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Handball hätte seinen Reiz

DORTMUND Über mangelnde Arbeit kann sich Dr. Christian Hockenjos, Borussia Dortmunds Leiter des Bereichs Verwaltung und Organisation nicht beschweren. Gerade erst ist „Jazz im Stadion“ über die Bühne gegangen. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die BVB-Jahreshauptversammlung (26.11.). RN-Redakteur Constantin Blaß sprach mit Christian Hockenjos.

von Von Constantin Blaß

, 23.11.2007

Herr Hockenjos, „Jazz im Stadion“ lockte am letzten Samstag über 2.000 Besucher ins Stadion. Ein Erfolg? Hockenjos: Jazz im Stadion war insgesamt eine klasse Nummer. Wenn man überlegt, dass wir die Veranstaltung innerhalb von gerade einmal drei Monaten aus dem Boden gestampft haben, dann war das eine tolle Leistung, die ich mir allerdings keineswegs allein auf die Fahnen schreiben möchte. Alle Beteiligten, in erster Linie Norbert Labudda und Philip Hartmanis, haben einen hervorragenden Job gemacht.„Jazz im Stadion“ wird also wiederholt?Hockenjos: Ja, das haben wir am Montag mit der BVB-Geschäftsführung so besprochen. Derzeit denken wir daran, „Jazz im Stadion“ im Jahres-Rhythmus zu veranstalten. Für die zweite Auflage werden wir eine deutlich längere Vorbereitungszeit haben.Eigentlich auch bitter nötig...Hockenjos: Ja, es hat zwar alles geklappt, aber ein längerer Vorlauf ist deutlich angenehmer und mit Blick auf die Vermarktung und Kommunikation von „Jazz im Stadion“ auch wünschenswert. Gerade im Sponsoring waren viele Unternehmen von unserer Idee begeistert, allerdings war der zeitliche Vorlauf zu kurz, um uns zu unterstützen. Eine höhere kaufmännische Sicherheit wäre für Teil zwei von „Jazz im Stadion“ begrüßenswert.+

BVB macht Minus bei Jazz im Stadion Die Premiere war also eine Zuschuss-Veranstaltung? Hockenjos: Wir sind mit einem kleinen Minus herausgegangen, haben nur um Haaresbreite die schwarze Null verpasst. Insofern sind wir für die Erstauflage absolut zufrieden. Aber wie gesagt: Bei der zweiten Auflage rechnen wir mit mehr Sponsoren.Und mehr Besuchern?Hockenjos: Das auch, wobei über 2.000 ein Erfolg gewesen sind. Beim nächsten Mal werden wir die Werbetrommel noch stärker rühren. Nur dazu braucht man eine entsprechende Vorbereitungszeit. Diesmal war es wichtig, das Format zu platzieren und eine gute Qualität zu liefern, was uns - so das Feedback etlicher Besucher und auch Künstler - absolut gelungen ist.Eine Massenveranstaltung soll „Jazz im Stadion“ aber nicht werden?Hockenjos: Nein, das passt nicht zum Genre. Die Qualität wird auch im nächsten Jahr wichtig sein. Selbst wenn uns die Leute die Bude einrennen, würden wir darauf achten, dass alle Besucher gute Sicht auf die Bühnen haben.Bei allem Lob von den Besuchern gab es auch Kritik von örtlichen Jazz-Domizilen. Berechtigt?Hockenjos: Dass wir angeblich anderen die Besucher wegnehmen, stimmt so nicht. Im Gegenteil: Eine Veranstaltung wie „Jazz im Stadion“, die einmal im Jahr stattfindet, wirkt eher befruchtend. Wir alle sollten bemüht sein, solche Veranstaltungen zu fördern und damit etwas für die Musikstadt Dortmund zu tun.Wann wird es die nächste Großveranstaltung im Stadion geben, die nichts mit Fußball zu tun hat?Hockenjos: Wir werden uns in der Winterpause Gedanken machen. Aber zusätzlich zu „Kino im Stadion“ und „Jazz im Stadion“ werden wir mit Sicherheit ein, zwei weitere Projekte in Angriff nehmen. Ein anderes musikalisches Format könnte es zum Beispiel im Mai oder Juni geben. Das würde dann außerhalb der VIP-Räume auf dem Stadion-Gelände stattfinden.. Rock im Stadion wird es nicht geben

