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Studenten zeigen in ihrer Ausstellung die Notwendigkeit von Langeweile

Henrichshütte Hattingen

Szenografie-Studierende bringen Langeweile in die Henrichshütte – ja, tatsächlich. Sie zeigen, dass der negativ besetzte Begriff auch seine guten Seiten hat.

Hattingen

, 12.07.2018
Studenten zeigen in ihrer Ausstellung die Notwendigkeit von Langeweile

„Muße in Arbeit“, eine Licht- und Toninstallation von Victor Treushchenko-Bernhardt: Sie macht die Gegensätze Beschleunigungsdruck und kreative Auszeit erfahrbar. © Aileen Kierstein

Jeder kennt sie, jeder steckte schon in ihr, wie in einem Neoprenanzug und wusste nicht, in welche Richtung der Reißverschluss zu ziehen ist, um sich wieder aus ihr zu befreien. Langeweile ist ein Begriff, der zunächst recht eindimensional, negativ wirkt. So ähnlich beschreibt Szenograf Johann Jörg das Thema der von ihm konzipierten Ausstellung.

Dass Langeweile ambivalent sein und als Ausgangspunkt kreativer Potenziale dienen kann, zeigen seine Studenten für Bühnenbild und Szenischer Raum im LWL-Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen. Die Ausstellung „Lange Weile - Auf der Suche nach der leeren Zeit“ möchte sich diesem Aspekt annähern.

Sie will animieren, im gesellschaftlichen Druck zwischen Konsum und Globalisierung den Mut aufzubringen, zu entschleunigen – die leere Zeit als Chance zu sehen.

Ausstellung der Provokation und Ironie

Damit wollen die Studierenden um Szenografen Johann Jörg ganz klar provozieren: „Wir begegnen dem Thema mit einem Augenzwinkern. Es ist ein Experiment“, sagt der Mentor des Projekts. Eine Ausstellung über Langeweile sei schließlich doch etwas Besonderes.

Studenten zeigen in ihrer Ausstellung die Notwendigkeit von Langeweile

Museumsdirektor Dirk Zache (l.) und Mentor Johann Jörg von der TU Berlin im Dokumentationsraum. Dort sind die Arbeiten der anderen Studierenden ausgestellt. © Aileen Kierstein

Für das Experiment hat sich Johann Jörg eigens die Henrichshütte als Schauplatz ausgesucht. „Es ist schon ironisch, eine Ausstellung über Langeweile in einem Industriemuseum zu zeigen. In Räumen, wo jahrelange Arbeit ihre Spuren hinterlassen hat“, sagt Museumsdirektor Dirk Zache über den Surrealismus als Konzept des Museums. Und das war für die sieben Studenten eine echte Herausforderung.

Schließlich mussten sie den geschichtsträchtigen Raum und die Inhalte ihrer Kunst aufeinander abstimmen. Die unterschiedlichen Auffassungen von Langeweile der jungen Künstler, die teilweise aus Japan, Taiwan und Frankreich stammen, spiegeln sich in ihren Werken wieder.

Entschleunigung versus Druck

Vier der insgesamt sieben Projekte sind nun im Keller der Gebläsehalle oder auf dem Außengelände des Museums zu finden. Im Dokumentationsraum sind auch die übrigen Arbeiten ausgestellt.

Studenten zeigen in ihrer Ausstellung die Notwendigkeit von Langeweile

© Aileen Kierstein

Mit der Installation „Labyrinth“ von Anne Laure Jullian de la Fuente kann sich der Besucher entscheiden, ob er die Entschleunigung des Umweges wählt, oder doch den direkten Weg zum Ziel und sich demnach keine Zeit nimmt.

Studenten zeigen in ihrer Ausstellung die Notwendigkeit von Langeweile

© Aileen Kierstein

Eine Tanzdarbietung, choreographiert von Takaya Kobayashi, beschäftigt sich mit dem menschlichen Körper in Relation von Raum und Zeit. Die Performance wird an die Wände des Kellers projiziert.

Im angrenzenden Raum macht die Licht-Ton-Komposition von Victor Treushchenko-Bernhardt den Takt der vergehenden Zeit und den damit einhergehenden Stress fühlbar.

Studenten zeigen in ihrer Ausstellung die Notwendigkeit von Langeweile

© Henrichshütte

Beim „Müßiggang“ von Amina Nouns können die Besucher auf einem Audio-Pfad dem Hochofen 3 lauschen, der sich – nach der Werkschließung im Jahr 1987 in „Rente“ – seine ganz eigenen Gedanken zum Thema Langeweile macht.

Im Laufe der Arbeit kristallisierte sich bei Johann Jörg und seinen Studierenden „eine Sympathie für diese Form der Langen Weile heraus“, so der Szenograph. „Unsere Disziplin ist es in diesem Fall, die Langeweile zu verscheuchen. Wir wollen den Raum spannend machen und die Zeit kurz.“

Nun lädt die Ausstellung ein, sich während des Besuches gemeinsam mit den Künstlern auf die Suche nach der leeren Zeit zu machen.

LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen: „Lange Weile – Auf der Suche nach der leeren Zeit“, 15.7. (Eröffnung 11 Uhr) bis 9.9.2018, Werkstraße 31-33, Di-So 11-18 Uhr. Karten: Tel. (02324)  9247 150. www.lwl.org/industriemuseum/