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Tim Don: Marathon nach Genickbruch, danach womöglich Hamburg

Boston. Fünf Tage und sechs Monate nach einem Genickbruch ein Marathon? Als Vorbereitung für einen Ironman, im Juli womöglich in Hamburg? Es ist der Plan von Tim Dom. Dem Ironman-Weltrekordhalter. Er will dorthin, wo er im Oktober 2017 schwer verunglückte: zurück nach Hawaii.

Tim Don: Marathon nach Genickbruch, danach womöglich Hamburg

Triathlet Tim Don gab sein Comeback beim Boston-Marathon. Foto: Bruce Omori/EPA

Es gibt dieses Ironman-Motto: Alles ist möglich. Tim Don kennt es. Er ist der Ironman-Weltbestzeithalter. Keiner absolvierte einen Wettkampf der offiziellen Marke über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen jemals schneller.

Jetzt aber schickt sich der 40 Jahre alte Brite an, dieses Motto auf die Spitze zu treiben. Nach seinem Start beim legendären Boston-Marathon will er womöglich im Juli in Hamburg die Qualifikation für die Ironman-WM schaffen.

Dorthin zurückkehren, wo ein schwerer Unfall ihm beinahe das Leben gekostet hat. Don brach sich bei dem Zusammenstoß mit einem Wagen das Genick: Das ist gerade mal ein halbes Jahr her.

Und nun will er die 42,195 Kilometer in Boston in etwa in der Zeit schaffen, die er bei seinem Weltrekord Ende Mai 2017 in Brasilien für die Abschlussdisziplin benötigte. Es waren 2:44:46 Stunden von der Gesamtzeit der 7:40:23 Stunden. „Fühlst Du dich glücklich...ich sicherlich“, twitterte der Brite vor seinem Comeback.

„Normalerweise reichen sechs Monate aus, um wieder volle Stabilität zu erlangen. Inwiefern ein Marathonlauf jetzt kontraproduktiv ist, wird sich erst später herausstellen“, sagte Sportwissenschaftler Michael Despeghel in einem Interview der „Bild“.

Don war als einer der Topfavoriten vor einem halben Jahr nach Kailua-Kona gereist, er wollte die starken deutschen Athleten um den zweimaligen Champion Jan Frodeno und den späteren Titelträger Patrick Lange unter Druck setzen. Drei Tage vor dem Rennen passierte das Unglück.

„Ich bin auf dem Boden aufgewacht nach einem Unfall. Ich hatte eine Halsmanschette an, konnte mich nicht bewegen“, schilderte Don in einem Video zur Ankündigung einer Dokumentation über seine bewegenden vergangenen Monate. „Die Ärzte kamen rein und sagten mir, mein Hals wäre gebrochen.“ Don hatte immerhin so viel Glück, dass er von Hawaii in seine Wahlheimat Boulder im US-Bundesstaat Colorado geflogen werden konnte.

Ihm blieben drei Möglichkeiten: Eine weiche Halskrause, eine Operation oder das sogenannte Halo - ein Gestell, in das der Kopf regelrecht eingespannt wird. Dabei wird der Schädel mit vier Titanschrauben fixiert. „Halo ist ein mittelalterliches Folterinstrument“, sagte Dons behandelnder Arzt der „New York Times“. Es sei eine schreckliche Erfahrung, aber die beste Option für eine komplette Genesung ohne Einschränkungen auf lange Sicht.

„Ich wollte einfach nur wieder Rennen bestreiten, das hab' ich mir gesagt“, erzählte Don in einem weiteren Video. Nur dabei zu sein, würde ihm aber nicht reichen. Don hat eine Familie mit zwei Kindern, er ist Triathlon-Profi. „Das einzige, was ich tun konnte, war daran zu glauben zurückzukehren“, erzählte Don, während ihn bewegte und bewegende Bilder mit dem Kopfgestell auf einem Hometrainer zeigen. Der Moment, in dem er vom Halo befreit wurde: „Eine Erleichterung.“

Sechs Monate und fünf Tage nach seinem Unfall ist Boston die erste große Etappe. „Und dann hoffentlich ein Ironman im Juli“, sagte er. Hamburg oder Zürich, einer von beiden soll es sein, um die Qualifikation für Hawaii zu schaffen. „Und dann, dann gewinne ich in Kona“, sagte Don und lachte: „Man muss hohe Ziele haben.“ Auch wenn sie manchmal unmöglich erscheinen.

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