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Fernfahrer auch in Oeding gesucht

Spedition Westrans

Speditionen stehen im ständigen Wettbewerb. Doch der dreht sich längst nicht mehr nur um Fracht. Wertvollstes Gut: die Fahrer.

OEDING

, 26.06.2018
Fernfahrer auch in Oeding gesucht

So viele Fahrzeuge der Westrans-Flotte stehen natürlich in der Regel nicht auf dem Hof. Auch wenn Westrans immer ständig nach Fahrern sucht, sind laut Geschäftsführung aktuell alle Fahrzeuge besetzt. © Westrans

Von Stephan Teine

Berufskraftfahrer, nationaler Fernverkehr: Seit über einem Jahr ist die Oedinger Spedition Westrans mit dieser Anzeige bei der Agentur für Arbeit gelistet. Zwei von drei angebotenen Stellen sind nicht besetzt. Gleichzeitig stehen immer wieder Laster des Unternehmens längere Zeit auf dem Hof. Gibt es keine Fernfahrer mehr? Können die Aufträge noch erfüllt werden? Hat das Unternehmen aus Oeding gar ein Problem?

„Nein, nein. Langsam“, Manfred Robers, Westrans-Geschäftsführer, hebt am großen Konferenztisch im Büro an der Daimlerstraße abwehrend beide Hände. „Unsere LKW stehen nicht auf dem Platz, weil Fahrer fehlen.“ Alle 80 Fahrzeuge seien besetzt. Die Spedition floriere. Aber eins ist klar: Der Markt ist voll mit Ladung und um die Fachkräfte ist ein extremer Wettbewerb entbrannt.

Kein Oedinger Phänomen. „Fahrer fehlen in ganz Westeuropa“, sagt Robers. „Sie sind definitiv das Nadelöhr für jedes Wachstum. Und das wird nicht einfacher.“ Rund zwei Drittel aller Berufskraftfahrer seien um die 50 Jahre alt. „Das Problem fängt also gerade erst an“, so Manfred Robers weiter. Er geht von 10 bis 20 Prozent Zuwachs im Frachtverkehr auf der Straße und gleichzeitigem Rückgang der Fahrer aus.

Vorurteil und Wirklichkeit

Es ist dabei nicht einfach, neue Fahrer zu bekommen: Termindruck, Kontrolle durch Disponenten, Stress, ungesunde Ernährung, Arbeit fern von Zuhause, Schlafen im Truck, magere Bezahlung – die Liste der Vorurteile ist lang. Aber: „Das ist Vergangenheit. Wir wollen weg vom Bierbauch und Mettbrötchen-Image“, sagt Hendrik Kemper, bei Westrans für Unternehmenskommunikation zuständig. Das zu vermitteln, sei aber fast unmöglich.

Westrans will sich gegen Trend und Klischee stemmen, rührt seit Jahren die Werbetrommel, bildet bis zu fünf Berufskraftfahrer pro Jahr selbst aus, fährt Kampagnen und bietet ein breites Schulungsprogramm an. „Als Spedition wollen wir in der Gegend auf Platz eins stehen“, erklärt Manfred Robers. Westrans als Teil der Bewital-Gruppe und beschäftigt 145 Mitarbeiter der insgesamt 450 Mitarbeiter. „Über die Gruppe haben wir natürlich viele Möglichkeiten“, sagt er. Es geht ihnen aber auch darum, Aufklärung in eigener Sache zu betreiben: „An einen Berufskraftfahrer werden heute ganz andere Anforderungen gestellt als noch vor ein paar Jahren“, sagt Manfred Robers. Mit dem Führerschein sei es da nicht mehr getan. Gefordert ist eine dreijährige Ausbildung: Ladungssicherung, Ökologie, Ökonomie, Tourenplanung, Arbeitssicherheit, Abwicklung im internationalen Verkehr…

Wochenende zu Hause

Auch die Arbeitsbedingungen haben sich geändert. Wochenlange Touren quer durch Europa? Geschichte. „Spätestens zum Wochenende sind unsere Fahrer wieder zu Hause“, stellt Manfred Robers klar. Alles andere sei kitschige Fernfahrerromantik. Und die Kontrolle aus der Ferne? Was ist mit dem Disponenten, der jedem Fahrer dank GPS-Ortung minutiös auf die Finger schaut? Auch das sei längst eine der überholten Geschichten. „Unsere Fahrer arbeiten selbstständig“, sagt Manfred Robers. Die einzige Kontrolle erfolge durch die gesetzlich vorgeschriebenen digitalen Fahrerkarten, die Lenk- und Pausenzeiten kontrollieren. Zu viel Druck dürfe eine Spedition heute gar nicht mehr auf die Fahrer ausüben. „Wir machen uns da ja nichts vor. Der Fahrermangel ist da“, sagt Manfred Robers. Und entsprechend müsse mit den Fahrern umgegangen werden. „Sonst kündigen die und gehen nahtlos zur nächsten Spedition. Ganz einfach.“

Keine absolute Zahl

Wieviele neue Fahrer sie sich wünschen? Eine absolute Zahl will keiner von beiden nennen. Die Fahrer müssten ja auch immer zum Unternehmen passen. Es geht ihnen zwar um Wachstum, aber sie wollen es nicht erzwingen. „Da sind wir bodenständig und erfolgreich: Seit 2006 haben wir ein zweistelliges Wachstum“, so Robers. Beide schwärmen von den Vorzügen des Berufs. Der sei zukunftssicher und nicht zu ersetzen.

Ein Beruf, in dem der mittlere Verdienst laut Agentur für Arbeit bundesweit bei 2345 Euro brutto im Monat liegt.

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