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Vom Paulus zum Saulus

Ouvertüre des «Paulus-Oratorium» im Gesprächskonzert in St. Otger

05.06.2007

Zu Gast war der Kirchenmusiker Ralf Borghoff aus Geseke, der auch in Paderborn und Dortmund wirkt. Er spielte und erklärte aus dem «Paulus-Oratorium» von Felix Mendelssohn-Bartholdy die Ouvertüre in einer Transkription für Orgel von Thomas William Best. Dabei handelt es sich um ein Frühwerk des bekannten Komponisten, das eigentlich ein vertonter Bibeltext ist und die Wandlung des Saulus zum Paulus nachvollzieht. Die Bekehrung und der Sinneswandel des Apostels wird in der Musik Bartholdys eindrucksvoll nachempfunden, und die Dramatik und herbe Schönheit der Musik lassen seelische Stimmungen erahnen - von Groll und Zweifel, bis hin zum Feuereifer eines echten Propheten, dessen Profil dort angedeutet wird. Die Ouvertüre beginnt mit dem Kirchenlied «Wachet auf, ruft uns die Stimme» von Johann Sebastian Bach. Ein barockes Thema also, das in romantischer Bearbeitung erscheint. In der Orchesterversion intonieren Streich- und Blasinstrumente die Melodie in romantisch-weichen Akkorden, und natürlich wird auch dem Text nach deutlich, dass es um geistige Erweckung, hier die Bekehrung des Saulus zum Christentum geht. Mendelssohn bewege sich sehr nah am Original, verwende aber tiefere Klangfarben, meinte der Kirchenmusiker. Saulus ist zunächst noch ohne Einsicht zur Umkehr und will den Christen die Stirn bieten. Signalisiert wird dies durch die herber werdende Melodie. Schnelle Notenwerte schaffen dramatische Spannung und deuten die geistige Unruhe an, die Saulus umtreibt und seine Entschlossenheit nach Damaskus zu gehen, wo er eigene Pläne hat. Der Komponist lässt die Zuhörer nicht mehr zur Ruhe kommen. Ein Fugenthema wird dreimal zitiert und ändert sich erst beim vierten Mal. Daraus wird schließlich ein Verkündigungsthema. In wenigen Takten geht es wieder hinauf, zur richtigen Melodie des Liedes «Wachet auf, ruft uns die Stimme». Jetzt hat Saulus ein offenes Ohr für den Ruf Gottes. Er wird zum Paulus und erkennt seine Berufung zum Christentum. Der Kirchenmusiker spielte verschiedene Melodienfragmente, Bass- und Sopranstimmen und deutete sie in ihrem Kontext. Zum Abschluss hörten die Freunde der Orgelmusik die Ouvertüre des «Paulus» als Ganzes und als Zugabe vom begnadeten Orgelvirtuosen Borghoff die eigene Version dieses Themas. Das Publikum dankte dafür mit herzlichem Beifall. Susanne Dirking

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