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„Die Vredener Geschichte liegt im Boden“

Fundament des Windmühlentores

Das Fundament des Windmühlentores, das bei Bauarbeiten gefunden wurde, ist ein Stück Stadtgeschichte. Guido Leeck vom Heimatverein erzählt von Überfällen, Wegegeld und Gefängniszellen.

VREDEN

, 07.05.2018
„Die Vredener Geschichte liegt im Boden“

Guido Leeck vom Heimatverein Vreden ist begeistert, wie gut das Fundament des Windmühlentors erhalten ist. © Victoria Thünte

Das ist wirklich ein faszinierender Fund“, sagt Guido Leeck vom Heimatverein Vreden. Er steht mitten auf der Baustelle auf der Straße Windmühlentor und schaut in ein Loch. Darin ist eine Mauer zu entdecken, daneben weitere Steine. Es ist das Fundament des alten Stadttores, das vor rund zwei Wochen bei den Bauarbeiten freigelegt wurde. Auch wenn die Experten das Tor genau hier erwartet haben, erhoffen sie sich doch viele neue Erkenntnisse.

Die Geschichte des Windmühlentors beginnt um das Jahr 1330 herum. Zu diesem Zeitpunkt ging das Stadtgebiet im Osten ungefähr bis zur heutigen Straße „Am alten Stadtgraben“. Doch dieser Teil wurde bei einem Überfall komplett zerstört. Die Stadt wurde verkleinert, die Stadtmauer verlegt und das Windmühlentor neu gebaut. „Die anderen Stadttore – das Wüllener Tor und das Wassermühlentor – sind rund 100 Jahre älter“, sagt Guido Leeck.

Turm mit Wachfunktion

Er hat eine Mappe mit Plänen mitgebracht, um zu zeigen, wie das Windmühlentor früher aussah. Eine Zeichnung aus dem Jahr 1806 zeigt einen Turm mit einer 3,50 Meter breiten Durchfahrt. Wer dort hindurchfahren wollte, musste ein Wegegeld bezahlen. Unmittelbar an den Stadttoren standen damals Torhäuser, in denen die Torwächter wohnten. Sie öffneten das Tor am Morgen und schlossen es am Abend. „Das Tor hatte auch eine Wachfunktion. Von oben konnte man beobachten und im Zweifel auch schießen“, sagt Guido Leeck. Und noch etwas zeigen die Unterlagen: In dem Stadttor war ein Gefängnis untergebracht. Das ist auch der Grund, warum das Windmühlentor das einzige Stadttor ist, von dem es Pläne gibt. Als der Turm 1806 mit dem Gefängnis-Mobiliar ausgestattet wurde, wurden die Zeichnungen und Grundrisse angefertigt. Zu sehen ist dort, dass es in jeder Zelle einen Eisenring zum Anketten und ein Plumpsklo gab. „Ich vermute, dass dafür auch Leitungen angelegt wurden“, sagt Guido Leeck.

„Die Vredener Geschichte liegt im Boden“

© Victoria Thünte

Die Ausgrabungen scheinen diese Vermutung zu bestätigen. Birgit Grundmann, Grabungstechnikerin beim Landschaftverband Westfalen-Lippe, hat in der vergangenen Woche einige gemauerte Kanäle freigelegt. „Die gehören zur letzten Phase des Gebäudes. Das passt alles zu den Plänen, die Guido Leeck mir gezeigt hat“, sagt sie. Das Fundament, das Birgit Grundmann seit zwei Wochen immer weiter freilegt, säubert und dokumentiert, zeigt noch mehr Abzweigungen. Wozu die Steine neben dem Stadttor gehören, wo genau die Stadtmauer verlief oder wie tief das Fundament noch in die Erde reicht – das sind Fragen, auf die sich Birgit Grundmann und Guido Leeck noch Antworten erhoffen.

Nägel gefunden

Auch für die Mitglieder der Archäologiegruppe des Heimatvereins ist der Fund interessant. Einige haben Birgit Grundmann sogar beim Freilegen geholfen oder die Sandhaufen mit einer Sonde untersucht. „Sie haben zum Beispiel Nägel gefunden, die vermutlich zur Toranlage gehörten“, sagt Guido Leeck.

1854 wurde das Windmühlentor abgerissen , weil es zu eng und baufällig war. Das Fundament jedoch blieb in der Erde. „Ohne Maschinen war es nicht möglich, die Steine aus dem Boden zu entfernen“, sagt Guido Leeck.

Bislang ist nur eine Seite des Fundamentes freigelegt. Den zweiten Teil vermutet Birgit Grundmann näher an dem neugebauten Gebäude. Doch dort verlaufen Kabel und Leitungen. Das macht die Ausgrabung schwierig bis unmöglich. Wie lange sie noch weitergraben kann und darf, steht noch nicht fest. Bis Ende der Woche bleibt der Fund aber mindestens noch offen. Dann werden die Steine mit Flies abgedeckt und das Bodendenkmal zugeschüttet. Ein ganz normaler Vorgang bei solchen Funden. „Vredens Geschichte liegt nunmal im Boden. Viele Gebäude sind durch Brände, Kriege und die Modernisierungswelle der 60er-Jahre verloren gegangen. Umso wichtiger ist es, dass wir solche Funde gut dokumentieren und untersuchen“, sagt Guido Leeck.

Torwächter geplant

Die Ausgrabungen sind im Zeitplan der Bauarbeiten eingeplant. Trotzdem könne es eventuell zu Verzögerungen kommen, schrieb die Stadt Vreden in einer Pressemitteilung, als das Fundament entdeckt wurde. Der Zeitplan sieht vor, dass die Arbeiten bis Ende August dauern. Vorgesehen ist, an der Straße Windmühlentor einen Torwächter aufzustellen – wie schon am Wassermühlentor und am Wüllener Tor.

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