen worden wäre als über mich.

Nein. Wir haben miteinander gesprochen. Aber er war nicht hier.

Das ist schwer zu beschreiben. José Mourinho hat dieses gewisse Etwas, eine Aura, die ihn umgibt. Er ist ein ganz spezieller Trainer. Und nach allem, was ich gehört habe, der beste der Welt. Ich bin froh und stolz, künftig unter seiner Leitung arbeiten zu dürfen.

Dass mich auch andere Vereine verpflichten wollten, habe ich auch gehört. Insofern hat der Trainer Recht. Mit dem Wechsel zu Real erfüllt sich für mich der Traum, den fast jeder kleine Junge, der mit dem Fußballspielen beginnt, in sich trägt. Ich bekomme die besten Mitspieler, die man sich nur vorstellen kann.

Ganz ehrlich: überhaupt keine! Wenn ich gesund bleibe, werde ich ohnehin mehr als genug Geld verdienen. Das gehört zu diesem Geschäft einfach dazu. Aber meine Entscheidung hatte ausschließlich sportliche Gründe. Im Vereinsfußball ist Real Madrid der höchste Gipfel, den man erklimmen kann. Und ich habe jetzt die Chance…

Die FIFA hat den Verein im Jahr 2000 zum „Besten Fußballklub des 20. Jahrhunderts“ gekürt – das alleine genügt ja schon als Erklärung. Real Madrid hat in seiner Geschichte so unglaubliche Erfolge gefeiert, und viele der größten Spieler der Welt haben für diese Mannschaft gespielt: Zidane, Beckham, Figo, Ronaldo. Ich bräuchte Stunden, um alle aufzuzählen.

Das kann gut sein. Wenn ich an meinem ersten Trainingstag in die Kabine komme, werde ich sicher denken: ‚Wow!’ Und vielleicht sage ich mir auch: ‚Heute kannst du ruhig mal stolz auf dich sein.’ Aber die Aufgaben beginnen von Neuem. Ich will sehr erfolgreich sein und mit Real Madrid so viele Titel wie möglich gewinnen.

Ich denke, ich passe sehr gut da rein. Es heißt in den Medien ja immer, Real spiele zurzeit keinen schönen Offensivfußball. Die Fakten sprechen aber dagegen: Nach Barcelona hat Madrid mit 91 Toren die meisten Treffer in der spanischen Liga erzielt. Alleine gegen Sevilla und Getafe waren es zuletzt insgesamt zehn Treffer.

Ja. Das Finale im spanischen Pokal hat Real aus meiner Sicht hochverdient gegen Barcelona gewonnen. Und hätte Pepe im ersten Champions League-Halbfinale (0:2, die Redaktion) beim Stand von 0:0 nicht Rot gesehen, wäre auch dieses Spiel nicht verloren gegangen. Davon bin ich jedenfalls überzeugt.

Ja. Für ein Heimspiel auf jeden Fall! Ich hoffe, dass ich dann auch schon solide Spanisch spreche. Meine Frau Tugba und ich büffeln im Moment viel. Es ist für mich sehr wichtig, mich möglichst schnell in der Landessprache verständigen zu können.

Auf jeden Fall an den Derbysieg auf Schalke in dieser Saison (3:1, die Redaktion) – die Art und Weise, wie wir dort gespielt haben, war auch für uns Spieler beeindruckend. Ich bin jetzt seit zehn Jahren in diesem Verein, und es gab in dieser Zeit natürlich viele schöne Erlebnisse. Gerade die vergangene Saison werde ich aber nie vergessen. Sie war noch einmal ein richtiges Ausrufezeichen. Ich habe jede Minute im Kreise dieser tollen Jungs genossen. Mit ihnen den Meistertitel geholt zu haben, ist etwas ganz Besonderes. Zu Mats Hummels, Mario Götze, Marcel Schmelzer, Dede, Kuba, Lukasz Piszczek oder Sven Bender werde ich immer Kontakt halten. Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden vergessen.

Ja. Der Tag, an dem ich nach Holland gefahren bin, weil ich beim BVB keine Chance mehr bekommen habe und an Feyenoord Rotterdam ausgeliehen wurde. Ich bin nicht den geraden Karriere-Weg gegangen, sondern habe mich einen hohen Berg hinauf arbeiten müssen. Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung, aber der Tag, an dem ich Dortmund damals verlassen habe, weil man mir nicht zugetraut hat, dass ich mich beim BVB durchsetze, war ein sehr, sehr trauriger.

Ich weiß nicht. Es stimmt sicher, dass ich durch die Art und Weise, wie ich Fußball spiele, viel Einfluss genommen habe. Ich habe viele Ballkontakte, kann auf dem Rasen sehr dominant sein. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass der BVB durch meinen Wechsel keinen sportlichen Einbruch erleiden wird. Niemand muss sich Sorgen machen. Die Mannschaft hat einfach zu viel Qualität, sie ist zu stabil, und ihr Trainer ist zu stark, als dass es einen Knacks geben könnte.

Es wäre fatal zu sagen: „Ilkay wird der Sahin-Ersatz.“ Ich habe ihm geraten: „Versuche nicht, mich zu ersetzen, sondern versuche, Dein eigenes Spiel durchzusetzen.“ In Gündogan hat Borussia Dortmund einen Top-Mann verpflichtet! Ich kenne ihn persönlich. Er verfügt über ein sicheres Passspiel, ist dribbelstark, schnell, klar im Kopf und ein sehr, sehr positiver Charakter.

Wir haben sehr viele Spieler mit überragender Qualität in unserem Kader. Und die wird sicher noch größer! Ich denke, alle BVB-Profis sind sich der Tatsache bewusst, dass sie schon jetzt bei einem ganz großen Klub spielen – und sie wissen das zu schätzen. Dass Mario Götze ein Fall für Real werden kann, wenn er so weitermacht wie bisher, ist eine Meinung, die sicher niemanden überraschen wird.

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