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„Ich muss nicht unbedingt zum Fußball gehen“

Werner BVB-Fans lehnen Montagsspiele ab

Am Montag spielt der BVB gegen Augsburg. Viele Anhänger werden dann fehlen. Maik Jankowski von den BVB Supporters Werne erklärt im Interview, warum er bei diesem Spiel fehlen wird – und ob er jetzt alle Montagsspiele boykotttieren will.

Werne

, 23.02.2018
„Ich muss nicht unbedingt zum Fußball gehen“

Vor dem Heimspiel gegen Bayern München im März 2016 protestieren BVB-Fans bereits gegen Montagsspiele. Gegen Augsburg steht jetzt das erste für Dortmund bevor. © Bielefeld (A)

Für Tausende in Deutschland sind es fixe Termine im Kalender. Wenn der Lieblingsklub spielt, geht es ins Stadion. 80.000 pilgern alle zwei Wochen zu den Heimspielen von Borussia Dortmund. Wenn die Schwarzgelben am Montag um 20.30 Uhr gegen Augsburg spielen, werden Plätze frei bleiben.

Herr Jankowski, mit wie vielen Mitgliedern sind die Supporters Werne bei den BVB-Spielen?

Wir haben 130 Mitglieder, Kinder eingerechnet. Bis zu 30 davon gehen regelmäßig zu den Heimspielen, zehn sind bei fast jedem Auswärtsspiel, beim jüngsten Euro-League-Spiel in Bergamo waren wir zu sechst. Bei Heimspielen sind die meisten auf der Südtribüne.

Gegen den FC Augsburg verzichten alle auf das, was sie am meisten lieben: Den BVB im Stadion zu unterstützen. Warum?

Wir arbeiten zum größten Teil werktags. Soll man sich für ein Fußballspiel jedes Mal einen Tag Urlaub nehmen müssen? Dadurch verringert sich auch der Familienurlaub. Wir sind ganz klar gegen Montagsspiele und wollen das auch demonstrieren, indem wir dieses Spiel boykottieren. Auch wenn es uns schwerfällt. Wir haben für das Spiel gegen Augsburg keine Karten bestellt, unsere Dauerkarten lassen wir verfallen. Wenn andere Fans sich entscheiden hinzugehen, respektieren wir diese Entscheidung aber auch.

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Was stört die Fans genau?

Die Fans, ihre Choreografien vor dem Spiel und ihre Chorgesänge – all das wird oft im TV gezeigt und „mitverkauft“. Nur so gibt es die hohen Erlöse aus den Fernsehrechten. Bei den Ansetzungen wird aber über die Fans hinweg entschieden. Warum wird der Fan mit solchen Aktionen wie Montagsspielen eigentlich immer wieder in den Rücken getreten?

Werden Montagsspiele auch künftig boykottiert?

Nein. Ich sehe das eher als einmalige Aktion, um ein Zeichen zu setzen. Es ist ja auch Aufgabe von uns Fans, die Mannschaft zu unterstützen. Wenn weitere Partien montags angesetzt sein sollten, würden wir hingehen.

Die „Szene Fuggerstadt“, ein Zusammenschluss von Augsburger Fanclubs, bleibt dem Spiel ebenfalls fern...

Es ist schön, zu wissen, dass die Augsburger Fans dem Aufruf zum Boykott nachkommen und sich den Weg von rund 600 Kilometern an einem Montag sparen. Sie bräuchten ja schon zwei freie Tage, um ihren Klub anzufeuern und dann wieder ausgeruht zur Arbeit zu gehen. Das zeigt doch nur, dass die Fanszene vereinsübergreifend eine geschlossene Position bei dem Thema vertritt.

Die Premiere eines Montagsspiels gab es zwischen Frankfurt und Leipzig. Auch dort gab es Proteste. Wie bewerten sie die?

Wir fanden die Aktionen der dortigen Fanszene super. Die Nachricht kam an, alles blieb friedlich. Die Spruchbanner waren ausdrucksstark. Das andauernde Trillerpfeifenkonzert war auch genau richtig. Damit fehlte dem Fernsehen ein großer Teil von dem, was sie sonst gerne zur Vermarktung nutzen: Die Stimmung in den Stadien!

