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Familie Bennemann dreht nach 129 Jahren den Hahn hoch

Kneipe schließt

In zwei Wochen ist Schluss: Dann enden 129 Jahre Kneipengeschichte und Thekengespräche. Familie Bennemann dreht den Hahn hoch.

Südlohn

, 29.06.2018
Familie Bennemann dreht nach 129 Jahren den Hahn hoch

Der Platz vor der Theke ist für Christa, Hedwig und Wolfgang Bennemann noch sehr ungewohnt. In zwei Wochen verabschieden sie sich endgültig von ihrer Gaststätte und dem Partyservice. © Stephan Teine

Es war keine leichte Entscheidung, aber am Ende war sie ohne Alternativen: Christa und Wolfgang Bennemann werden ihre Gaststätte am Fürstenberg Mitte Juli in der fünften Betreibergeneration schließen.

Sie haben eine ganze Reihe von Gründen: „Unsere Kinder wollen den Betrieb sowieso nicht übernehmen“, sagt Christa Bennemann(52). Und dann wäre in der nächsten Zeit wieder eine Renovierung nötig gewesen. Aber: „Das stemmt man ja nicht mal eben so“, sagt ihr Mann Wolfgang Bennemann (51). Er spricht von einer Investition, die über die nächsten 10 bis 15 Jahre finanziert worden wäre. „Mit Schulden kann man ja nicht zu machen“, erklärt er. Aktuell sei das Unternehmen „sauber“.

Personalmangel auf dem Dorf

Gleichzeitig sei es immer schwieriger geworden, Personal zu bekommen. Wolfgang Bennemann: „In Münster wäre das vielleicht kein Problem, aber hier auf dem Dorf Servicekräfte zu finden, auf die man sich langfristig verlassen kann, ist mittlerweile fast unmöglich.“ Die Belastung wurde ihnen am Ende zu groß. Auf die wöchentlichen Arbeitszeiten angesprochen, kann Wolfgang Bennemann nur lachen: „Immer“, sagt er. Denn mit den reinen Öffnungszeiten sei es ja nicht getan: Vor- und Nachbereitung, Einkaufen, dann noch die Gesellschaften, der Partyservice und Vereine. Zusätzlich hatte er auch noch eine Halbtagsstelle – denn nur die Gaststätte allein, hätte die Familie nicht ernähren können. „Das war soweit auch in Ordnung“, sagt er. Das Tanzen auf zwei Hochzeiten habe jahrelang funktioniert.

Doch dann kam im vergangenen Jahr der endgültige Auslöser dazu: Christa Bennemann wurde schwer krank. „Das war schon ein ordentlicher Schuss vor den Bug“, sagt sie im Rückblick. An diesem Punkt war beiden dann klar, dass sie den Betrieb schließen werden. Denn die Familie sei immer das Wichtigste gewesen. „Auch wenn direkt danach der Betrieb kam“, fügt sie noch hinzu.

Räume bleiben erste einmal leer

Und was passiert mit den Räumen? „Die werden erst einmal leer stehen“, sagt Wolfgang Bennemann. Ob das Gebäude vermarktet wird, ob sich ein Nachfolger findet oder ob das Haus gar abgerissen wird, steht noch nicht fest. „Der Betrieb lief ja gut und hat tolle schwarze Zahlen geschrieben“, erklärt seine Frau. Ein potenzieller Nachfolger könne direkt mit einer funktionierenden Kneipe weitermachen. Das wäre vor allem für die vielen Vereine und über 40 Stammtische wichtig: „Die müssen sich ja jetzt alle etwas Neues suchen“, erklärt Wolfgang Bennemann.

Mit einer rauschenden Party hat sich das Paar schon von Stammgästen und -tischen verabschiedet. Am 13. Juli – einem Freitag – ist endgültig Schluss. „Auf den Tag 129 Jahre nach der Eröffnung“, sagt Wolfgang Bennemann mit süß-saurem Lächeln. Natürlich tue es weh, den Betrieb nach so langer Zeit zu schließen. Sehr sogar. Sie selbst stehen ja auch schon seit über 25 Jahren hinter der Theke. Aber es bleibt für ihn und seine Frau schlicht die einzig sinnvolle Möglichkeit. Die fügt noch hinzu: „Jeder hat Verständnis für uns, aber niemand hat damit gerechnet.“

Was sie mit der vielen Freizeit machen, die jetzt auf sie zukommt, wissen sie noch gar nicht. „Vielleicht erst einmal ein Hobby suchen“, sagt Christa Bennemann ein wenig in Gedanken verloren. Denn dafür war in den vergangenen Jahren keine Zeit.

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