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Abgesägtes Schild wird zur Aktionskunst

Aktion zu „(K)ein Schild in Selm

Ein Schild, das kein Mensch mehr braucht. Auch, wenn es mal Teil einer Aktion war, die bundesweit für Schlagzeilen gesrogt hat. Was soll mit so einem Relikt passieren? Schmeißt man es weg, lässt man es in der Garage liegen? Der Künstler Heinz Cymontkowski hat sich Gedanken gemacht.

Selm

, 10.05.2018
Abgesägtes Schild wird zur Aktionskunst

Heinz Cymontkowski mit seinem verhangenen Schild, das von der Aktion „(K)ein Schild in Selm übrig geblieben ist.

Mit einem großen Schild steht Heinz Cymontkowski auf einer Wiese zwischen den Wegen Ondruper Weg und Westerfelde. Es ist nicht irgendein Schild, sondern ein altes Ampelschild, das nach der Aktion „(K)ein Schild in Selm“ im Jahr 1998 aussortiert worden ist. Dabei wurden 600 Schilder eine Woche lang verhüllt, am Ende stand die Entscheidung: 471 Schilder können weg (siehe dazu auch Lokalseite 3). So wie dieses Schild, das jetzt auf der Wiese steht.

Mehrere Jahre lagerte es in der Garage von „Kein-Schild-in-Selm“-Initiator Günter Trunz, der es Anfang April an den Maler und Aktionskünstler Heinz Cymontkowski aus Selm übergab. Cymontkowski sieht sich als Bewahrer von Selmer Geschichte. Er sammelt vieles. Werbung, mit einem Bezug zu Selm, Literatur über und von Künstlern aus der Stadt – und eben auch Dinge, die mittels Aktionskunst zu Kunstwerken werden.

Kritik an Schildern

An diesem Dienstag geht es ihm darum, das Schild in einen neuen Kontext zu setzen. Deshalb hat er die einsame Wiese als idealen Standort ausgewählt. Dort, wo das Schild nicht gebraucht wird, wo es überflüssig ist und wo sonst nur ein Straßenschild und eines für einen Fahrradweg in direkter Umgebung angebracht sind.

Dafür deckt Cymontkowski das Schild zunächst mit der Plane ab, mit der es auch schon während der Aktionstage „(K)ein Schild in Selm verdeckt war. So setzt er es wieder in seinen Urzustand, später wird das Schild wieder aufgedeckt.

Ein großer Fan von zu vielen Schildern im Schilderwald ist Heinz Cymontkowski nicht. Zwischen seiner Wohnung in Selm und seinen Ateliers in Lünen und Bremen ist er viel unterwegs und findet zu viele Schilder oftmals unübersichtlich: „Ich bräuchte eigentlich nur die ‚Vorfahrt-gewähren‘ und Vorfahrts-Schilder“, sagt er. Die Aktion „(K)ein Schild in Selm hat der 63-Jährige nur als Zuschauer verfolgt. „Ich fand das Konzept damals genial“, sagt er. 1998 sei er durch die Straßen gelaufen und habe sich gewundert, wo überall Schilder waren, die er gar nicht mehr wahrgenommen hatte. „Wenn Künstler etwas verpacken, dann möchten sie eine besondere Aufmerksamkeitsgrad erzielen“, sagt Cymontkowski.

Abgesägtes Schild wird zur Aktionskunst

Das Ampelschild lagerte jahrelang in einer Garage, nun soll es zu Kunst werden.

Weitere Verwendung des Schildes

Seine Objektkunst ist an diesem Dienstag eine vergängliche. Nach wenigen Minuten auf der Wiese baut er das Schild wieder ab, die Landschaftscollage, könnte aber in einer erweiterten Form an einer anderen Stelle wieder auftauchen. Es ginge darum, Ideen zu kreieren. Die Aktion sei ein erster Weg dahin.

Zunächst wird das Schild, das zwanzig Jahre lang nicht mehr gebraucht wurde, wieder in den Kofferraum des Künstler-Autos gepackt und wartet darauf, wieder einen Zweck zu erhalten.