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Für Jakub Blaszczykowski lief die Meistersaison nicht nach Plan

Gehemmte Rakete

Nicht für alle Borussen lief die Meistersaison 2010/11 optimal. Jakub „Kuba“ Blaszczykowski etwa büßte in seinem vierten BVB-Jahr seinen Stammplatz auf der rechten Seite ein. Eine schwierige Situation für den Kapitän der polnischen Nationalmannschaft – zumal sie in der kommenden Spielzeit nicht einfacher werden dürfte.

DORTMUND

von Von Dirk Krampe

, 19.05.2011
Für Jakub Blaszczykowski lief die Meistersaison nicht nach Plan

Kein seltens Bild in der vergangenen Saison: Jakub Blaszczykowski wird von Trainer Jürgen Klopp augewechselt.

Im Winter 2010, unter andalusischer Sonne im BVB-Trainingslager in Jerez de la Frontera, fand Jakub Blaszczykowski (25) Zeit, in sich zu gehen. Zurückzublicken auf ein Fußball-Halbjahr, in dem sich für ihn einiges verändert hatte. Blaszczykowski war uneingeschränkter Stammspieler bei Borussia Dortmund, seit ihn der Klub aus der polnischen Ekstraklasa in die deutsche Bundesliga geholt hatte. 2007 war das, „Kuba“, wie er der Einfachheit nur genannt wird, hatte bei Wisla Krakau seine ersten Sporen im Profifußball verdient und auch das europäische Ausland auf sich aufmerksam gemacht.

In Dortmund baute ab 2008 auch Jürgen Klopp (43) auf die Schnelligkeit des wieselflinken Polen, der im ersten BVB-Jahr zuweilen auch Stürmer spielte, unter dem neuen Trainer aber zunächst die rechte Rautenposition im Mittelfeld einnahm und später den Außenspieler der offensiven Dreier-Reihe im Dortmunder 4-2-3-1 markierte. Blaszczykowskis Schnelligkeit war sein Gütezeichen – seine Flankenläufe sollten Druck über die Außenposition erzeugen, sein Turboantritt galt und gilt als eine echte Waffe. Schon im Rückblick auf die Saison 2009/10 aber deuteten Dortmunds Bosse mehr oder weniger unverhohlen an, dass sie mit der Entwicklung des mehrfachen „Spieler des Jahres“ in Polen nicht zufrieden waren. Blaszczykowski machte aus seinen Möglichkeiten schlicht und ergreifend zu wenig, er suchte immer seltener das Dribbling im Eins gegen Eins, seine Flanken fanden zu selten einen Abnehmer.

Mit dem jungen Mario Götze (18) hatte Klopp ab dieser Saison ein Druckmittel gegen „Kuba“. Erstmals in seiner Dortmunder Zeit spürte der Pole echten Konkurrenzkampf auf seiner Seite – und es verwunderte nicht, dass seine Einsatzzeiten und -minuten in dieser Spielzeit signifikant zurückgingen. Mit der kicker-Durchschnittsnote 3,34 spielte Jakub Blaszczykowski in Klopps erster BVB-Saison auch sein bestes Jahr. Damals kämpfte er schon mit einigen Muskelverletzungen, die der Trainerstab mit behutsamem Aufbau- und gezieltem Krafttraining bekämpfte. Die Note 3,52 stand nach der Saison 2009/10 in seinem Zeugnis, diesen Wert konnte er in dieser Spielzeit (3,56) nicht verbessern „Ich weiß“, sagte Jakub Blaszczykowski im Winter in Jerez im großen Doppel-Interview mit ihm und Robert Lewandowski, „das ich viel mehr kann. Ich muss dominanter auftreten, muss mehr Torgefahr entwickeln.“

Damit traf er den Punkt. Blaszczykowskis Schwachpunkte sind sein Torabschluss und seine unpräzisen Flanken. Drei Tore bedeuten im Vergleich mit den anderen zum Stammpersonal zählenden offensiven Mittelfeldspielern des BVB den schwächsten Wert – ebenso wie die nur vier Torvorbereitungen. In bislang 112 Bundesliga-Spielen für Borussia Dortmund hat Kuba nur acht Mal getroffen – das ist schlichtweg zu wenig. Sein Status änderte sich daher auch in der Rückrunde nicht wesentlich. Klopp setzte auf Götze, und wenn der nicht in der Zentrale für den verletzten Shinji Kagawa (23) gebraucht wurde, besetzte er die Außenbahn, die zuvor Kubas Stammplatz war. 14 Mal wechselte Klopp den Polen nur ein, neun Mal aus, nur sechs Spiele machte er über die volle Distanz – in der Saison 2009/10 war Blaszczykowski noch unumstrittener Stammspieler bei 32 Saison-Einsätzen.

Die statistischen Werte sprechen eine deutliche Sprache. Der Vertrag des Polen, der 2009 mit Angeboten aus der englischen Premier League (Liverpool) kokettierte, läuft noch bis zum 30. Juni 2013. Im Oktober 2009 verlängerte der BVB den Kontrakt auch wegen des Interesses einiger Klubs aus Europa vorzeitig zu verbesserten Bedingungen – die damit verknüpften Erwartungen hat der sprintstarke Dribbler seither nur selten erfüllen können. Mit der erhöhten Konkurrenz-Situation im Dortmunder Mittelfeld zur neuen Saison wird es Jakub Blaszczykowski noch schwerer haben, seine Position im Kader zu behaupten. „Ich kann den polnischen Fans versprechen“, hat Jürgen Klopp mal in einem Interview mit der polnischen Sportzeitung „Przeglad Sportowy“ geäußert, „dass Kuba wie Robert Lewandowski und Lukasz Piszczek noch ihre beste Form vor sich haben und für Borussia Dortmund noch viel wichtiger sein werden.“ Zumindest im Fall Blaszczykowski sind Zweifel an dieser Aussage erlaubt. Auf „Kuba“ lastet enormer Druck. Wenn Anfang Juli der Ball wieder rollt beim Deutschen Meister, wird er nicht geringer werden.

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