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TV-Markt im Wandel: Allianzen querbeet

Cannes. Das Angebot wird immer größer, das Publikum aber nicht:  Internationale TV-Anbieter gehen immer mehr Kooperationen ein, um teure Programm-Neuentwicklungen zu finanzieren.

TV-Markt im Wandel: Allianzen querbeet

Jonas Nay und Maria Schrader spielen in der Produktion „Deutschland 86“ mit, die bereits weltweit verkauft wurde. Foto: Jörg Carstensen

Der globale Fernsehmarkt befindet sich in einem gewaltigen Umbruch. Das hat jetzt die weltgrößte TV-Messe MIPTV in Cannes gezeigt.

Früher orderten Sender bei Produzenten Programme, die dann auf dem nationalen Massenmarkt ausgestrahlt wurden. Heute geht es immer mehr darum, die unterschiedlichen Vorlieben des Publikums zu erfüllen. „Solche Programme sprechen aber nur bestimmte Zielgruppen an und sind von einem Anbieter kaum noch zu finanzieren“, sagte Christian Grece, Analyst bei der Europäischen audiovisuellen Informationsstelle, der vor kurzem dazu eine Studie vorlegte, der Deutschen Presse-Agentur.

Und so kommen Allianzen zustande, die früher undenkbar gewesen wären: Plattformen, Privatsender, Produktionsunternehmen, öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten, Telekommunikationsunternehmen, Pay-TV-Sender, Streamingdienste - sie alle arbeiten in den unterschiedlichsten Variationen zusammen, um Projekte zu finanzieren, die am besten direkt in mehreren Ländern ausgestrahlt oder angeboten werden. Im Fokus: hochwertig und teuer produzierte Serien.

Deutsche Firmen mischen dabei kräftig mit. So wie der Produzent Jörg Winger von der Ufa. Seine Produktion „Deutschland 86“ ist bereits weltweit verkauft: Beispielsweise in Deutschland wird Amazon die Serie anbieten, in den USA die Plattform Hulu, in Italien der Bezahlsender Sky und in Italien und Frankreich die TV-Stationen Channel 4 sowie Canal Plus. „Diese Art der Zusammenarbeit nimmt jetzt richtig Fahrt auf“, sagte Winger. Zu seinem aktuellen Vorhaben „Hackerville“ mit Roland Zehrfeld und Sabin Tambrea sind die Dreharbeiten gerade gestartet.

Partner der Ufa sind hier HBO Europe und TNT Deutschland, Teil der Turner Gruppe, die „Hackerville“ über seine Sender weltweit verbreiten wird. Die insgesamt sechsstündige Reihe handelt von Ermittlungen gegen die global tätige Hackerszene in Rumänien. „Es ist eine lokale Geschichte, die aber so hochwertig gemacht ist, dass sie das internationale Publikum ansprechen wird“, ist sich Winger sicher.

Welches finanzielle Potenzial hinter dem Trend steht, machte der Geschäftsführer von Bavaria Fiction, Jan Kaiser, klar. 18000 Minuten produziert sein Unternehmen im Jahr, davon gehen neuerdings 1000 Minuten auf das Konto der drei internationalen Megaserien „Das Boot“, „Germanized“ und „Arctic Circle“. „Aber diese drei Serien machen bereits 20 Prozent des Umsatzes aus“, bestätigte der Manager in Südfrankreich.

Die deutschen Steuer- und Gebührenzahler sind übrigens oft mit im Boot, wenn es um die Finanzierung der aufwendigen Dreharbeiten geht. Bei der über 40 Millionen Euro teuren Produktion „Babylon Berlin“ etwa haben ARD und diverse öffentliche Fördertöpfe weit über die Hälfte der Kosten abgedeckt. Und auch das düstere, sechsteilige Krimidrama „Parfüm“ von ZDFneo und Netflix erhält reichlich Fördergelder. Von der Film und Medienstiftung NRW beispielsweise eine Million Euro, wie Geschäftsführerin Petra Müller auf der MIPTV bekannt gab.

Dass der Trend inzwischen auch im Kinderbereich angekommen ist, darauf machte während der Messe der Super-RTL-Programmdirektor Carsten Göttel aufmerksam: „Zukünftig planen wir, Inhalte für Kinder direkt mit Plattformen als Partnern zu entwickeln und zu verwerten.“

Die MIPTV in Südfrankreich zeigt, was schon bald in Millionen Wohnzimmern über die Bildschirme flimmert. Tausende Verantwortliche von Sendern, Produktionsfirmen, Programmvertrieben, Internetplattformen und Medienkonzernen sind hier alljährlich auf der Suche nach Inhalten.

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