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Warum das Iran-Abkommen so wichtig für Deutschland ist

Berlin. Deutschland saß mit am Tisch, als das Atomabkommen mit dem Iran 2015 besiegelt wurde. Aber nicht nur deswegen kämpf die Bundesregierung heute so hartnäckig darum. Sie hat ganz konkrete wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen.

Warum das Iran-Abkommen so wichtig für Deutschland ist

Hassan Ruhani, Präsident des Irans, bei einem Treffen mit Regierungsvertetern: Ruhani sagte, der Iran sei bereit, sich weiterhin an das Atomabkommen zu halten, selbst wenn die USA aussteigen. Foto: Iranian Presidency Office/AP

US-Präsident Donald Trump hat verkündet, dass die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran aussteigen. „Wir werden die höchste Stufe von Wirtschaftssanktionen einführen", so Trump. Deutschland - zusammen mit Frankreich und Großbritannien - bedauerte die US-Entscheidung umgehend. Kritik kam auch aus der deutschen Industrie. Warum hat das Abkommen für Deutschland so große Bedeutung?

DIPLOMATIE

13 Jahre wurde über das Atomabkommen mit dem Iran verhandelt. Mit am Tisch saßen nicht nur die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats - USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich - sondern auch Deutschland. Der heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der den Kompromiss 2015 als Außenminister mit aushandelte, sprach damals von einem „historischen Erfolg der Diplomatie“. Es war nicht nur für ihn persönlich der größte Erfolg seiner Amtszeit, sondern auch einer der größten diplomatischen Erfolge, an dem Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990 mitgewirkt hat.

Deswegen legte sich die Bundesregierung auch so ins Zeug, um das Abkommen zu retten.

WIRTSCHAFT

Die deutsche Wirtschaft hatte große Hoffnungen in das Atomabkommen und die daraus folgende Aussetzung der Sanktionen im Januar 2016 gesetzt. Innerhalb von zwei Jahren erwartete der deutsche Industrie- und Handelskammertag eine Verdoppelung des Handelsvolumens von 2,4 Milliarden Euro (2015) auf fünf Milliarden. Innerhalb von fünf Jahren seien sogar zehn Milliarden Euro möglich, so die Ursprungsprognose.

Die tatsächliche Entwicklung ist zwar weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Tendenz nach oben ist dennoch deutlich erkennbar: Seit Anfang 2016 hat der deutsch-iranische Handel um 42 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zugelegt.

Bereits die Drohungen Trumps mit einem Ende des Atomabkommens hatten aber negative Auswirkungen. „Diese Risiken gefährden die wieder verbesserten Wirtschaftsbeziehungen deutscher Unternehmen mit dem Iran erheblich“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier vor Verkündung von Trumps Entscheidung.

SICHERHEIT

Das Scheitern des Atomabkommens mit dem Iran könnte eine Kettenreaktion der atomaren Aufrüstung auslösen, die auch Europa bedrohen würde. Der Iran könnte dann sein Atomprogramm wieder in Gang setzen und damit auch Saudi-Arabien - neben Israel der mächtigste Gegner des Iran im Nahen Osten - dazu animieren, nach der Bombe zu greifen. Israel hat sie mutmaßlich schon, auch wenn die Regierung das nicht offiziell zugeben würde.

Die nukleare Abschreckung erlebt ohnehin schon seit einigen Jahren eine Renaissance. Alle Atommächte investieren in die Modernisierung ihrer Waffen. Alleine die Ausgaben der USA dafür werden für die nächsten zehn Jahre auf 400 Milliarden US-Dollar (336 Milliarden Euro) geschätzt. Auch in Deutschland sind nach Expertenschätzungen noch etwa 20 Atombomben stationiert, die auf dem Fliegerhorst Büchel in der Vulkaneifel lagern sollen.

Die Iran-Vereinbarung ist übrigens nicht das einzige Atomabkommen, das wackelt(e). Die USA und Russland werfen sich gegenseitig vor, gegen das Verbot landgestützter Mittelstreckenraketen zu verstoßen, das im Dezember 30 Jahre alt wurde. Es galt als Startsignal für die nukleare Abrüstung. Platzt es, wäre es ein massiver Rückschlag für die Bemühungen um eine Reduzierung der Atomwaffen in Europa.

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