Ein Projekt „Rock im Stadion“? Hockenjos: Nein, bei einem Rock-Konzert müssten wir den Innenraum nutzen, in den zwar locker 20.000 Menschen reinpassen, aber nur theoretisch. Wir dürfen dort derzeit aufgrund der Fluchtwegeregelung nur 5.500 Leute reinlassen. Exakt so viele waren es übrigens beim Box-Kampf 1996 zwischen Axel Schulz und Michael Moorer.   Wie kann man das Problem der Entfluchtungswege lösen?Hockenjos: Wir könnten an ein paar Stellen - vornehmlich am Rand der Tribünen - Sitze ausbauen, um Platz für weitere Wege zu schaffen. Doch damit ist es nicht getan. Musiker reisen in der Regel mit großen Trucks, auf denen die Bühne transportiert wird. Auch die Trucks müssten in den Innenraum. Derzeit und ohne bauliche Veränderungen undenkbar.Aber trotzdem Zukunftsmusik?Hockenjos: Von heute auf morgen werden wir diese Dinge nicht lösen können. Ohnehin würden wir uns losgelöst von baulichen Themen, an derartigen fußballfremden Großveranstaltungen wahrscheinlich verheben. Dafür fehlt uns noch das nötige Know-how, das wir derzeit aufbauen.Rücken wir ab von Musikveranstaltungen. Sind weitere Sport-Events neben dem Fußball denkbar?Hockenjos: Wieso nicht? Ein Handball-Länderspiel im Signal Iduna Park hätte durchaus seinen Reiz. In Hamburg am Rothenbaum wurde sogar kurzzeitig mal ein Schwimmbecken aufgebaut. Allerdings müsste man dann so kalkulieren, dass man danach ohne finanziellen Mehraufwand einen neuen Rasen verlegen kann. Wir werden im Winter die Köpfe zusammenstecken. Mal schauen, was herauskommt.Wann kann sich Dortmund wieder auf ein Fußball-Europapokal-Endspiel freuen? Das letzte liegt bereits sechseinhalb Jahre zurück.Hockenjos: Wir sind jederzeit bereit. Bis 2011 gibt es bereits Kandidaten für die Endspiele. 2010 und 2011 haben sich zum Beispiel Gelsenkirchen und Hamburg für das Finale im UEFA-Cup sowie München und Berlin für das Endspiel in der Champions League beworben.Warum nicht der BVB?Hockenjos: Man braucht ein gewisses Gespür dafür, wann die Zeit reif ist. Für das Jahr 2012 oder 2013 haben wir bereits bei den entsprechenden Verbänden bekundet, ein Finale austragen zu wollen. Zu gegebener Zeit werden wir uns auch offiziell beim DFB bewerben.Apropos Stadion: Sie wurden kürzlich in Leipzig zum stellvertretenden Vorsitzenden der Stadionbetreiber-Vereinigung gewählt. Was ist der Sinn dieses Verbandes?Hockenjos: Es geht darum, die Stadionbetreiber der 1. und 2. Bundesliga sowie Betreiber von Stadien, die mehr Platz als für 35.000 Zuschauer bieten, an einen Tisch zu bekommen und geschlossen aufzutreten. Wir wollen Know-how austauschen, aber auch in einem Land mit vielen Vorschriften versuchen, Dinge als Gemeinschaft politisch in eine entsprechende Richtung zu beeinflussen. Wir bilden uns nicht ein, dass wir direkt zur Bundeskanzlerin rennen können, aber es ist ein Unterschied, ob jeder einzelne versucht, Lobbyarbeit zu betreiben oder man als Verband auftritt.

Hockenjos bleibt bei Borussia Noch einmal Themenwechsel: Sie sind seit 1995 bei Borussia Dortmund angestellt. Wann verlassen Sie den BVB? Hockenjos: Eine provokante Frage. 2001 hatte ich eine Anfrage der UEFA. Damals habe ich mich ernsthaft mit einem beruflichen Wechsel auseinandergesetzt, aber abgesagt.Ein Jahr darauf hat Bundesligist Hannover 96 Ihnen ein Angebot gemacht.Hockenjos: Ja, aber damit habe ich mich nicht wirklich näher beschäftigt. Ich fühle mich in Dortmund und beim BVB wohl. Solange das der Fall ist, gibt es keine Veranlassung für mich, mich beruflich zu verändern.Sie spüren also eine gewisse Wertschätzung beim BVB?Hockenjos: Ich kann in vielen Bereichen, gerade wenn es um das Thema Stadionbelegung geht, selbstständig arbeiten. Man bringt mir Vertrauen entgegen, und das macht die Arbeit für mich angenehm.Der BVB bleibt also Ihre persönliche Lebensaufgabe. Eine berufliche Veränderung auf Dauer undenkbar?Hockenjos: Wie schon gesagt, solange ich mich hier wohl fühle ist das für mich kein Thema.

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