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Wo endet Industriekultur und wo beginnt die Hässlichkeit? Im Falle alter oberirdischer Gichtgasrohre in Hörde gibt es zwei gegensätzliche Meinungen.

Hörde

, 13.07.2018

Richard Kelber kennt die Leitung am Steinkühlerweg, durch die gepresstes Gas zwischen Westfalenhütte und Phoenix-Ost transportiert wurde, schon seit Kindertagen. Hässlich fand er sie schon damals. Nun stört sie ihn noch aus anderen Gründen. „An keiner anderen Stelle schränkt ein solches Rohr so die Sicht und die Sicherheit im Verkehr ein“, sagt Kelber.

Das Hörder Rohr-System wurde 1912 errichtet. Von der Westfalenhütte laufen die Leitungen bis zum Werk Union und zur Kokerei Hansa. Das Netz ist rund 30 Kilometer lang. In ihnen wurde Gichtgas transportiert, ein Abfallprodukt der Stahlindustrie, das für die Koksproduktion eingesetzt wurde.

Das Ensemble besteht aus einem großen Rohr (Durchmesser rund 2,20 Meter) und zwei kleineren. Nur eines der beiden kleineren ist noch in Betrieb.

Ein langfristiger Vertrag verhindert den Rückbau

Kelber brachte deshalb in die Bezirksvertretung einen Bürgerantrag ein, in dem er vorschlägt, die Ringgasleitung an dieser Stelle abzubauen und das Gas unterirdisch fließen zu lassen.

Er erhielt darauf eine schriftliche Antwort von Baudezernent Ludger Wilde, die Kelber ärgerlich macht. „Ein Rückbau der ehemaligen Hochofengas-Trasse seitens des Unternehmens ThyssenKrupp Steel Europe ist zurzeit nicht geplant“, wiederholt das Baudezernat hierin eine Aussage von 2017. Und präzisiert die Vertragsverhältnisse an dieser Stelle: „Die Trasse dient in diesem Bereich als Trägerleitung für eine zwischen Phoenix-West und der Westfalenhütte verlaufende Stickstofftransportleitung.“ Für die Nutzung auf städtischem Eigentum sei im Jahr 2010 ein langfristiger Gestattungsvertrag zwischen der Stadt Dortmund und der Firma ThyssenKrupp Steel Europe geschlossen worden. Eine Kündigung des Vertrages sei frühestens im Jahr 2040 möglich.

„Prägend“ für das Stadtbild

Darüber hinaus, schreibt Wilde, sehe die Verwaltung keinen Anlass zum Abbau der Trasse, „weil die Leitung durchaus als prägendes Element des Stadtbildes gesehen werden kann“. Die Konstruktion stehe zwar nicht wie an anderen Stellen, etwa an der Kokerei Hansa in Huckarde, unter Denkmalschutz. „Die Leitung vermittelt dennoch ganz alltäglich die industrielle Geschichte der Stadt“, so Wilde.

Sind die ehemaligen Gichtgasrohre Industriekultur oder hässlicher Schrott?

Die Gichtgasrohre am Steinkühlerweg. © Felix Guth

Richard Kelber und mehrere Anwohner des Steinkühlerwegs sehen das gänzlich anders. Das Baudezernat beziehe sich nur auf einen Teil des Rohrs, kritisiert Richard Kelber. „Soll das bedeuten, dass die ehemalige Gichtgasleitung Dortmund auf immer und ewig erhalten bleibt, weil eine Firma nicht dazu gezwungen wird, ihre Altlasten auf eigene Kosten zu beseitigen?“ Er hält das Argument der Stadtästhetik für vorgeschoben, um die Interessen von Thyssen-Krupp Steel Europe nicht zu gefährden.

Die Bezirksvertretung Hörde wird in ihrer nächsten Sitzung am 11. September das Thema noch einmal aufnehmen.

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