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Kampfmittelräumdienst entdeckt verdächtige Stellen in Nordkirchener Baugebiet

Suche nach Fliegerbomben in Nordkirchen

Der Kampfmittelräumdienst hat im Baugebiet Rosenstraße-West II mehrere verdächtige Stellen entdeckt. Einige Bauherren durften wegen dem Verdacht auf Fliegerbomben oder anderen Sprengstoff vorerst nicht auf ihren Grundstücken weiterarbeiten. Die Sorge vor Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg ist auch in einem kleinen Ort wie Nordkirchen nicht unberechtigt.

Nordkirchen

, 04.05.2018
Kampfmittelräumdienst entdeckt verdächtige Stellen in Nordkirchener Baugebiet

Im Baugebiet Rosenstraße-West II hat das Fachunternehmen Röhll aus Düren mit speziellen Metall-Sensoren nach Kampfmitteln im Boden gesucht. © Karim Laouari

Mehrere Bauherren mussten in der vergangenen Woche im Baugebiet Rosenstraße-West II eine Zwangspause einlegen. Der Grund: Bei der Suche nach Kampfmitteln hatte die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg mehrere verdächtige Stellen entdeckt. Diese Vorsichtsmaßnahme ist nicht unberechtigt gewesen, denn auch in Nordkirchen sind im Zweiten Weltkrieg Fliegerbomben gefallen.

Bereits im Juli 2017 wurden Straßen und einige direkt an das Baugebiet angrenzende Flächen untersucht, „wobei keine Auffälligkeiten entdeckt worden sind“, wie Bauamtsleiter Josef Klaas auf Anfrage mitteilt. Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung erklärt das Verfahren, wie nach Kampfmitteln gesucht wird, auf Anfrage im Detail: Demnach sei Kampfmittelbeseitigung in NRW ein mehrstufiges Verfahren, das durch die zuständige Ordnungsbehörde, also in diesem Fall die Gemeinde Nordkirchen, federführend und verantwortlich geführt werde. „Der erste Schritt einer Kampfmittelbeseitigung ist immer die Auswertung vorhandener historischer Kriegsluftbilder“, erklärt der Pressesprecher.

Zehn Monate bis zur genauen Untersuchung

Weil die Luftbildauswertung im Fall des Baugebiets Hinweise auf eine Bombardierung ergeben habe, habe die Bezirksregierung in ihrer Stellungnahme weitere, operative Kampfmittelbeseitigungsmaßnahmen wie zum Beispiel das Absuchen zu bebauender Flächen und Baugruben empfohlen“, so Christoph Söbbeler weiter.

Bis eine genauere Untersuchung der gesamten Fläche möglich war, dauerte es aber anschließend rund zehn Monate. „Die weitere Überprüfung von Bauflächen war mehrfach angesetzt, musste aber wegen der dann laufenden Erschließungsarbeiten und mehrfach auch witterungsbedingt wegen der Nichtbefahrbarkeit des Geländes immer wieder abgesetzt werden“, erklärt Josef Klaas.

Kampfmittelräumdienst entdeckt verdächtige Stellen in Nordkirchener Baugebiet

Ein Traktor mit einem speziellen Anhänger hat bei der ersten Untersuchung mit Sensoren den Untergrund nach Metallobjekten abgesucht. © Karim Laouari

Dass in der Zwischenzeit trotzdem auf einigen Grundstücken mit dem Bau begonnen werden konnte, lag auch daran, dass die Gemeinde die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Blindgänger im Untergrund schlummern könnten, als sehr gering einschätzte. Im Gespräch mit Zeitzeugen zum Beispiel habe das Bauamt versucht zu rekonstruieren, ob und in welchem Umfang auf dem Gebiet Bomben gefallen sein könnten. Dem Bauamtsleiter ist dabei bewusst, dass diese Methode keine 100-prozentige Sicherheit garantiere.

Ähnlich hat auch Hubert Kersting, Vorsitzender des Heimatvereins Nordkirchen für sein 2015 erschienenes Buch „Krieg – Flucht – Frieden“ über die Gemeinde Nordkirchen während des Zweiten Weltkrieges, recherchiert. So schreibt Kersting, dass der Ortsteil Nordkirchen fast unversehrt geblieben sei: „Ein Haus wurde zerstört, zwei beschädigt“, heißt es in dem Buch weiter. Capelle sei hingegen durch den Bahnhof für die alliierten Bomber ein „kriegswichtiges“ Ziel gewesen, weswegen sich die Angriffe aus der Luft dort konzentrierten. Im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt Hubert Kersting, dass mehr als die Hälfte aller in der gesamten Gemeinde gefallenen Bomben über Capelle abgeworfen wurden.

Ob unter dem Baugebiet Rosenstraße-West II tatsächlich Blindgänger liegen, überprüfte das Fachunternehmen P-H-Röhll mit Sitz in Düren am 16. April. Mit einem sogenannten „Mess-Array“ habe ein Mitarbeiter die Fläche abgefahren, wie Betriebsleiter Stephan Plum auf Anfrage erklärt. Dabei handelt es sich um einen Anhänger mit Sensoren, acht sogenannten Differenzgradiometern, die Änderungen des Erdmagnetfeldes feststellen, wie der Fachmann erklärt. Die Sensoren reagieren auf Metallobjekte im Boden. Die Messergebnisse seien zusammen mit exakten GPS-Daten zur weiteren Auswertung an die Bezirksregierung weitergeleitet worden.

Mit dem Ergebnis, dass an insgesamt sechs Stellen verdächtige Metallobjekte festgestellt wurden. Darüber habe die Gemeinde die betroffenen Grundstücksbesitzer noch am selben Tag informiert und aufgefordert, Erdarbeiten sofort zu stoppen, „um sich selbst oder beauftragte Handwerker nicht in Gefahr zu bringen“, erklärt der Bauamtsleiter.

Kampfmittelräumdienst entdeckt verdächtige Stellen in Nordkirchener Baugebiet

Die verdächtigen Stellen wurden mit Pylonen markiert. © Karim Laouari

Erst eine genauere Untersuchung der markierten Stellen brachte am vergangenen Mittwoch Entwarnung für alle Bauherren: „Es wurden zum Glück keine Kampfmittel gefunden, sondern unterschiedliche Metallstücke vom Hufeisen bis zum Kettenglied eines Baggers“, schrieb Josef Klaas nach der Untersuchung an die Grundstückseigentümer.

Was sich in Nordkirchen letztlich nicht bewahrheitet hat – ein tatsächlicher Bombenfund –, sei für das Dürener Fachunternehmen keine Seltenheit, erklärt Stephan Plum. Im Schnitt etwa zwei bis drei Mal pro Woche finden die Spezialisten tatsächlich Fliegerbomben oder andere Kampfmittel. Haupteinsatzgebiet für die P-H-Röhll GmbH ist dabei Nordrhein-Westfalen. Durch den aktuellen Bauboom sei das Unternehmen quasi im Dauereinsatz. Die Vorlaufzeit für eine Untersuchung betrage aktuell rund vier Monate, so Plum. Auch die Bezirksregierung Arnsberg macht auf ihrer Internetseite darauf aufmerksam, dass es zurzeit bis zu neun Wochen dauere, bis Anträge zur Kampfmittelbeseitigung bearbeitet werden könnten.

Zumindest was die Suche nach Kampfmitteln angeht, müssen die Bauherren in Nordkirchen mit keinen weiteren Verzögerungen rechnen.