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„Seelenarchitekt“ feiert goldenes Jubiläum

Ulf Doppelfeld

Ulf Doppelfeld wurde vor 50 Jahren zum Priester geweiht. Der Pensionär, der vor allem den Umgang mit den Menschen liebt, blickt auf eine bewegende Zeit zurück, in der er auch für Diskussionen sorgte. Jetzt wird groß gefeiert – und zwar doppelt.

Werne

08.04.2018
„Seelenarchitekt“ feiert goldenes Jubiläum

„Ich wollte immer Menschen begegnen. Das mache ich bis heute. Deswegen wurde auch schon mal gesagt, dass ich für zwei bis drei Priester arbeite“, sagt Ulf Doppelfeld. Er feiert am Sonntag sein 50-jähriges Priesterjubiläum. In seiner Wohnung in Werne zeigt der 78-Jährige einen besonderen Silberkelch. Den möchte der Pensionär in einigen Jahren an einen jungen Werner weitergeben, den er gerade auf dem Weg zum Priestertum begleitet. © Andrea Wellerdiek

An den 6. April 1968 kann sich Ulf Doppelfeld gut erinnern. „Das war ein einmaliges und besonderes Erlebnis. Natürlich war ich angespannt. Ich habe mich auch lange darauf vorbereitet. Aber ich hatte Gott sei Dank immer meine wichtigen Wegbegleiter dabei“, erinnert er sich. Die anderen Geistlichen, zu denen Doppelfeld eine langjährige Freundschaft pflegt, werden ihm auch am Sonntag zur Seite stehen. Dann feiert der 78-Jährige sein goldenes Priesterjubiläum.

Vor 50 Jahren hat ihn Lorenz Kardinal Jaeger im Paderborner Dom zum Priester geweiht. Dabei wollte er zunächst gar keine Laufbahn in der katholischen Kirche beginnen. „Eigentlich wollte ich Architekt werden, weil ich gut zeichnen und rechnen konnte“, erzählt Doppelfeld und schmunzelt: „Und jetzt bin ich Seelenarchitekt.“

Zwei große Vorbilder

Seine Eltern haben ihn und seinen Zwillingsbruder Eberhard damals „nüchtern religiös“ erzogen, wie er sagt. Die beiden Jungs, die jeden Sonntag in die Kirche gingen, sollten eigentlich Messdiener werden. Die Mutter hielt es hingegen praktisch: Vor der Schule hätten die Söhne morgens um 7 Uhr die Kirche besuchen müssen. „Da hat sie gesagt: Die Jungs sollen lieber ausgeschlafen sein für die Schule“, erzählt Doppelfeld.

So wurde Ulf Doppelfeld nie Messdiener. „Das glaubt man heute gar nicht“, sagt er. Dass er später doch Priester wurde, hat er vor allem zwei anderen Geweihten zu verdanken. Sein Onkel Franz und der einstige Jugendvikar Johannes Knauf seien seine großen Vorbilder gewesen, erzählt Doppelfeld. „Mich hat immer beeindruckt, mit wie vielen Menschen sie zu tun hatten.“

Öfters angeeckt

Auch er selbst blickt heute vor allem gern auf die Begegnungen mit den Menschen zurück. Dabei hat der gebürtige Essener auch Tabus gebrochen, eckte an mit seinen teils unorthodoxen Entscheidungen. Ein erstes Kopfschütteln erzeugte er kurz nach seiner Priesterweihe. Als junger Vikar in Steinheim (Kreis Höxter) feierte er 1969 den ersten ökumenischen Gottesdienst im Ort. Was heute gewöhnlich ist, war für einige damals ein Ding der Unmöglichkeit.

Als er später vorschlug, in Zeiten von Glasnost und Perestroika mit einer Jugendgruppe nach Russland zu reisen, war die Empörung bei vielen Eltern groß. „Da haben sie gesagt: Jetzt geht unser Vikar aber zu weit“, erzählt Ulf Doppelfeld, der immer wieder außergewöhnliche Dinge angestoßen hat.

Dankhochamt in Werne

„Die Kirche muss mehr Mut zeigen. Das habe ich auch getan“, sagt er. Dass er trotz des Widerstands unermüdlich an seinem Weg festgehalten hat, habe die Menschen damals fasziniert. Und nun kann der pensionierte Priester stolz sagen: „Ich bereue nichts.“

Seine Erfahrungen, die Doppelfeld seit seiner Priesterweihe auch als Dekanatskatechet in der Religionslehrerfortbildung und in städtischen Gremien gesammelt hat, gibt er bis heute weiter. So betreut er etwa den 21-jährigen Manuel Zapp. Der Werner, der eine bewegende Geschichte hinter sich hat, möchte selbst Priester werden. Ulf Doppelfeld begleitet ihn dabei. „Er löchert mich mit Fragen. Wenn ich helfen kann, dann freut mich das natürlich“, sagt Doppelfeld.

Eine schöne menschliche Aufgabe

Es sei eine sehr schöne menschliche Aufgabe, die nach einer zufälligen Begegnung im Kapuzinerkloster in Werne im Juli entstanden sei. „Der liebe Gott hat uns zusammengeführt“, sagt Doppelfeld. Die neue Herzensaufgabe lenkt den 78-Jährigen auch etwas von seinem persönlichen Schicksalsschlag ab. Im Januar 2017 starb sein Zwillingsbruder Eberhard.

Ohne ihn wird Ulf Doppelfeld nun sein Priesterjubiläum begehen. Nach der Feier am Sonntag in der St.-Elisabeth-Kirche in Bergkamen (14 Uhr) gibt es auch ein Dankhochamt in Werne. In seiner neuen Heimat, in der Doppelfeld seit acht Jahren lebt und bis heute als Pfarrer einspringt, feiert der Jubilar am Sonntag, 15. April, ab 11.15 Uhr sein goldenes Weihejubiläum in der St.-Christophorus-Kirche. Das wird wieder ein Moment, an den er sich gern zurückerinnern wird.

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