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Zivildienst trotz der Meisterschule

Südlohn Zivildienst statt Job, karger Sold statt üppiges Gehalt, Bus und Bahn statt eigenes Auto: Für einen jungen Südlohner beginnt am kommenden Montag ein völlig neuer Lebensabschnitt.

27.06.2007

Vor dem Verwaltungsgericht Münster warf er gestern noch mal alles in die Waagschale, um dem zu entgehen. Am Ende herrschte jedoch der Frust. Mit seinem Hauptargument stieß der Südlohner auf taube Ohren. Schon seit Monaten absolviert er bei der Handwerkskammer Münster die Mechaniker-Meisterschule. Immer dienstags von 17 bis 21 Uhr, und immer samstags von 8 bis 13 Uhr. Durch den Zivildienst sieht der junge Mann seine meisterlichen Ambitionen jetzt aber akut gefährdet. «Ich weiß nicht, wie das zusammenpassen soll», hieß es gestern.

Zeitlich kein Unterschied

Das Gericht sah jedoch keinen Grund, dem Zivildienst-Bundesamt aufzugeben, den Kläger bis zum Abschluss seiner Meisterprüfung zurückzustellen. Immerhin schaffe es der Mann doch auch, die Schule in seinen jetzigen Job zu integrieren. Der Richter: «Wo da der Unterschied sein soll, leuchtet mir nicht ein.»

Es ist wohl nicht die problematische Arbeitszeit, sondern das liebe Geld, was dem Meister-Anwärter Sorgen macht. Als Zivi in der Landwirtschaft hat er ab Montag deutlich weniger Scheine in der Tasche als in seinem jetzigen Beruf. Und das bedeutet: «Ich muss mein Auto abmelden. Das kann ich mir nicht mehr leisten. Deshalb muss ich dann mit Bus und Bahn nach Münster zur Schule. Das wird hart.»

Gericht bleibt hart

Hart zeigte sich aber auch das Gericht. «Hätten sie sich doch einfach eine Zivildienststelle in Münster gesucht», bekam der Südlohner zu hören. Dort, in unmittelbarer Nähe zu seiner Meisterschule, hätte er sogar auf Behördenkosten eine Unterkunft vermittelt bekommen. «Zwar wahrscheinlich nur ein Ein-Zimmer-Appartement, aber immer noch besser als mit sechs Mann auf einer Kasernen-Stube», so der Richter lapidar.

Auf einen Dauer-Aufenthalt in Münster hat der angehende Meister aus Südlohn allerdings keine Lust. In der sicheren Erwartung, ohnehin kein positives Urteil zu hören, zog er seine Klage letztendlich sogar zurück. Ab Montag muss er also wirklich antreten. Mit jeder Menge Wut und Enttäuschung im Bauch. von

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