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Wagenfeld und Wackeldackel - Museum der Dinge in Berlin

Berlin (dpa) - Zauberwürfel und ziegelsteingroße Handys. Wackeldackel, Mainzelmännchen, Braun-Rasierer, Designer-Stühle und edles Porzellan. DDR-Plaste und Nazi-Kitsch. Im neu eröffneten Museum der Dinge in Berlin kann der Besucher die Alltags- und Produktkultur des 20. Jahrhunderts erkunden; es ist eine der ungewöhnlichsten Sammlungen Deutschlands.

Wagenfeld und Wackeldackel - Museum der Dinge in Berlin

<p>Lurchi im Museum der Dinge.</p>

Zu dem Bestand gehören mehr als 20 000 Objekte. Das Werkbundarchiv hat nicht nur designhistorisch wertvolle Dinge, sondern auch schnöde Gebrauchsobjekte, Nippes und Werbe- Schnickschnack zusammengetragen: Von der bauchigen Vase namens «schwangere Luise» bis zum schwarzgelben Lurchi-Plastiksalamander.

Vor fünf Jahren musste das Museum der Dinge seine Präsentation im Martin-Gropius-Bau schließen. Nun hat es in einer Loftetage in der Kreuzberger Oranienstraße ein neues Quartier gefunden, das als offen zugängliches Depot genutzt wird. Tausende von Kisten haben die Mitarbeiter aus dem Lager geholt und den Inhalt liebevoll in Vitrinen drapiert. Es gibt nur wenige Texttafeln. Die Dinge sprechen für sich.

Der rote Faden der Schau ist das Schaffen des Deutschen Werkbundes, der dieses Jahr 100 Jahre alt wird. Die in München gegründete Vereinigung aus Künstlern, Politikern und Architekten hatte damals das Ziel, die Qualität handwerklicher Kultur in die beginnende Massenproduktion einzubringen. «Deutsche Produkte hatten einen unglaublich schlechten Ruf», erzählt Kuratorin Renate Flagmeier. Das änderte sich, auch dank Werkbund-Firmen wie Bosch, AEG oder Braun.

Unter dem Motto «Kampf der Dinge» werden in der ersten Ausstellung bis zum 31. Dezember Objekte gegenübergestellt, die aus Werkbund- Sicht gelungen oder misslungen sind. So finden sich auf der einen Seite Klassiker wie der Thonet-Kaffeehausstuhl, der Freischwinger von Marcel Breuer oder Wagenfeld-Designerstücke - und auf der anderen Seite «Hausgräuel» (Kitsch) wie die Prunk-Kanne aus Gips, Schlangenleder-Imitate oder die Gondel aus Venedig. Ein Blickfang beim fragwürdigen Design ist eine gewaltige, futuristische Musiktruhe aus der Wirtschafswunderzeit namens «Kuba Komet».

Werten will die Schau, die auch ohne Exkurse in die Kulturtheorie interessant ist, dennoch nicht. «Wir versuchen, das vergleichende Sehen zu animieren», erklärt Flagmeier. Im Internet kann der Besucher den Museumsverein als «Dingpfleger» unterstützen und Patenschaften für Objekte übernehmen. In den Ausstellungsräumen taucht viel Unbekanntes oder in Vergessenheit Geratenes wieder auf: Adler- Schreibmaschinen, Schalter aus Bakelit, Wählscheibentelefone. Selbst ein Schaumstoff-Busen aus den 50er Jahren zählt zu den Exponaten.

Eine Vitrine dokumentiert, wie die Nationalsozialisten 1933 in einer Ausstellung gegen NS-Kitsch wie Spielzeug oder Kissen mit Hitler-Konterfei kämpfen wollten. Ältere Besucher werden sich an die «Notprodukte» aus der Nachkriegszeit erinnern, wie Gasmaskenfilter, die zu Schöpfkellen umgebaut wurden. Bewegend ist der Anblick dreier völlig verbrannter Schreibtischlampen, die andeuten, wie groß die Zerstörungen im Krieg waren. Ein Relikt sorgte beim Museumspersonal für Unruhe: Ein Stück einer Gewehrgranate, das beim Aufräumen auftauchte, wurde sicherheitshalber draußen von einem Expertenkommando gesprengt.

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