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Generationen zusammen leben lassen

Stadtlohn Groß, schlank, lässig elegant gekleidet und grauhaarig, so wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, betrat der 69-jährige ehemalige Bremer Bürgermeister Dr. Henning Scherf ganz unspektakulär das evangelische Gemeindehaus.

14.06.2007

Statt direkt nach vorn zu stürmen, nahm er den Weg durch die Reihen der rund 70 Zuhörer, um jeden von ihnen persönlich zu begrüßen. Kein Wahlkampf trieb den Unruheständler an, der heute von Fraktionen und politischen Verbänden nichts mehr wissen will, sondern die gelebte Mitmenschlichkeit des «sozialdemokratischen Protestanten», die sich in einer eher unbewussten Geste auch optisch äußerte. Mehr als einmal faltete er während seines Auftritts die Hände, um das zu unterstreichen, was er als Botschaft an die vielen «Weißköpfe» im Publikum mitgebracht hatte.

Auf Einladung der Ideengeberin Christel Hinnemann, Buchhandlung «Bücherzeit», und der evangelischen Gemeinde, vertreten durch Pfarrer Uwe Weber, kam er von einer Lesung in Quakenbrück direkt nach Stadtlohn, um sein Buch «Grau ist bunt. Was im Alter möglich ist» vorzustellen. Das Buch erschien 2006 im Herder-Verlag, liegt mittlerweile in der dritten Auflage vor und steht seit acht Monaten auf der Bestsellerliste. «Schröders Buch hat sich nur drei Wochen in der Liste gehalten», bemerkte er scherzend als einen der vielen Seitenhiebe auf seine politischen Weggefährten ohne Achtung auf Fraktionszugehörigkeiten. Mittlerweile liegt das Buch auch als Hörbuch vor.

Mit diesem Buch wolle er gegen das «Angst- und Panikthema» des Alters angehen, das von vielen Autoren und Journalisten bundesweit geschürt werde. «Ich freue mich über jeden neuen Tag», war seine wichtigste Botschaft für die Zeit nach dem Ruhestand.

In einer Mischung aus Lesung und humorvollem Gespräch redete er über Möglichkeiten des Loslassens, vor allem bezogen auf Politiker und Selbständige, die langsam aber stetig die Stabübergabe vor dem eigentlichen Rücktritt einleiten sollten. Scherf wuchs in einem Mehrgenerationenhaus auf. Für die Gegenwart müsse diese Erfahrung wieder möglich werden.

«Bürgerhäuser»

Scherf lebt seit Jahren mit seiner Frau und anderen, älteren Mitbewohnern in einem offenen Mehrfamilienhaus, das mehrere Generationen als Besucher und als feste Bewohner beherberge. Eine Lanze brach er für Bürgerhäuser, die in freier Trägerschaft nicht nur in Bremen existierten.

Auch dort treffen mehrere Generationen zur Begegnung, zum Austausch und zum Miteinander aufeinander. Diese Häuser funktionierten ohne staatliche Zuschüsse besser als reine Jugendhäuser, wo die Generationen wieder getrennt würden.Voneinander lernen und füreinander da sein gegen Einsamkeit und Abgeschobensein - eine Vorstellung, die alle Zuhörer begeisterte. emk

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