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Tatort: Alles was Sie sagen

Hamburg. Sein zehnter „Tatort“-Fall führt Wotan Wilke Möhring als Ermittler Falke unter Migranten. Dabei fällt ein Mordverdacht auf den Bundespolizisten und seine Kollegin Julia Grosz. Eindringliche Verhörszenen und Rückblenden machen die Episode zu etwas Besonderem.

Tatort: Alles was Sie sagen

Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) entdeckt die leblose Alima (Sabrina Amali). Foto: NDR/Christine Schroeder

Jäger werden zu Gejagten - und zwischen ihnen wächst eine Wand aus Misstrauen und Eifersucht. In seinem zehnten Fall steht der Hamburger Bundespolizist Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) selbst im Visier der Ermittler.

Wie seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz), mit der er nun zum vierten Mal zusammenarbeitet. Denn eine aus dem Libanon geflüchtete Frau wird erschossen - und die Kugeln scheinen aus der Waffe Falkes abgefeuert zu sein. Beide Kommissare sind bei dem Geschehen in einer leerstehenden Fabrik im niedersächsischen Lüneburg dabei. Die Situation gerät zum Ausgangspunkt der ungewöhnlichen „Tatort“-Episode „Alles was Sie sagen“, die das Erste an diesem Sonntag um 20.15 Uhr zeigt.

Ungewöhnlich wirkt der Krimi nicht so sehr wegen der politisch brisanten Migrationsthematik, der er sich dicht annähert - so lässt der „Tatort“- erfahrene Regisseur Özgür Yildirim („Feuerteufel“, „Zorn Gottes“) in einer Befragungsszene sogar reale Flüchtlinge antworten. Zu etwas Besonderem wird die Geschichte aus der Feder der Grimme-Preisträger Jan Martin Scharf und Arne Nolting („Club der roten Bänder“) vielmehr durch ihre Form, die sich aus dem Mordverdacht ergibt.

Im Mittelpunkt stehen die getrennt voneinander stattfindenden Verhöre der beiden Bundespolizisten durch den Lüneburger Polizeioberen Rehberg (Jörn Knebel). In der zwielichtigen Enge des Büros - und angesichts des anmaßend arroganten Kriminalisten - verfangen sich Falke und Grosz in ihren Aussagen in Widersprüche.

Im Wechsel mit den Dialogen zeigt die Produktion von Wüste Film im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR) die eigentlichen Vorgänge in Rückblenden. Zumeist in unwirtlicher Umgebung, zu der auch ein Motel, Fußgängerunterführungen und nächtlich düstere Straßen gehören (Kamera: Matthias Bolliger). Vom malerisch mittelalterlichen Lüneburg, vor den Toren Hamburgs gelegen, ist nicht viel zu sehen.

Und so recht darf bei dem Fall selbst der Zuschauer seiner Wahrnehmung nicht trauen, denn die Wahrheit könnte auch immer anders sein. Zudem kocht die Atmosphäre zwischen Falke und seiner spröden, nach einem Afghanistan-Einsatz traumatisierten Kollegin hoch. Ihn wühlt auf, dass im Polizisten Olaf Spieß (Marc Rissmann) ein ehemaliger Lover der Oberkommissarin auftaucht, von dessen Fertigkeiten im Bett Grosz ihm sogar, für ihre Verhältnisse extrem offenherzig, vorschwärmt.

Falkes unübersehbare Eifersucht sorgt aber auch für humoristische Noten im blutigen Fall. Und löst sich am Ende sehr überraschend auf. Grund ihrer Ermittlungen ist im Übrigen der Auftrag, die Identität eines Libanesen zu überprüfen, der Mitglied einer Miliz im syrisch-libanesischen Grenzgebiet gewesen und an Massakern und Plünderungen an der Zivilbevölkerung beteiligt gewesen sein könnte.

Dieser Abbas Khaled alias Tarek Salam (Youssef Maghrebi) lebt scheinbar gut integriert in der Provinzstadt, assistiert sogar einem Lehrer (Moritz Grove) bei Migranten-Sprachkursen. Doch als Falke im Klassenraum auftaucht, türmt er. Die Spur der Polizisten führt nicht zuletzt zum Drogendealer Al-Shabaan (Marwen Moussa). Der betreibt eine Bar und tut dabei so, als gehöre ihm die Stadt und alles habe nach seinen Regeln zu laufen.

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