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Vom Glück, sein eigener bester Freund zu sein

Berlin. Der Philosoph und Bestsellerautor Wilhelm Schmid greift oft populäre Themen auf. Diesmal beschäftigt er sich mit dem Unterschied von Eigenliebe und Selbstfreundschaft. Und damit, wie das Leben leichter werden könnte.

Vom Glück, sein eigener bester Freund zu sein

Der Buchautor Wilhelm Schmid in seiner Berliner Wohnung. Foto: Paul Zinken

Irgendwann im Laufe des Tages guckt jeder in den Spiegel. Was empfindet er oder sie dabei? Welches Gefühl bestimmt den Blick aufs eigene Ich?

Der Bestsellerautor Wilhelm Schmid („Gelassenheit“, „Glück“) rät dazu, sich selbst in möglichst vielen Situationen mit Freundschaft zu begegnen. Und so heißt denn auch sein neues Buch: „Selbstfreundschaft“.

Insgesamt hat das Beschäftigen mit der eigenen Person Hochkonjunktur. Es gibt klassische Ratgeberbücher dazu, Seminare, Psychotests. Einige Experten betonen: Die Frage „Wer bin ich?“ sei existenziell und stehe am Anfang des abendländischen Denkens. Andere bekritteln, heute dominiere die eitle Selbstbespiegelung.

Dass die Beschäftigung mit dem Ich eine komplizierte Sache ist, weiß Schmid. Ähnlich wie in vielen seiner Werke möchte der Philosoph die Sache dennoch möglichst lebenspraktisch angehen: „Mich beunruhigt, dass es mittlerweile von überallher heißt, man müsse sich selbst lieben. Zugleich beklagen viele den wachsenden Narzissmus in unserer Gesellschaft“, erläutert der Autor im Interview der Deutschen Presse-Agentur und fragt: „Kann es sein, dass die Selbstliebe die schiefe Ebene ist, auf der wir unmerklich in einen übertriebenen Narzissmus abgleiten? Selbstfreundschaft könnte die Alternative dazu sein.“

In dem kleinen, kompakten Buch beschreibt der 65-Jährige, warum er den vielgehörten Appell „Liebe dich selbst!“ kritisch sieht. Und warum er eher für eine entspannte Selbstreflexion plädiert, gepaart mit der einer freundschaftlichen Haltung, um sich das Leben zu erleichtern. „Es ist wie mit dem Unterschied zwischen Liebe und Freundschaft: Die Selbstfreundschaft ist etwas nüchterner als die Selbstliebe, erwartet vom Selbst keine Perfektion und ermöglicht mehr Distanz, um nachsichtig und manchmal auch selbstironisch mit sich umzugehen“, meint Schmid.

Sein Essay enthält zwar keine Folge von Praxis-Übungen für mehr Selbst-Achtsamkeit, aber hie und da schon ein paar Tipps. Insgesamt dominieren nachdenklich analytische Aspekte, kombiniert mit leicht verständlichen philosophischen Einschüben. Wobei es Schmid stark darum geht, den Menschen nicht als egoistischen Einzelkämpfer, sondern als soziales Gruppenwesen zu beschreiben. Und hier erlaubt sich der Autor am Ende einen kurzen, utopischen Ausblick: Er räsoniert über die Möglichkeit, dass statt des selbstherrlichen Narzissmus in Zukunft ein vernetztes Ich die Richtung vorgibt: Selbstbewusste Menschen, die sensibel auf andere hören und auf sie eingehen, könnten eine neue Art des Zusammenseins erleben und gestalten. Schmidt sagt: „Für den freien, intensiven Austausch mit anderen stehen uns heute auch die neuen Medien zur Verfügung. Wenn wir uns selbst darum bemühen, brauchen wir kein Ministerium zur Bekämpfung der Einsamkeit, wie die britische Regierung es gerade geschaffen hat.“

- Wilhelm Schmid: Selbstfreundschaft. Wie das Leben leichter wird. Insel Verlag, Berlin 2018, 126 Seiten, 10 Euro, ISBN 978-3-458-17750-0.

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