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In Frankfurt gab es einen genehmigten Protest im Innenraum des Stadions. Hunderte geworfene Tennisbälle sowie Klopapierrollen sorgten für einen verspäteten Anpfiff der zweiten Halbzeit. Wird es am Montag ähnliche Aktionen in Dortmund geben?

Das erwarte ich nicht. Die Ultragruppen, die für so eine Aktion infrage kommen, gehen ja nicht hin. Wenn es etwas geben sollte, ist es keine organisierte Aktion.

In den Pokalwettbewerben sind die Partien auch unter der Woche. Wo ist das Problem?

Champions League, Europa League und DFB-Pokal klammern wir aus. Schließlich können die Spiele dort aufgrund der nationalen Ligen nur in der Woche stattfinden.

Gerade die Südtribünengänger werden das Spiel wohl boykottieren. Gibt es statt einer gelben am Montag dann eine leere Wand?

Eine ganz leere Wand erwarte ich nicht. Wenn 10.000 Menschen daheim bleiben, fällt das auf der Süd gar nicht so sehr auf. Die Stimmung wird aber erkennbar schlechter sein. Es wird hoffentlich sehr ruhig im Stadion, um zu zeigen, was und wer zum Fußball gehört.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat gesagt, im Hinblick auf die Gesundheit der Spieler sei ihm ein Montagsspiel lieber als ein Samstagsspiel nach weniger als 48 Stunden Pause...

Bis vor Kurzem wurde da auch nicht drauf geachtet. Die Argumentation, dass Spieler längere Ruhephasen bräuchten, wenn Sie in der Europa-League spielen, ist deshalb für uns Fans einfach nur eine bessere Ausrede und ein vorgeschobener Grund für Ansetzungen am Montag.

Um was geht es denn dann?

Seit Jahren wird in dem Geschäft an jeder Schraube gedreht, die Profit einbringt, meist zulasten der Fans. Es geht ausschließlich um den Verkauf der Fernsehrechte.

Watzke hat angekündigt, bei der Debatte um Montagsspiele die Faninteressen zu berücksichtigen und auf Geld verzichten zu wollen. Was sagen Sie dazu?

Bei der Abstimmung über die Einführung der Montagsspiele hat unser Verein auch dafür gestimmt. Das hat mich enttäuscht. Seine jetzigen Aussagen kann ich deshalb leider noch nicht so ganz glauben. Aber ich hoffe auf ein Umdenken der Vereinsführung.

Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), hat gesagt, wer sich zum Spitzenfußball bekenne, müsse sich „zu einem gewissen Maß zum Kommerz bekennen“. Hat er recht?

Ja, zu einem gewissen Maß schon. Alle Klubs sind von Geldgebern abhängig. Die Einnahmen steigen weiter. Um mithalten zu können, müssen die Vereine auch mehr investieren. Es ist ein Teufelskreis, der uns noch ewig begleiten wird. Aber: Fußball ist ein Volkssport, damit ist eigentlich alles gesagt. Und der größte Teil des Volkes hat nun einmal am Wochenende frei. Der Bundesliga-Fußball gehört auch genau dorthin und nirgendwo anders. Und außerdem...

Ja?

Es gibt keinen Grund, dass ich unbedingt zum Fußball gehen muss. Der Profifußball sollte den Fans nicht zu viel zumuten. Auch wenn wir gerne zum Fußball gehen und unsere Mannschaft unterstützen. Aber in der Woche gehen auch mal andere Dinge wie Arbeit und Familie vor. Es muss auch Zeit für die Kinder bleiben.

Wo schauen Sie das Duell am Montag?

Ich werde das Netradio anmachen. Ich kann ja nicht das Spiel boykottieren und gegen Kommerz eintreten und dann schmeiße ich den Fernseher an. Ich werde zu Hause mit meiner Frau Sandra Nobby Dickel zuhören.

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