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Defektes Kabel löste Kurzschluss am Hamburger Flughafen aus

Nach knapp eintägigem Stillstand am Hamburger Flughafen fliegen sie wieder: Flugzeuge starten und landen, Passagiere treten verspätet ihren Urlaub an. Und die Fehlersuche im Stromnetz des Flughafens bringt die Ursache an den Tag.

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Hamburg

, 04.06.2018
Defektes Kabel löste Kurzschluss am Hamburger Flughafen aus

Reisende warten im Helmut-Schmidt-Airport. Foto: Daniel Bockwoldt

Nach fast eintägigem Stillstand kehrt der Hamburger Flughafen wieder zu einem normalen Flugbetrieb zurück - und findet die Ursache für den Kurzschluss in der Stromversorgung. Er hatte den Airport am Sonntagvormittag lahm gelegt und für Tausende Passagiere den Start zum Reiseziel vereitelt.

„Grund für den Stromausfall ist eine schadhafte Isolierung an einem Kupferkabel“, teilte der Flughafen am Montag mit. Dieser Schaden habe zu einem heftigen Kurzschluss geführt, der zahlreiche benachbarte Kabel einbezogen habe.

Etwa 30.000 Passagiere waren am Sonntag von Flugausfällen betroffen. „Das war eine Ausnahmesituation für die Fluggäste, Fluggesellschaften und für den Flughafen“, sagte Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler.

Der Kurzschluss entstand seinen Angaben zufolge in der Stromversorgung des Blockheizkraftwerks des Flughafens. „Er traf mitten ins Herz“, formulierte es Eggenschwiler. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) schreibe zwei unabhängig voneinander betriebene Stromsysteme für die Flugbetriebsflächen vor. Dies sei nach dem Kurzschluss nicht mehr gegeben gewesen. 42 Kabel auf 540 Metern Länge seien ausgetauscht worden, sagte Eggenschwiler. Anschließend habe das Blockheizkraftwerk von 3 Uhr an am Montagmorgen wieder stabil zur Verfügung gestanden.

Danach kehrte der Flughafen allmählich zu einem normaleren Flugbetrieb zurück. Jedoch waren von den jeweils 214 geplanten Starts und Abflügen mindestens 12 Landungen und 23 Starts von den Fluggesellschaften gestrichen worden. So sei der Flugverkehr am Montag zwar noch durcheinander gewesen, das sollte sich nach Angaben einer Sprecherin aber spürbar normalisieren. „Gestartet, rollt, gelandet“ - diese Anzeigen tauchten im Tagesverlauf mit immer weniger Lücken auf den Abflug- und Ankunftsseiten des Flughafens im Internet auf.

Mit erneut langen Schlangen vor den Check-In-Schaltern war der Flughafen in den Tag gestartet. Weil manche Flugzeuge mit ihren Crews wegen des Landeverbots des Vortags folglich am Montag nicht am Platze waren, fielen Flüge aus oder verspäteten sich. 70 Minuten später als vorgesehen hob die schleswig-holsteinische Regierung gen Brüssel ab.

Nach Einschätzung des Reiserechtsexperten Paul Degott (Hannover) können die gestrandeten Passagiere nicht auf Ausgleichszahlungen nach EU-Recht hoffen. Ein solcher Vorfall sei als außergewöhnlicher Umstand zu betrachten, dann sei eine Fluggesellschaft von der Zahlung befreit.

Nach der Ankündigung, dass keine Flüge mehr starten würden, waren am Sonntag viele Reisende heim oder ins Hotel gefahren. Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müsse die Kosten für Hotel und Taxi übernehmen, „sofern sich der Flug auf einen anderen Tag verschiebt“, teilte die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein mit. Über ihre Ansprüche könnten sich Betroffene von Verbraucherschützern beraten lassen.

Wer am Sonntag nicht vom Flughafen wegkam oder -wollte, für den waren vom Deutschen Roten Kreuz Feldbetten im stillgelegten Terminal „Tango“ aufgestellt worden. Knapp 180 Passagiere machten nach DRK-Angaben davon Gebrauch.

Der Hamburger Airport ist mit jährlich mehr als 17 Millionen Passagieren nach Angaben des Flughafenbetreibers der fünftgrößte in Deutschland.

Bei allem Unmut über den Stillstand des Flugbetriebs hatte er zumindest für manchen Anwohner des Flughafens in Fuhlsbüttel eine positive Seite: weniger Fluglärm. „Einen Tag Ruhe am Himmel! Schön wars“, lautete ein Twitter-Eintrag.