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Rat schlägt keine Alternative für die Stromtrasse vor

Stromtrasse Südlohn

Die Politik kommt in Sachen Stromtasse A-Nord noch nicht zur Ruhe. Obwohl der Rat in seiner Sitzung Ende April einstimmig für eine sehr deutliche Stellungnahme gestimmt hat, stand das Thema jetzt wieder auf der Tagesordnung.

Südlohn

, 21.06.2018
Rat schlägt keine Alternative für die Stromtrasse vor

Blickt Südlohn am Ende in die (Strom)-Röhre? Die Stromtrasse A-Nord wird kommen. So viel ist klar. Die Frage bleibt, auf welcher Trasse sie genau verlegt wird und wie sehr die Gemeinde davon in Mitleidenschaft gezogen wird. © picture alliance / dpa

Einstimmig hat der Rat einen Vorschlag von Bürgermeister Christian Vedder in Sachen Stromtrasse abgelehnt. Aber der Reihe nach:

Worum geht es jetzt noch einmal?

Die Firma Amprion ist ein Übertragungsnetzbetreiber und plant die Verlegung der Gleichstromverbindung A-Nord. Diese führt über rund 300 Kilometer von der Nordsee zur Umspannanlage Osterath am Niederrhein. Über die Verbindung soll regenerativ erzeugte Energie von den Offshore-Windparks im Norden in Richtung Süden transportiert werden. Die Trasse, die für die Leitung aktuell vorgesehen ist, führt aktuell mitten durch Südlohner Gemeindegebiet. Dagegen hatte der Rat in seiner Stellungnahme vom 18. April vehement protestiert.

Was möchte der Rat denn?

Die Politiker haben einstimmig beschlossen, dass die Gemeinde Südlohn sich mit einer Stellungnahme gegen die aktuellen Planungen stemmt. In dem mehrseitigen Dokument gibt es zum einen den Hinweis, dass eine andere Trasse gefunden werden soll und andererseits einen ganzen Katalog von Punkten, der erfüllt werden soll, falls eine andere Trasse nicht möglich sein sollte.

Und warum wurde jetzt wieder über das Thema gesprochen?

In Ergänzung der Stellungnahme hatte Bürgermeister Christian Vedder nun vorgeschlagen, dass die Gemeinde Südlohn einen Alternativkorridor für die Leitung vorschlagen könnte. Der hätte im Norden der Gemeinde einen Bogen gemacht und wäre dann nordöstlich an der Gemeinde vorbeigeführt worden.

Warum hat der Bürgermeister das gemacht?

Auf der Antragskonferenz A-Nord in Ahaus hatte Bürgermeister Christian Vedder zusammen mit Vertretern der anderen betroffenen Kommunen über den Trassenverlauf gesprochen. „Dort haben einige Vertreter eine Trassenverlegung angeregt. Die Idee an unserem Alternativvorschlag war nun, die Trasse östlich am Gemeindegebiet vorbeizuführen, um die Betroffenheit im Ort so gering wie möglich zu halten“, erklärte er dem Rat am Mittwochabend. „Es ist nur ein Vorschlag.“

Haben die Landwirte dazu nichts gesagt?

Doch, haben sie: Dieter Valtwies, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Südlohn und Oeding (LOV) konnte selbst nicht an der Sitzung teilnehmen, hatte aber eine Stellungnahme eingereicht, die der Bürgermeister vorlas. Darin stand, dass der neue Trassenvorschlag die Argumentation in der Stellungnahme der Gemeinde konterkarieren würde. Durch den Alternativvorschlag wären wieder dicht besiedelte Gebiete im Außenbereich betroffen. „Die Gemeinde schwächt damit die vorab abgegebene Stellungnahme“, so Valtwies in seinem Schreiben.

Was denken die Politiker darüber?

Die stellten sich geschlossen hinter die Landwirte und gegen den Vorschlag von Bürgermeister Christian Vedder: „Wir können die Sorgen des LOV nachvollziehen“, sagte Günter Bergup (UWG). FDP-Ratsmitglied Jörg Schlechter wollte wissen, ob denn der neue Korridor bereits durchgeprüft sei und überhaupt in Frage komme. „Nein, wir haben nur gesagt, dass die Leitung besser weiter im Osten verlegt werden soll. Eine konkrete Trasse haben wir nicht vorgeschlagen. Deswegen kann die auch nicht geprüft sein.“

CDU-Ratsherr Alois Kahmen fand deutliche Worte: „Durch diese Alternative würden wir eher Verwirrung stiften.“ Auch hätten bei der Konferenz alle Vertreter auf die jeweiligen Stellungnahmen ihrer Kommunen verwiesen. „Mit dieser Ergänzung würden wir eher wenig bewirken“, war er sich sicher. Er halte den Verweis auf die östliche Trasse für nicht nötig, um das Thema nicht wieder zu verschärfen. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Siegfried Reckers wollte, dass die Gemeinde bei ihrer Stellungnahme bleibt. Eine Alternative machte für ihn keinen Sinn. Er warb aber auch für die Stromleitung insgesamt: „Die Stromtrasse wird und muss kommen. Das ist für die Zukunft wichtig“, sagte er. Der Rat stimmte schließlich einstimmig gegen die vorgeschlagene Ergänzung der Stellungnahme.

Ist der Korridor beschlossene Sache?

Nein. Aktuell läuft ein Prozess, den Christian Vedder in der Ratssitzung „Wünsch‘ dir was für Amprion“ nannte. Zunächst kann das Unternehmen seine Vorstellungen für eine ideale Trasse nennen. Am Ende muss die Bundesnetzagentur für oder gegen die Genehmigung entscheiden.

In einer ursprünglichen Fassung dieses Artikels war der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Südlohn und Oeding irrtümlich mit einem falschen Vornamen benannt. Die Stellungnahme des LOV ist von Dieter Valtwies vorgelegt worden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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