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Lokale Güte auch ohne Siegel

QS-Siegel

Gütesiegel für Lebensmittel gibt es in immer mehr Ausführungen. Da ist es nicht leicht, den Überblick zu bewahren. Josef Slütter vom gleichnamigen Fleischereibetrieb sieht Existenzen bedroht.

von Alex Piccin

Stadtlohn

, 04.07.2018
Lokale Güte auch ohne Siegel

Josef Slütter, Inhaber des Hofladens Slütter in Stadtlohn, sieht im QS-Prüfsiegel eine hohe bürokratische Hürde für die Direktvermarktung der Produkte aus seinem Schlachtbetrieb. © Alex Piccin

Kurze Wege, eine hohe Qualität und die direkte Vermarktung der eigenen Produkte. Das schreibt sich Josef Slütter auf die Fahnen seines Hofes. Seit über einem Jahrhundert züchtet der Familienbetrieb Tiere und produziert Fleischwaren. Diese werden in eigenen Hofläden, wie in Stadtlohn, und auf Wochenmärkten vertrieben. Der Weg über die großen Supermarktketten ist Slütter allerdings versperrt – aus bürokratischen Gründen, wie er beteuert: „Beispielsweise Rewe oder Edeka führen nur Fleisch aus QS-zertifizierten Betrieben. Dabei erfordert dieses Siegel im Grunde nichts anderes als das, was die EG-Zulassung tut, die eigentlich jede Fleischerei besitzt.“

QS steht für Prozess-Qualität und Lebensmittel-Sicherheit. Dieses Prüfzeichen können sich aber nur die großen Unternehmen ans Revers heften, meint Slütter. Denn die Kosten betrügen seinen Ausführungen nach einmalig 7500 Euro und jährlich mindestens 500 Euro. Die tierärztlichen Untersuchungskosten bei einer Schlachtung sind ebenfalls spürbar, wie er weiter ausführt.

„QS wäre Minusgeschäft“

Da gehe es nach Menge: „Kleine Betriebe zahlen 20 bis 25 Euro pro Tier, bei den Großen liegt die Gebühr im Centbereich.“ Dadurch gerate der Wettbewerb aus dem Gleichgewicht. „Für uns wäre eine QS-Zertifizierung derzeit ein Minusgeschäft“, so Slütter weiter. Laut QS sind diese Kosten „deutlich zu hoch gegriffen“, wie Caroline Thiesmeier-Dormann aus der Pressestelle des Unternehmens auf Anfrage der Münsterland Zeitung sagt. „Diese sind gegebenenfalls mit Maßnahmen verbunden, die unabhängig von einer QS-Teilnahme bestehen.“ Dies seien unter anderem die genannten Untersuchungskosten.

Ein QS-zertifizierter Schlachthof dürfe nach Slütter außerdem keine Tiere von Höfen verarbeiten, die dieses Prüfsiegel nicht besitzen. Auch hier hält Thiesmeier-Dormann dagegen: „Ein QS-zertifizierter Schlachtbetrieb darf natürlich auch nicht QS-zertifizierte Tiere schlachten oder verarbeiten. Er darf das Fleisch nur nicht als QS-Ware vermarkten.“ Die Systematik sei die gleiche wie bei Bio-Produkten. Slütter stellt das System in Frage, auch vom Label Tierwohl ist er nicht wirklich überzeugt. „Das wurde für große Betriebe ausgelegt und steht nur bedingt für das Wohl der Tiere“, sagt Slütter. Da das Vieh nicht zu den örtlichen, nicht QS-zertifizierten Betrieben geführt werden könne, müsse es zum Teil bei nicht optimalen Bedingungen hunderte Kilometer auf Lkw transportiert werden. Fallen jene Schlachtmöglichkeiten weg, würde es wohl das Aus für die kleinen Viehzüchter, glaubt Slütter. Ähnliches sei bereits vor einigen Jahren mit der Einführung der EG-Zulassung geschehen.

Kunde zielt auf Sicherheit

Doch diese Sorge hat Caroline Thiesmeier-Dormann dem Betrieb mit ihrer Aussage genommen. Der Weg des kleinen Züchters zum QS-zertifizierten Schlachtbetrieb sei eben nicht versperrt, sofern das Fleisch nicht als solches vermarktet wird. Dennoch wünscht sich Josef Slütter eine erhöhte Aufklärung für den Verbraucher und niedrigere bürokratische Hürden für die Produzenten. Zumindest zweiteres sei noch nicht absehbar: „Es wurde ein bürokratisches Monster erschaffen. Wir haben als kleine Betriebe keine Lobby und sind zu wenige, damit wir erhört werden.“ Die gute Nachricht für Josef Slütter ist, dass seine Kunden die Sicherheit, wo das Fleisch herkommt, wichtiger sei als ein Siegel.