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„Bilderbuchstart“: Gerst auf dem Weg zur ISS

Bis zuletzt scherzt und lächelt er, dann hebt er ab. Alexander Gerst ist auf dem Weg zu seiner zweiten Mission im All. An vielen Orten bundesweit wurde bei Live-Schalten mitgefiebert.

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Baikonur

, 06.06.2018
„Bilderbuchstart“: Gerst auf dem Weg zur ISS

Alexander Gerst grüßt nach einer Pressekonferenz im kasachischen Baikonur. Foto: Dmitri Lovetsky/AP

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst ist vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zu seiner zweiten Mission auf der Raumstation ISS gestartet.

Nach einem „Bilderbuchstart“ sei die Crew sicher im Orbit angekommen, hieß es am Mittwoch vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Nächster Halt #ISS in zwei Tagen wenn alles glatt geht. Passt auf euch auf meine Freunde!“, twitterte „Astro-Alex“ als letzte Botschaft vor dem Start.

Danach stieg er gemeinsam mit dem russischen Kampfpiloten Sergej Prokopjew und der US-Ärztin Serena Auñón-Chancellor in die Rakete, die planmäßig 13.12 Uhr (MESZ) abhob. „Wenn man drin ist, merkt man kaum, dass man gestartet ist“, erklärte die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti bei einer Live-Übertragung im Berliner Zeiss-Großplanetarium. „Man hört über Funk, dass man gestartet ist.“

Für Prokopjew und Auñón-Chancellor ist es der erste Flug zur ISS, Gerst war vor vier Jahren bereits 166 Tage im All. Er wirkte am Morgen vor dem Start sichtlich glücklich und winkte entspannt in die Menge. „Wir freuen uns sehr, ihn nun zum zweiten Mal ins All fliegen zu sehen und wünschen ihm das Allerbeste“, teilte seine Familie der Deutschen Presse-Agentur mit. „Alexander war schon immer ein Forscher und Entdecker.“

Gersts Heimatort Künzelsau in Baden-Württemberg feierte den Flug ihres Ehrenbürgers mit einem Stadtfest. Rund 5000 Menschen verfolgten dort, wie die Rakete mit brüllenden Triebwerken abhob. Jubel brandete auf, Zuschauer riefen „Gute Reise“ und „Komm gesund wieder“. „UFO-Burger“ werden serviert und blaue T-Shirts mit Gersts Konterfei verteilt.

In Berlin fieberten hunderte Kinder bei der zentralen Veranstaltung der europäischen Raumfahrtagentur Esa im Zeiss-Großplanetarium beim Start mit. Die Astronautin Cristoforetti erzählte ihnen, dass auf der Internationalen Raumstation das Suchen von Sachen eine lästige und zeitraubende Angelegenheit sein könne. Gerade Neulinge verlören Dinge und müssten oft lange suchen, bis sie die in der Schwerelosigkeit herumschwirrenden Gegenstände wiederfänden. Auch in vielen anderen Orten bundesweit gab es Live-Übertragungen.

Gerst, promovierter Geophysiker, soll während der zweiten Hälfte seiner 188-tägigen Mission „Horizons“ Kommandant der Raumstation sein - als erster Deutscher überhaupt. Normalerweise ist der Posten den Hauptgeldgebern USA und Russland vorbehalten. „Ich habe den größten Respekt vor jenen, die dieses Projekt auf den Weg gebracht haben“, sagte Gerst über das Raumlabor.

Teil seiner Mission sind nach DLR-Angaben 67 europäische Experimente, von denen 41 aus Deutschland stammen. Als erstes Experiment nach seiner Ankunft auf der Raumstation steht für Gerst ein Versuch zur Feinmotorik in der Schwerelosigkeit an, sagte DLR-Projektmanager Johannes Weppler.

Auch ein auf Sprachbefehle hörender Roboter soll getestet werden - mit dem Projekt „Cimon“ erkundet das DLR künstliche Intelligenz. Gersts riesige Fangemeinde hofft auf viele neue Eindrücke und Bilder aus dem All - bei seiner ersten Mission vor vier Jahren hatte „Astro-Alex“ die Welt über Social-Media-Botschaften und Fotos ausgiebig an seinem Abenteuer teilhaben lassen.

Der Flug zur ISS rund 400 Kilometer über der Erde wird etwa zwei Tage dauern. Nach 34 Erdumrundungen soll die Sojus-Kapsel am Freitag an der Raumstation andocken, wo zwei weitere US-Astronauten und ein Russe auf die Neuankömmlinge warten. Zu tun gibt es während dieser Zeit nicht viel, die ganze Zeit sitzen müssen die Raumfahrer aber nicht. Auch gibt es im Orbitalblock, der rundlichen Kugel an der Spitze des Raumschiffes, eine Toilette. Windeln unterm Raumanzug seien daher nicht obligatorisch, sagte der belgische Ex-Astronaut Frank de Winne.

Auf der ISS warten neben viel Arbeit auch Käse-Spätzle und Maultaschen auf „Astro-Alex“. Der 42-Jährige hat sich die Regionalspezialitäten als Wunschessen bestellt - als Abwechslung zu den sonst eher freudlosen Mahlzeiten an Bord der ISS.